IT-Messe wird nicht fortgesetzt

Aus und vorbei – die Cebit wird eingestellt

Die Digitalmesse Cebit wird im kommenden Jahr nicht mehr fortgesetzt. Das hat die Deutsche Messe AG in einer Pressemitteilung am Mittwoch bekanntgegeben. Ein Grund für das Aus sollen die rückläufigen Flächenbuchungen sein.

Die Cebit wird eingestellt

Die Deutsche Messe AG nennt in einer Pressemitteilung rückläufige Flächenbuchungen als Grund für die Absage und spricht von Neusortierung der Digitalthemen.

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Wie IT-DIRECTOR auf Nachfrage mitgeteilt wurde, ist die Entscheidung am gestrigen Abend gefallen. Das Team hinter der Cebit soll weiterhin für die Messegesellschaft tätig bleiben und neue Aufgaben erhalten. Für viele Aussteller soll der Schnitt schlichtweg zu hart gewesen sein – zu viel Festival, zu wenig Business. Man bedauere, dass die Aufbruchsstimmung und das damit verbundene Engagement abgewürgt wurde. Zudem wird gemutmaßt, dass eine breit aufgestellte Messe wie die Cebit künftig nicht mehr gefragt sei.  Intern wolle man sich mit alternativen Event- oder Messeformaten zum Thema Digitalisierung befassen und die langjährigen, weltweiten Kontakte für eine neue Aufstellung nutzen. Offen bleibe, wer nun den Marktplatz organisiere, auf dem sich Anbieter und Anwender treffen und wo die Branche, die maßgeblich die wirtschaftliche und gesellschaftliche Zukunft beeinflusse, zusammenkommen soll.

In diesem Jahr hatten die Organisatoren der Deutschen Messe AG versucht, die Cebit als „Europas führendes Digital-Event” neu zu positionieren. Insgesamt lockte die Cebit in neuem Gewand aber nur 120.000 Menschen aufs Messegelände - noch einmal deutlich weniger als 2017 mit 200.000 Besuchern. Im Sommer hatten die Cebit-Macher noch ein positives Fazit für ihr neues Konzept gezogen. Erstmals war die Messe nach Jahren rückläufiger Zahlen in runderneuertem Gewand mit Festival-Charakter an den Start gegangen. Messe-Vorstand Oliver Frese sagte damals, alle Ziele seien erreicht worden.

Die Deutsche Messe AG nennt in einer Pressemitteilung rückläufige Flächenbuchungen als Grund für die Absage und spricht von Neusortierung der Digitalthemen. Die industrienahen Themenkomplexe sollen demnach in die Hannover Messe übergehen, alle weiteren Aspekte sollen über gezielte Fachveranstaltungen für Entscheider aus der Branche abgefangen werden. Die technologische Entwicklung der vergangenen Jahre hätte gezeigt, dass eine Horizontalmesse wie die Cebit in der digitalen Wirtschaft zunehmend auf rückläufige Nachfrage stoße. Die Kernaussteller nutzen nach Einschätzung der Messegesellschaft aus Hannover immer häufiger die Branchenmessen der Anwender als Plattform für Geschäftsanbahnung.

"Die deutsche Wirtschaft hat in den vergangenen Jahren immer wieder über die thematische Überschneidung von Hannover Messe und Cebit diskutiert. Wir werden daher die Themen überführen, die inhaltlich zur klaren Ausrichtung der Hannover Messe passen", kommentierte Dr. Jochen Köckler, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Messe AG, das Geschehen am Mittwoch in Hannover. In den nächsten Wochen werde intensiv mit dem Digital-Markt geprüft, welche Themen Potenzial für fokussierte Fachmessen aufweisen.

Zu besten Zeiten um die Jahrtausendwende hatte die Messe bis zu 800.000 Besucher gezählt, dann ging die Kurve kontinuierlich nach unten. Die alte und neue Cebit seien nicht zu vergleichen, betonte Frese Mitte Juni. Aussteller und Partner seien allesamt zufrieden gewesen. In wirtschaftlichen Zahlen spiegelte sich diese Begeisterung allerdings nicht unbedingt wider.

Erstmals hatte die Cebit im laufenden Jahr im Sommermonat Juni statt im Schneeregen des März stattgefunden. Roboter und autonome Fahrzeuge wurden präsentiert, der Software-Konzern SAP steuerte mit einem Riesenrad zur lockeren Atmosphäre bei - und spendierte der Messe ein neues Wahrzeichen. „Wir wollen die Leitveranstaltung für die digitale Transformation sein und auch jüngere Zielgruppen anziehen”, hatte Frese kurz vor Messebeginn noch erklärt.

Messechef verabschiedet sich ebenfalls

Die Entscheidung bedeutet auch einen tiefen Einschnitt für Frese: Der Messechef bat den Aufsichtsrat um Entbindung von seinen Aufgaben zum 31. Dezember - das Gremium erfüllte seinen Wunsch. Bernd Althusmann, Aufsichtsratschef und Niedersachsens Wirtschaftsminister, sprach von „Bedauern und Respekt”. Es sei bedauerlich, einen so erfahrenen Messemacher zu verlieren, betonte der CDU-Politiker. Mit dem neuen Konzept der Cebit habe Frese „Mut, Innovationskraft und Pioniergeist” bewiesen. „Der weitere Nachfragerückgang bei der neuen Cebit ist umso bedauerlicher, gleichzeitig zeigt er aber auch, dass die Cebit-Idee in der gesamten Wirtschaft angekommen ist”, sagte Althusmann.

Diese Ansicht teilt Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil: „Der digitale Wandel findet inzwischen überall statt, auch auf allen anderen Messen. Die Cebit ist insofern ein Opfer des eigenen Erfolges”, sagte der SPD-Politiker. „Ein wichtiges Kapitel der Messen in Hannover geht zu Ende, und das ist sehr schade.”

Dennoch gilt: „Unabhängig von der positiven Resonanz, die das neue Konzept fand, muss es sich natürlich auch für den Veranstalter rechnen”, betonte Bitkom-Präsident Achim Berg. Markt und Messelandschaft hätten sich in den vergangenen Jahrzehnten stark gewandelt. „Das ist ein Schlag ins Kontor für den Messestandort Hannover und damit für den gesamten Wirtschaftsstandort Niedersachsen”, sage der Hauptgeschäftsführer von Niedersachsenmetall, Volker Schmidt: „Die Cebit war für drei Jahrzehnte ein echtes Aushängeschild und hat maßgeblich zum Renommee der gesamten deutschen Informations- und Kommunikations-Wirtschaft beigetragen.”

Zumal die Computershow 1986 - vor 32 Jahren - als Paukenschlag begann: Denn ihre Premiere wurde gleich von einem Todesfall überschattet. Der Computer-Unternehmer Heinz Nixdorf brach auf einer Messe-Party auf der Tanzfläche mit einem Herzinfarkt zusammen und starb. 1995 stimmte Microsoft-Gründer Bill Gates auf der Cebit auf das - damals - neue Zeitalter des Betriebssystems ein. Ein Jahr später war Windows 95 etabliert. Aber auch die Messe-Konkurrenz wurde stärker.

Für die Deutsche Messe AG sinkt die Bedeutung der Cebit auch in wirtschaftlicher Hinsicht schon seit Jahren. Das Unternehmen sei angesichts anderer starker Veranstaltungen und das wachsende Auslandsgeschäft „sicher und solide” aufgestellt, sagte Köckler. Die Marke Cebit will die Deutsche Messe im Ausland weiter nutzen. Ganz verschwindet die Cebit also nicht.

Mit Material von dpa.

Bildquelle: Deutsche Messe AG

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