Stichtag für E-Invoicing rückt näher

Blick in Richtung Süden

Ab November 2020 müssen Rechnungen bei allen öffentlichen Aufträgen in Deutschland elektronisch ausgestellt und versandt werden. Italien zeigt, wie es gehen könnte.

Fernrohr am Horizont

Großunternehmen sollten die Entwicklungen rund um die Pflicht zum elektronischen Rechnungsaustausch im Blick behalten.

Für die Studie „Papierloses Büro und E-Invoicing in Deutschlands Top-700-Unternehmen: Status Quo, Pain Points und Erfolgsfaktoren“ wurde der derzeitige Stand in Sachen elektronischer Rechnungsaustausch ermittelt. Hunderte Großunternehmen aus Deutschland wurden daher für eine Studie von Fraunhofer und Comarch zum Status ihres Rechnungsversands befragt – mit durchwachsenem Ergebnis.

Ein Drittel der befragten Unternehmen setzt derzeit noch keine Software für E-Invoicing ein, ein Viertel möchte allerdings nachholen und in den nächsten fünf Jahren zum ersten Mal eine E-Invoicing-Lösung einführen. 50 Prozent dieser Organisationen und Unternehmen entstammen dabei den Branchensegmenten Dienstleistung und Versorgung sowie Öffentliche Dienstleister, also gerade jenen Branchen, welche von der kommenden B2G-E-Rechnungspflicht mit am stärksten betroffen sind.

70 Teilnehmer der Studie äußerten sich auch zu den Haupthindernissen bei einer Einführung eines Systems. Die Gründe liegen sowohl innerhalb als auch außerhalb der Organisationen. Entweder verfügen die Unternehmen selbst derzeit nicht über die nötigen Ressourcen für den Auswahlprozess oder in ihrem Haus herrscht die Meinung vor, dass die Geschäftspartner noch nicht bereit sind und damit auch die Erwartungen durch eine Systemunterstützung nicht erfüllt werden können.

Von den Firmen, welche bereits auf elektronischem Wege Rechnungen austauschen, gaben 135 eine Auskunft zum bisherigen Softwareeinsatz. Für rund 60 Prozent der E-Invoicing-Pioniere wurden alle Erwartungen an die neue Lösung erfüllt. Doch es gibt auch Unzufriedene – die Anzahl der Unternehmen, die ihr erstes Produkt abgelöst haben, zeigt, dass es auch bei bestehenden Lösungen zu entsprechenden Erneuerungen kommt und dass das Thema aus Systemsicht heraus auch in den nächsten Jahren nicht zu vernachlässigen ist.

Hat sich Italienisches Modell als Vorbild bewährt?

Eine Pflicht zum elektronischen Rechnungsaustausch, die 2020 in Deutschland für B2G in Kraft tritt, gibt es bereits in Italien – und zwar auch für B2B und B2C. Dass das dortige Modell als Vorbild für Deutschland taugt, ist für den Rechtsanwalt Dr. Richard Putz von Holzeisen Reich Oberthaler Putz klar: „Das System hat sich als äußerst stabil und sehr ergonomisch erwiesen und die Resultate sind deutlich. Es wurde ein Digitalisierungsschub ausgelöst. Die Akzeptanz bei der Bevölkerung und den Unternehmen ist groß. Man hat schnell die Vorteile zentraler Datenübermittlungsknoten und die Möglichkeiten der automatischen Eingangsrechnungsverarbeitung erkannt.“

Stefan Groß, Vorsitzender des Verbands elektronische Rechnung (VeR) teilt diese Ansicht: „Wenn man nach Italien sieht und registriert, wie dort innerhalb kürzester Zeit erfolgreich die Pflicht zum elektronischen Rechnungsaustausch umgesetzt wurde, gehe ich davon aus, dass wir uns auch hierzulande relativ rasch mit der Frage nach verpflichtendem elektronischem Rechnungsaustausch beschäftigen werden. Nach meiner persönlichen Einschätzung ist es durchaus denkbar, dass wir in drei bis vier Jahren ein ähnliches Modell wie in Italien haben werden. Wenn diese Pflicht zum elektronischen Rechnungsaustausch allerdings kommt, dann macht es nur mit einem einheitlichen Datenformat und flächendeckend Sinn, also B2B und B2C.“

Zu einer möglichen Pflicht auch für B2B und B2C gefragt, sieht auch Christian Brestrich, Geschäftsführer von B&L Management Consulting, den Blick Richtung Süden: „Beim B2B-Austausch sind die Augen aus meiner Sicht auf Italien gerichtet. Sollte das verpflichtende Clearing-Modell, also der Ansatz, alle Rechnungen über eine zentrale Bundesstelle zu versenden und empfangen, tatsächlich zur Vermeidung von Umsatzsteuerbetrug beitragen, werden sicher auch die deutschen Behörden darüber nachdenken. Bevor eine solche Regelung bei uns allerdings umgesetzt wird, vergehen sicher noch ein paar Jahre. Ich denke, der Austausch elektronischer Rechnungen mit Endkunden wird keine Verpflichtung, allerdings sind ja bereits heute viele Unternehmen allein schon aus Kostengründen daran interessiert, diese Rechnungen zumindest als PDF per E-Mail zuzustellen.“

E-Invoicing spielt also schon heute eine große Rolle für Unternehmen, sei es bereits im aktiven Rechnungsaustausch oder als konkrete Planung für eine Einführung in den kommenden Jahren. Dem Thema wird in Zukunft wachsende Bedeutung zukommen, die ersten Schritte sind bereits getan.

Bildquelle: Getty Images/iStock

©2019Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok