Hohe Stammdatenqualität

Das planen Unternehmen mit S/4 Hana

Welche weitreichenden Pläne die Unternehmen mit einer Umstellung auf S/4 Hana verfolgen, erläutert DSAG-Fachvorstand Ralf Peters im Interview.

Ralf Peters, DSAG

Ralf Peters, DSAG-Fachvorstand Digitalisierung, Finance & Value Chain

IT-DIRECTOR: Herr Peters, worauf sollten Anwenderunternehmen bei der Migration von SAP-Altsystemen auf S/4 Hana besonders achten?
R. Peters:
Unternehmen sollten sich vor der Einführung fragen, welchen Zielzustand sie anstreben und welchen Platz S/4 Hana in der Systemlandschaft einnehmen soll. Und sollen die bestehenden Prozesse im Rahmen der Migration optimiert werden? Darüber hinaus muss ein Unternehmen abwägen, ob es S/4 Hana im eigenen Rechenzentrum, im Outsourcing oder als Software-as-a-Service-Lösung betreiben möchte. Außerdem sind die Ausgangslage und die vorhandene Datenqualität entscheidend. Ist das Quellsystem von einem anderen ERP-Anbieter, besteht ein noch größerer Bedarf, die Organisation in IT und Fachbereich anzupassen. Gleichzeitig sollten Unternehmen ihre Prozesse und Drittapplikationen aufräumen und Schnittstellen sowie „Umsysteme“ reduzieren. Ein Konzept für historische Daten sollte ebenfalls vorhanden sein. Und auch die Anwendertypen dürfen nicht vergessen werden.

IT-DIRECTOR: Wie läuft derzeit Ihrer Einschätzung nach das Neukundengeschäft rund um S/4 Hana?
R. Peters:
Unternehmen haben weitreichende Pläne hinsichtlich der Umstellung auf S/4 Hana. Laut DSAG-Investitionsreport 2019 haben drei Viertel der Firmen eine klare Entscheidung für die Lösung getroffen. Die Rate derer, die Projekte tatsächlich realisiert haben, stagniert jedoch bei drei Prozent.

IT-DIRECTOR: Aus welchen Gründen zögern Anwenderunternehmen einen Umstieg auf S/4 Hana (noch) hinaus?
R. Peters:
Zum einen konkurriert S/4 Hana mit der Digitalisierung und der Automatisierung von Prozessen in den Unternehmen. Zum anderen lassen die noch spärlichen Erfahrungen mit S/4-Hana-Einführungen auf dem Beratermarkt zögern. Darüber hinaus ist die Zahl der Berater, die wirklich visionär denken, im S/4-Hana-Umfeld gering. Das ist marktbedingt. Aber insgesamt informiert SAP noch nicht zielgerichtet genug.

IT-DIRECTOR: Cloud- oder On-Premise-Installation: Welche S/4-Hana-Betriebsmodelle werden bevorzugt?
R. Peters:
Laut DSAG-Investitionsreport 2019 ist es für die Mitgliedsunternehmen derzeit relevanter, in S/4 Hana als On-Premise-Lösung zu investieren als in die Software-as-a-Service-Variante. Die Entscheidung hängt von den Anforderungen, den IT-Ressourcen und der Komplexität der Geschäftsprozesse ab. S/4 Hana On-Premise bietet den breitesten Funktionsumfang und ist am stärksten individualisierbar. Deshalb entscheiden sich häufig Unternehmen mit komplexen Strukturen und spezifischen Anforderungen dafür. S/4-Hana-Cloud ist eher für Unternehmen interessant, die vor allem standardisierte Prozesse haben, wie Finanzbuchhaltung oder Lagerwirtschaft, und nichts anpassen wollen. Dennoch können sie über die SAP Cloud Plattform eigene Erweiterungen und Applikationen in das System einbauen. Anders als bei S/4 Hana On-Premise können sie den Quellcode aber nicht verändern.

IT-DIRECTOR: Was sind gemäß Ihrer Projekterfahrung die häufigsten Stolpersteine bei der Einführung von S/4 Hana?
R. Peters:
Die Migration setzt z. B. eine hohe Stammdatenqualität voraus und kann hinsichtlich der Analyse der Eigenentwicklungen Fallstricke bereithalten. Insbesondere ein Komplettumzug von einem System in ein anderes kann vielschichtig sein. Das merkt man aber häufig erst, wenn man sich mit den Details beschäftigt – bis hin zum Housekeeping. Housekeeping-Projekte sind unangenehm und können viel Zeit verschlingen. Doch wer den Implementierungsaufwand während der System-Conversion minimieren möchte, sollte z. B. die Business-Partner-Thematik vor der eigentlichen S/4-Hana-Einführung behandelt haben. Das gilt übrigens auch für Integrationsszenarien von SAP ERP mit SAP-Cloud-Lösungen bzw. -Applikationen.

IT-DIRECTOR: Wie ist es im IT-Dienstleistungsbereich um S/4-Hana-Spezialisten bestellt?
R. Peters:
Gute Berater, die die strategische Entwicklung beherrschen und visionär denken, sind nicht so häufig. Einige Berater haben zwar einen Kurs zur S/4-Hana-Einführung gemacht, aber damit ist es nicht getan. Man darf nicht unterschätzen, was Erfahrung bedeutet.

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