Open-Source-Monitoring-Tools

Am Puls des Rechenzentrums

Wenn im Rechenzentrum nicht alles rund läuft, dann stocken bei vielen Unternehmen nicht nur interne Arbeitsabläufe, sondern oft auch das direkte Geschäft mit den Kunden. Doch verschiedene Open-Source-Monitoring-Tools können den Administratoren dabei helfen, alles Wichtige im Blick zu behalten.

Am Puls des Rechenzentrums

Sensu Go besteht aus einer Backend-Komponente und Agenten auf den zu überwachenden Systemen.

Moderne IT-Architekturen sind komplex, oft hochgradig verteilt, besitzen virtualisierte Komponenten und nicht selten dynamische Strukturen, bei denen alle Ressourcen flexibel eingesetzt werden sollen. Wer hier den Überblick behalten und Ausfallszeiten vermeiden will, braucht ein leistungsfähiges Monitoring. Aktuell finden sich hierfür zahlreiche kostengünstige Open-Source-Systeme, die sich für unterschiedlichste Rechenzentrumsarchitekturen eignen. Die im Folgenden betrachteten Systeme stammen laut einer Studie der Becon GmbH aus verschiedenen Zeiten und zeichnen sich daher durch unterschiedliche technologische Paradigmen aus. Während die ersten sich seit fast 20 Jahren im Einsatz bewährt haben und einer großen Entwickler- und Anwender-Community erfreuen, sind die jüngsten eher maßgeschneidert für den Einsatz in modernen Cloud-Infrastrukturen.

Vom Klassiker Nagios ...

Das Monitoring-Tool Nagios lässt sich getrost als Klassiker unter den Open-Source-Monitoring-Systemen bezeichnen. In der Programmiersprache C geschrieben und bereits 1999 veröffentlicht, galt es lange als das Standardsystem unter den Lösungen. Nagios profitiert von einer großen Community, die eine Vielzahl ergänzender Plugins entwickelt hat. Es skaliert durch den Einsatz abgesetzter eigenständiger Instanzen, was das Tool schwer skalierbar macht. Für eine Übersicht aller Elemente in einem Web-Frontend müssen diese aufwendig zusammengeführt werden. Auf Basis von Nagios entstanden verwandte Nachfolgesysteme (sogenannte Forks) wie Naemon und Icinga. Alle drei Monitoring-Werkzeuge überwachen ihre Systeme mit Status-Checks: Sie prüfen Systemwerte im Hinblick auf vorher definierte Schwellenwerte und melden zurück, ob das Ergebnis in Ordnung oder kritisch ist.

OpenNMS und Zabbix, die aus den Jahren 2000 und 2001 stammen, sind event-basierte Monitoring-Systeme. Beide sammeln relevante Monitoring-Werte per Status-Checks, Collectoren oder über Protokolle wie SNMP, ICMP, WMI, JMX oder HTTP. Mit ihren datenbankbasierten Web-Frontends bieten sie rollenbasierte Zugriffskontrolle (RBAC). OpenNMS ist in Java geschrieben, skaliert mittels verteilter Instanzen und bietet personalisierte Dashboards. Zabbix enthält Programmteile in C, Java und PHP und skaliert durch das Verteilen von Subprozessen auf unterschiedliche Systeme.

Zur nächsten Generation von Open-Source-Monitoring-Systemen gehören Check_MK (2008) und Icinga2 (2014). Beide bieten mehr Business-Funktionen als ihre Vorgänger, wozu beispielsweise die Möglichkeiten für Visualisierung und Reporting gehören. Check_MK ermittelt relevante Monitoring-Werte üblicherweise mit Hilfe von Agenten, die auf den zu überwachenden Systemen installiert sind. Agenten-Updates können über das Web-Frontend gesteuert werden. Zur Skalierung können mehrere Instanzen von Check_MK eingesetzt und in einem Web-Frontend konsolidiert werden. Icinga2 ist ein Re-Write von Icinga, aber nicht kompatibel zur Vorgängerversion. Das Web-Frontend bietet RBAC und der Icinga Director unterstützt bei der Konfiguration der gesamten Monitoring-Landschaft.

Prometheus ist ein Open-Source-Monitoring-System, das als Microservice für Cloud-Umgebungen konzipiert ist und 2012 veröffentlicht wurde. Es sammelt Monitoring-Werte mit Hilfe so genannter Exporter, die als eigenständige Dienste arbeiten und Metriken via Webservices für Prometheus bereitstellen. So können die Monitoring-Inhalte beliebig erweitert werden.

... bis zum Brückenbauer Sensu Go

Sensu ist als Microservice für moderne Cloud-Architekturen konzipiert. Es wurde zunächst in Ruby geschrieben und 2011 veröffentlicht. Mit Sensu Go liegt seit Dezember 2018 das komplette Re-Write in Go dieses Open-Source-Monitoring-Tools vor. Es überwacht alle Ebenen einer IT-Architektur: von Servern, virtuellen Maschinen und Containern über Netzwerkgeräte, CPUs und Speicher bis hin zu Applikationen und Microservices. Sensu Go besteht aus einer Backend-Komponente und Agenten auf den zu überwachenden Systemen. Die Agenten führen auf Basis eines Publish-Subscribe-Ansatzes Monitoring-Checks effizient durch und sparen so im Vergleich zu älteren Monitoring-Lösungen viel Rechenleistung ein. Sensu skaliert durch die Hinzunahme weiterer Backend-Instanzen und entfaltet seine Stärken in Cloud-Umgebungen und Infrastrukturen, in denen viel Dynamik herrscht und die Fluktuation von Hard- und Software hoch ist.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 1-2/2019. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Sensu Go vereint nicht zuletzt die Möglichkeiten von Status- und Metrik-Checks, so dass Unternehmen bewährte Plugins, die sie beispielsweise mit dem Open-Source-Monitoring-Klassiker Nagios erstellt haben, nahtlos integrieren können. So kann Sensu Go eine Nagios-Umgebung erweitern, ihre Skalierbarkeit verbessern, Workloads aus der Cloud einbinden oder sie unter Beibehaltung bewährter Plugins relativ einfach ablösen. Durch diese Kompatibilität baut Sensu eine Brücke zwischen alter und neuer Monitoring-Welt. Seine offene Architektur und die dadurch verfügbaren Integrationen erlauben es, Sensu Go mit wenig Aufwand maßgeschneidert in die IT-Landschaft und -Prozesse des Unternehmens einzubetten.

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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