Energieeffizienter und sicherer Betrieb

Aus Leidenschaft für Rechenzentren

1993 gegründet, feiert die Noris Network AG dieses Jahr ihr 25-jähriges Bestehen. IT-DIRECTOR sprach mit Ingo Kraupa, dem Vorstandsvorsitzenden des Rechenzentrumsdienstleisters, über die wichtigsten Ereignisse der Firmengeschichte und worauf es beim energieeffizienten und sicheren Betrieb von Rechenzentren heutzutage besonders ankommt.

  • Energie ist der wesentliche Kostenfaktor beim Betrieb von Rechenzentren.

    Energie ist der wesentliche Kostenfaktor beim Betrieb von Rechenzentren. ((Bildquelle: Thinkstock/iStock))

  • Ingo Kraupa, Noris Network AG

    Ingo Kraupa, Noris Network AG ((Bildquelle: Noris Network))

IT-DIRECTOR: Herr Kraupa, Ihr Unternehmen hat sich vom ersten Internet Service Provider (ISP) in der Region Nürnberg zum Betreiber mehrerer Hochsicherheitsrechenzentren und Cloud-Service-Provider entwickelt. Welche einschneidenden Ereignisse gab es im Verlauf der Firmengeschichte?
I. Kraupa:
Wir bieten IT-Dienstleistungen, die auf eigenen Rechenzentren und IT-Infrastrukturen basieren. Dies macht uns flexibel und wir können mit Pluspunkten hinsichtlich der Sicherheit, Verfügbarkeit und Energieeffizienz punkten. Die Wurzeln liegen bei dem Bau unseres ersten Rechenzentrums im Jahr 2000. Danach stechen insbesondere die Neubauten Nürnberg Süd (2011) und München Ost (2016) hervor. In beiden Städten beginnen wir dieses Jahr den nächsten Erweiterungsbauabschnitt. So errichten wir bis Ende 2019 weitere 10.000 m2 IT-Fläche, denn die Nachfrage ist sehr groß. Ein weiteres wichtiges Ereignis war auch die Zertifizierung nach ISO 27001 im Jahr 2007 und die darauf aufbauenden Normen, die wir erfüllen.

IT-DIRECTOR: Wie erwähnt betreiben Sie mehrere Rechenzentren in Nürnberg und München. Wie gewährleisten Sie die Energieeffizienz der RZ-Standorte?
I. Kraupa:
Energie ist der wesentliche Kostenfaktor beim Betrieb von Rechenzentren. Ohne energieeffiziente Datacenter würde unsere Wettbewerbsfähigkeit leiden. Mit innovativen Lösungen wie Kyoto Cooling, modularen Energiezellen und indirekt freier Kühlung stehen wir hier auch im internationalen Vergleich sehr gut da. Und wir müssen das angesichts der Energiekosten in Deutschland auch.

IT-DIRECTOR: Nach wie vor zählt die Klimatisierung zu den größten Energiefressern in Rechenzentren. Mit welchen Methoden können die Verantwortlichen – über übliche Verfahren wie Kalt-Warm-Gänge und freie Kühlung hinaus – ihren Energieverbrauch bei der Klimatisierung in den Griff bekommen?
I. Kraupa:
Die Tatsache ist: Technologisch sind hier zuletzt die größten Fortschritte gemacht worden. Die niedrigen PUE-Werte (Power Usage Effectiveness) in unseren und anderen modernen Rechenzentren zeigen das. Effizienzverbesserungen gab es zuletzt bei den USV-Anlagen. Auch diese Technologien nutzen wir in München bereits. Ansonsten gilt: permanent messen, regeln und steuern. Einen guten PUE-Wert im Volllastbetrieb zu erreichen, ist nicht mehr so schwer. Die hohe Kunst ist es, auch im Teillastbetrieb und bei hoher Redundanz sehr gute Werte zu erzielen. Unser Konzept des modularen Rechenzentrums mit separat zuschaltbaren Energie- und Klimazellen kann hier Maßstäbe setzen.

IT-DIRECTOR: Welche weiteren RZ-Komponenten bieten das Potential, um Energiekosten zu senken?
I. Kraupa:
An erster Stelle sehen wir hier die Verbraucher – und damit ihre Server selbst. Hier gibt es noch genug Potentiale. Zum Beispiel könnte man auf der Virtualisierungsschicht mittels neuronaler Netze herausfinden, wie man die CPU-Taktung für die verschiedenen Loads optimiert. Allerdings: Wir als Betreiber haben das nur bedingt in der Hand, schon weil für uns im Zweifelsfall die Betriebssicherheit und die Service Level Agreements mit den Kunden das Maß aller Dinge sind.

IT-DIRECTOR: Ihre Rechenzentren weisen verschiedene Zertifizierungen auf. Welche sind Ihrer Ansicht nach aktuell die wichtigsten?
I. Kraupa:
ISO 27001 ist elementar, ISO 9000 für die Industrie, BSI für Behörden, PCI-DSS ist wichtig für den Finanzbereich. Wir erreichen außerdem seit vielen Jahren beim „Eco Datacenter Star Audit“ die Höchstzahl an Punkten. Neu ist die EN 50600, die zukünftig wichtiger wird.

IT-DIRECTOR: Seit Kurzem besitzen Sie auch die Zertifizierung nach EN 50600. Was steckt hinter dieser europäischen Norm und warum ist sie für RZ-Betreiber bzw. deren Kunden so wichtig?
I. Kraupa:
Normen sind grundsätzlich hilfreich, da sie eine Vorauswahl auf Basis objektiv vergleichbarer Mindestanforderungen ermöglichen. Die EN 50600 erfüllt dabei vieles, was es bisher nicht gab. Statt Tier-Level gibt es jetzt Sicherheits- und Verfügbarkeitsklassen, was ich sehr sinnvoll finde. Wir haben in München eines der wenigen Rechenzentren in Deutschland, das die höchste Klasse 4 in beiden Bereichen erfüllt. Ein weiterer Vorteil: Eine internationale Norm macht Rechenzentren über Ländergrenzen hinweg vergleichbar.

IT-DIRECTOR: Aktuell spricht alle Welt von Digitalisierung und digitaler Transformation. Wie unterstützen Sie Ihre Kunden bei ihrem digitalen Wandel?
I. Kraupa:
Wir als IT-Service-Provider verstehen uns hier als Wegbereiter. Die Digitalisierung von Prozessen im Industrie- und Dienstleistungsbereich, aber auch im öffentlichen Sektor, wird zusätzliche, hochmoderne IT-Kapazitäten erfordern. Ständig neue Kompetenzen für die sich wandelnden Technologien aufzubauen oder große Rechenzentren zu betreiben, lässt sich für Unternehmen wirtschaftlich nicht darstellen. Zudem fehlen nicht nur Kapazitäten und Budgets, sondern auch schlicht fähige Fachleute. Outsourcing an Anbieter wie uns ist die eindeutig wirtschaftlichere Strategie – und zudem skalierbar.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 11/2018. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Wir unterstützen Unternehmen in jeder Phase der „Cloud Journey“. Aber anders als die großen internationalen Cloud-Konzerne stellen wir uns auf die „hybriden“ IT-Anforderungen ein. Denn neben neuen Cloud-Anwendungen gilt es auch, über Jahre hinweg Legacy-Anwendungen, spezielle Systeme und traditionelle Datenbanken zu betreuen. Gleichzeitig ebnen wir unseren Kunden den Weg in die Cloud. Ein Beispiel: Mit unserem auf dem Open-Source-System Kubernetes aufbauenden Framework „Koris“ helfen wir klassischen Banken und Versicherungen ebenso wie Fintechs, ihre Applikationen mit höchsten Sicherheitsanforderungen in der Private und Public Cloud zu betreiben. Unsere DevOps-Spezialisten helfen dabei, dass Kunden ihre Software als Microservices sicher und skalierbar mit vollautomatischen Tests und Deployment entwickeln können.

IT-DIRECTOR: Compliance, Risikomanagement oder IT-Sicherheit: Die Digitalisierung stellt viele neue Anforderungen an die Unternehmens-IT. Welche Fragen treiben Ihre Kunden derzeit am häufigsten um?
I. Kraupa:
Die drei Themenfelder gehören untrennbar zusammen. Jedes Unternehmen hat hier eigene Anforderungen und unterschiedliche Reifegrade, insofern ist die Frage pauschal nicht zu beantworten. Wir besprechen diese Themen mit den Kunden und entwickeln individuelle Maßnahmen.

IT-DIRECTOR: Ein Blick in die Zukunft: Welche Datacenter-Trends werden die Branche in den nächsten Jahren bewegen? Was haben Sie sich für die nächsten 25 Jahre von Noris Network vorgenommen?
I. Kraupa:
Cloud Computing wird über die nächsten Jahre sicherlich das bestimmende Paradigma sein – allerdings ein wenig anders, als es die großen internationalen Anbieter momentan gerne darstellen. Wachsen werden neben Public-Cloud- auch Private-Cloud-Anwendungen und dies allein dadurch, dass sich Unternehmen in ihrer IT unterscheiden und mittels Differenzierung Wettbewerbsvorteile gewinnen wollen. Das Outsourcing von IT, flexible Skalierbarkeit und Pay-per-use anstelle eigener Systeme werden zur Selbstverständlichkeit. Insofern sehe ich eine wachsende Rolle für einen IT-Dienstleister wie uns, der mit Kunden auf Augenhöhe individuelle Lösungen bietet und entwickelt.

Bildquellen: Thinkstock/iStock, Noris Network

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