Was bringt das Outsourcing von IT-Ressourcen?

"Colocation hilft bei der Digitalisierung"

Mit der Digitalisierung der Geschäftsprozesse steigt gleichzeitig auch der Bedarf an IT-Ressourcen an. Dies können Unternehmen mit der Auslagerung ihrer IT in ein Colocation-Rechenzentrum abfedern, meint Stefan Keller von Noris Network.

Stefan Keller, Noris Network

Stefan Keller, Vertriebsleiter der Noris Network AG

IT-DIRECTOR: Herr Keller, eigener RZ-Betrieb, Hosting oder Colocation – welche Betriebsform passt für welche Anforderung von Unternehmen am besten? Und warum?
S. Keller:
Eigene Rechenzentren betreiben Unternehmen heute nur noch, wenn diese Skalierungsmöglichkeiten mit mehreren 1.000 m² haben. Skalierung wird eben nicht nur benötigt, wenn das Unternehmen stark expandiert, sondern auch, weil die Digitalisierung der Geschäftsprozesse voranschreitet und damit der Bedarf an IT-Ressourcen wächst. Wer eigene Rechenzentren unterhält, benötigt auch eine entsprechende Menge und Qualität von Fachleuten im eigenen Hause. Unternehmen, die ein RZ selbst betreiben möchten, sollten daher genau prüfen, ob der Standard, der mit eigenen Mitteln erreicht werden kann, auch künftig ausreicht.

Bei hohen Qualitätsansprüchen im Bereich USV, Klima, Perimeterschutz und den entsprechenden Zertifizierungen wie BSI 27001 nach IT-Grundschutz, ISO 20000 oder zukünftig EN 50600 ist es wirtschaftlich sinnvoller, sich einen Provider mit diesen Fähigkeiten zur Colocation auszuwählen. Das Gleiche gilt für ein hohes Sicherheitsbedürfnis.

IT-DIRECTOR: Stichwort Colocation: Wie teuer ist aktuell der durchschnittliche Quadratmeterpreis für eine Hardwarestellfläche in Colocation-Rechenzentren?
S. Keller:
Im Schnitt zahlt man für ein zertifiziertes Rechenzentrum im Enterprise-Standard circa 150 Euro pro m² mit 1 KVA. Diese Faustregel ist aber insofern ungenau, weil dabei unberücksichtigt ist, wie viel Rechenleistung man auf dieser Fläche tatsächlich unterbringen kann. Bei den meisten Flächen können wegen der Grenzen der Klimatisierung oder Stromzufuhr nicht alle Höheneinheiten eines Racks genutzt werden. In modernen Rechenzentren wie Nürnberg-Süd ist hingegen die gesamte Fläche High-Density-fähig. In unserem im Bau befindlichen RZ München-Ost passen sogar 60-HE-Racks. Den Unternehmen bleibt also ein genauerer Preis-Leistung-Vergleich nicht erspart, sonst vergleichen sie Äpfel mit Birnen.

IT-DIRECTOR: Welche Serviceleistungen sind bei Colocation – über die Bereitstellung der Stellfläche hinaus – in der Regel eingeschlossen?
S. Keller:
Inkludiert sind in der Regel nur Remote-Hands-Leistungen, also beispielsweise die Aufrechterhaltung des Hardware-Betriebs durch den Tausch von Datenträgern, Netzteilen sowie ähnliche Standardaufgaben, für die der Kunde nicht extra anreisen muss. Gelegentlich gehört auch noch die Betriebssystemebene dazu. Gute Dienstleister bieten dann flexibel skalierbare Managed Services an: Datenbank und Applikationsbetrieb oder die komplette Integration in Managed Services oder Cloud-Services.

IT-DIRECTOR: Wie gestalten sich übliche Vertragslaufzeiten und Kündigungsfristen?
S. Keller:
Das ist Verhandlungssache und individuell. Die Vertragslaufzeiten schwanken zwischen 36 bis 120 Monaten, bei langlaufenden Verträgen sind Kündigungszeiten von bis zu zwölf Monaten üblich.

IT-DIRECTOR: Was sollten IT-Verantwortliche bei der Planung und Durchführung eines Umzugs ihrer Unternehmens-IT in ein Colocation-Rechenzentrum vor allem beachten?
S. Keller:
Ein IT-Umzug steht und fällt mit der Qualität der Vorbereitung. Consulting-Leistungen sollten mit Berufserfahrung und Referenznachweisen eingekauft werden. Aufseiten des Providers sucht man sich am besten einen, der den Umzug gleich als Werksvertrag mit anbietet. Der Kunde kommt aber nicht umhin, ausreichend Ressourcen für die technischen Abläufe zur Verfügung zu stellen.

IT-DIRECTOR: Welcher Zeitrahmen sollte für den Umzug angesetzt werden?
S. Keller:
Drei bis sechs Monate kann ein solcher Prozess schon dauern – unter Umständen auch länger, wenn zum Beispiel eine WAN-Anbindung realisiert werden muss.

IT-DIRECTOR: Inwieweit sollte man teure Hardware speziell absichern (z. B. mit besonderer Verpackung, IT-Versicherungen)?
S. Keller:
Die Standardbeschädigungen durch Fehlverhalten des Providers sind durch dessen Versicherungen abgedeckt. Elementarschäden sind in Hochsicherheitsrechenzentren wie unseren äußerst unwahrscheinlich. Auch Vandalismus durch Enterprise-Kunden ist nicht wirklich eine große Gefahr. Man wird mit der Versicherung bei der Risikobetrachtung eine geringere Prämie aushandeln können.

IT-DIRECTOR: Allgemeines Stichwort „Rechenzentrumsreinigung“: In welchen Zeitabständen sollte die Reinigung von Rechenzentren vorgenommen werden?
S. Keller:
Hierzu gibt es keine Vorschriften oder Standards. Bei Noris Network werden die Rechenzentren einmal in der Woche gereinigt.

IT-DIRECTOR: Worauf muss man bei der RZ-Reinigung besonders achten? Welche Putzaktionen oder Putzmittel erweisen sich in diesem Umfeld als besonders kritisch?
S. Keller:
Wir lassen im Rechenzentrum nur mit speziellen Maschinen reinigen. Wasser ist in unseren Rechenzentren verboten, eine Reinigungskraft mit Putzeimer wäre da eine absurde Vorstellung.

IT-DIRECTOR: Inwiefern kann man sichergehen, dass das Reinigungspersonal den Sicherheitsstandards im Rechenzentrum Folge leistet?
S. Keller:
Wer unsere Rechenzentren betritt, unterschreibt vorher alle datenschutzrechtlichen Verbindlichkeiten – wie ein eigener Mitarbeiter. Subunternehmer unterschreiben diese Verträge auch, mit entsprechenden Penalen. Optional sind polizeiliche Führungszeugnisse vorgesehen.

©2019Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok