Aspera-Geschäftsführer Achim Rudolph im Interview

Digitale Assets im Blick

Im Interview erklärt Achim Rudolph, Geschäftsführer bei Aspera in Aachen, wie die Verantwortlichen mittels Software Asset Management (SAM) nicht nur alle digitalen Assets im Blick behalten, sondern gleichzeitig auch ihre Lizenzlandschaft optimieren und auf diese Weise Kosten senken können.

  • Aspera-Geschäftsführer Achim Rudolph

    Einige Software-Anbieter würden sich eher durch Intransparenz und einen schwierigen Umgang bei Audits auszeichnen, sagt Rudolph.

  • Aspera-Geschäftsführer Achim Rudolph

    „Lizenzmanagement besitzt nicht überall hohe Bedeutung. Vielmehr gibt es Länder ohne eine entsprechende Gesetzgebung, sodass Software-Lizenzansprüche dort freundlich ignoriert werden“, sagt Aspera-Geschäftsführer Achim Rudolph.

  • Aspera-Geschäftsführer Achim Rudolph

    Achim Rudolph: „Neben den regelmäßigen Audits kämpfen immer mehr Unternehmen mit explodierenden Lizenzkosten, was mit der zunehmenden Cloud- oder SaaS-Nutzung zusammenhängt.“

  • Aspera-Geschäftsführer Achim Rudolph

    Die Software-Hersteller würden den größten Trumpf in ihrer Hand halten, so Rudolph: die Definition von Bestimmungen, die sie später selbst interpretieren dürfen.

  • Aspera-Geschäftsführer Achim Rudolph

    „Die Grundprinzipien des Lizenzmanagements verändern sich im Internet der Dinge erst einmal nicht“, meint Achim Rudolph.

IT-DIRECTOR: Herr Rudolph, wie ist Aspera heute aufgestellt?
A. Rudolph: Das Unternehmen wurde im Jahr 2000 gegründet und kann heute auf rund 400 Kunden blicken. Diese setzen entweder auf unsere Software Asset Management-Lösungen oder auf die dazu passenden Beratungs- und Dienstleistungen. Seit dem Jahr 2010 agieren wir als eine Tochtergesellschaft der USU Software AG in Möglingen, deren Schwerpunkt auf der Digitalisierung von IT- und Kundenservices liegt.

IT-DIRECTOR: Wie positioniert sich Aspera innerhalb der USU-Gruppe?
A. Rudolph: Während sich unsere Muttergesellschaft verstärkt um die Handhabung von Daten und IT kümmert, fungieren wir innerhalb der Gruppe als reiner Spezialist für das Software Asset Management (SAM). In diesem Kontext sind wir u.a. in Australien, Europa, Nordamerika und Japan aktiv. Dabei besitzt das Lizenzmanagement nicht in allen Märkten eine gleich hohe Bedeutung. Vielmehr gibt es Länder ohne eine entsprechende Gesetzgebung, sodass Software-Lizenzansprüche dort freundlich ignoriert werden.

IT-DIRECTOR: Warum setzen die Software-Hersteller nicht verstärkt Audits in den Märkten an, die sich nicht um die Lizenzthematik scheren?
A. Rudolph: Es gibt Länder, in denen Urheberrechtsschutz und entsprechende Lizenzgebühren keine Priorität haben. Dies sind entweder Märkte, in denen die Rechtsdurchsetzung nicht funktioniert, oder Volkswirtschaften, in denen kaum in Software investiert wird. Audits in Märkten durchzuführen, in denen sich die Lizenz-Compliance juristisch nicht durchsetzen lässt, würde den Herstellern nichts bringen.

IT-DIRECTOR: Ihr Fokus liegt auf dem Software Asset Management. Wie sieht ihre Angebotspalette aus?
A. Rudolph: Wir bieten Lösungen, mit denen die Kunden das Software Asset Management umfänglich abbilden können. Bei Bedarf können sie die Software auch in Kombination mit unseren Beratungsdienstleistungen nutzen. In diesem Rahmen bieten wir überdies spezielle Tools für das Management von SAP-, Microsoft-, Oracle- oder Salesforce-Lizenzen an. Dabei drängen aktuell insbesondere Anbieter wie Salesforce verstärkt in den Vordergrund. Als reine Cloud-Anbieter stellen sie das Thema Software-Lizenzen in einen völlig neuen Nutzungskontext.

IT-DIRECTOR: An welchen Stellen besitzen die Kunden heutzutage den größten Handlungsbedarf?
A. Rudolph: Sie wollen die Bilanz ihrer Software Assets nicht mehr nur regelkonform abbilden, sondern vor allem auch optimieren. Dabei wollen sie nicht nur ermitteln, wie sie bei Lizenzfragen aufgestellt sind, vielmehr möchten sie Optionen ausloten, um auf effizientere Alternativen umsteigen zu können. Für solche Fragestellungen besitzen wir spezielle Tools, die weit über die Compliance-Frage hinausgehen.

IT-DIRECTOR: Wer ist in den Unternehmen üblicherweise für das Software Asset Management zuständig?
A. Rudolph: In der Regel ist das SAM-Thema zunächst im IT-Bereich angesiedelt; es besitzt allerdings auch interdisziplinären Charakter. Denn neben der IT kümmern sich zumeist der Einkauf und der Finanzbereich mit dem Chief Financial Officer an der Spitze um diese Belange.

IT-DIRECTOR: Ab welcher Firmengröße lohnt sich der Einsatz Ihrer Lösungen?
A. Rudolph: Dies lässt sich weniger an der Größe als an der Vielfalt und Komplexität der eingesetzten Software-Systeme ausmachen. Unser kleinster Kunde hat gerade einmal 150 PCs im Einsatz. Von daher gilt als Faustregel: Sobald man die eingesetzten Software-Systeme nicht mehr an einer Hand abzählen kann, ist es sinnvoll, das Lizenzmanagement zu automatisieren und mit SAM-Tools zu arbeiten.

IT-DIRECTOR: Inwiefern ist den Verantwortlichen bewusst, dass sie sich mit der Verwaltung ihrer Software Assets beschäftigen müssen? Oder fällt ihnen dies erst ein, wenn nach einem Audit saftige Nachzahlungen gefordert werden?
A. Rudolph: Häufig machen sich die Verantwortlichen über die Einführung einer SAM-Lösung schon länger Gedanken und wissen um den bestehenden Handlungsbedarf. In diesem Fall erweisen sich Audits als recht heilsam: Denn im Fall von Überlizenzierungen geben die Verantwortlichen Geld für etwas aus, das gar nicht genutzt wurde. Geht es hingegen um Unterlizenzierungen, kommen mit den geforderten Nachzahlungen ungeplante Ausgaben auf die Unternehmen zu. Dabei sind Software Audits besonders bitter, wenn man mit den Strafzahlungen im Vorfeld auch die Implementierung einer SAM-Lösung hätte finanzieren können.

IT-DIRECTOR: Was raten Sie den Kunden neben der Einführung entsprechender SAM-Tools?
A. Rudolph: Viele westeuropäische Anwender sind mittlerweile in SAM-Communities eingebunden. Im Zuge dessen bemerken sie früh, wenn andere Unternehmen ihrer Branche überprüft werden oder einzelne Software-Anbieter verstärkt Audits durchführen lassen.

Generell sind Audits nach wie vor einer der größten Beweggründe, sich mit Lizenzmanagement zu beschäftigen. Ich kenne kaum einen größeren Kunden, der nicht von drei bis vier Audits pro Jahr berichtet.

IT-DIRECTOR: Wie laufen die Audits in der Regel ab?
A. Rudolph: Die Auditoren von KPMG, Deloitte, etc. arbeiten mit einem Prozessbaukasten, der vorgibt, wie die Audits für bestimmte Hersteller aufzusetzen und durchzuführen sind. Da sich die Auditoren täglich mit der Materie beschäftigen, kennen sie die Stellen wo man genauer hinsehen sollte, um entsprechende Mängel zu entdecken. Außerdem wissen sie, welche Lizenzverstöße man vernachlässigen kann, da sich deren Ahndung finanziell nicht lohnt. Nicht zuletzt sind sie sehr geschickt darin, die Audits in ihrem Sinne zeitlich zu steuern.

IT-DIRECTOR: Was meinen Sie damit?
A. Rudolph: Es gibt keine Faustregel, wann welche Hersteller ihre Audits verstärkt durchführen lassen. Dennoch bemerken wir den Trend, dass die Zeit zwischen dem Beginn eines Audits und dem Auslaufen der Lizenzverträge so knapp bemessen ist, dass die Kunden kaum Zeit zum Reagieren finden. Zwar kann diese Zeitspanne durchaus ein halbes Jahr oder länger umfassen, für umfangreiche Neulizenzierungen bei Großunternehmen ist dies jedoch zu kurz. Die Kunden befinden sich in einer äußerst unangenehmen Situation, wenn ein Audit und noch zu verhandelnde Nachforderungen sowie das Auslaufen der bestehenden Verträge zusammenfallen. Ohne gültigen Vertrag ist ein Betrieb der genutzten Software meist nicht möglich – eine Abwägung unter Zeitdruck ist die Folge.

IT-DIRECTOR: Was raten Sie den Verantwortlichen?
A. Rudolph: Sie sollten den Spieß herumdrehen und agieren anstatt zu reagieren: Bestenfalls liegen ihnen gleich zu Beginn des Audits alle Zahlen und Fakten zu Verträgen sowie Software-Nutzung vor und sie können in der Sache agieren, statt hektisch Informationen zu suchen. Bei Fragen der Auditoren haben die Verantwortlichen dank unserer SAM-Tools belegbare Antworten parat, um den Anforderungen gewachsen zu sein. Dort wird transparent dargelegt, welche Produkte des Herstellers genutzt werden und wie die Lizenzierung dazu passt.

Eine weitere Möglichkeit liegt darin, gemeinsam mit externen Beratern – eben auch KPMG oder Deloitte – ihre Lizenz- und SAM-Prozesse für bestimmte Hersteller freiwillig zu auditieren und für bestimmte Hersteller zertifizieren zu lassen. So ergreift man die Initiative, meldet beispielsweise einmal pro Quartal die genauen Verbrauchszahlen und vermeidet möglichen Audit-Stress mit großen Software-Herstellern.

IT-DIRECTOR: Welche weiteren Themen treiben die Verantwortlichen im Bereich Software Asset Management um?
A. Rudolph: Neben den regelmäßigen Audits kämpfen immer mehr Unternehmen mit unerwartet explodierenden Lizenzkosten, was unter anderem mit der zunehmenden Cloud- oder Software as a Service-Nutzung zusammenhängt.

IT-DIRECTOR: Wie das?
A. Rudolph: Naturgemäß wollen Cloud- bzw. Software as a Service-Anbieter (SaaS) so viele Services wie nur möglich vermieten. In die Karten spielt ihnen dabei, dass die Mitarbeiter von Fachabteilungen häufig unter dem Radar der IT und an etablierten Prozessen vorbei SaaS-Lösungen einkaufen. Eine alte Geschichte, aber im einfachsten Fall nutzen sie ihre Kreditkarten für Spesenausgaben dafür. Vor diesem Hintergrund gestaltet es sich für die IT immer schwieriger, Transparenz über alle Quellen der Lizenzkosten zu erhalten. Und die SaaS-Hersteller verkaufen im Zweifel auch gern dezentral. Hinzu kommt, dass kaum ein Kunde eine reine Cloud-Landschaft besitzt, sodass sie mit hybriden Strukturen hinsichtlich ihrer Software Assets klarkommen müssen.

IT-DIRECTOR: Macht die Cloud-Nutzung das Lizenzmanagement nicht einfacher? Die User könnten unbenutzte Lizenzen doch auf Knopfdruck wieder abbestellen?
A. Rudolph: Das stimmt im Sinne der Compliance, allerdings muss man erst einmal bemerken, ob man neue Produkte nutzt, welche Kosten entstehen, ob Cloud-Services brachliegen oder nicht. Daneben bleiben auch bisherige Lizenzfragen aktuell, da im Zuge hybrider Infrastrukturen viele Unternehmen auch weiterhin auf eigen- oder fremdbetriebene Rechenzentren, Infrastrukturen und Software-Systeme setzen.

IT-DIRECTOR: Wo liegen die größten Herausforderungen bei hybriden IT-Umgebungen?
A. Rudolph: Es kommt häufig vor, dass Unternehmen aktuelle Software-Versionen aus der Cloud beziehen, gleichzeitig auch aber noch ältere Versionen auf den Servern im Rechenzentrum betrieben werden. In der Regel existieren dafür laufende Wartungsverträge, aus denen man nicht so einfach aussteigen kann.

Darüber hinaus fällt es bei Hybrid-Szenarien schwer, manuell den Überblick zu behalten. Von daher sollte folgendes beachtet werden: Können sie die Altlizenzen in die Cloud migrieren? Falls ja, wie werden diese künftig gezählt? Muss man sie registrieren? Benötigt man einen anderen Vertragstyp?

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 06/2018. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

IT-DIRECTOR: Was gilt es noch zu bedenken?
A. Rudolph: Derzeit herrscht eine große Euphorie rund um die Dynamik und flexible Bereitstellung von Cloud-Ressourcen. Nutzen Unternehmen jedoch Cloud-Umgebungen, dann berücksichtigen sie selten, dass doppelt soviel Performance auch doppelt so viele hinzu geschaltete Prozessoren bedeutet. Dies kann jedoch hinsichtlich der Software-Kosten verheerende Folgen mit sich ziehen. Oracle-Datenbanken werden beispielsweise nach der Leistungsfähigkeit der zugrundeliegenden Infrastruktur lizenziert. Verdoppelt man die Leistung der Infrastruktur über Nacht, verdoppelt man gleichzeitig auch den Kostenblock für die Lizenzen.

Vielen Anwendern sind solche Szenarien nicht bewusst. Sie haben allein ein Basiskonzept erstellt, welches die mit der Zeit neu dazugekommenen virtuellen Infrastrukturressourcen nicht berücksichtigt. Nicht selten bemerken sie erst sehr spät, dass die Kalkulationen für die Lizenzkosten aus dem Ruder laufen. In diesem Zusammenhang kann SAM-Software als Drehzahlmesser fungieren, der darauf achtet, den roten Bereich nicht zu erreichen.

IT-DIRECTOR: Können Sie ein konkretes Beispiel nennen?
A. Rudolph: Bei immer mehr Kunden tauchen unerwartet hohe Kosten für Salesforce-Lizenzen auf. Da die Software häufig eigenständig über Fachabteilungen oder gar über einzelne Mitarbeiter bezogen wird, gibt es meist keine übergeordnete Strategie für die Salesforce-Nutzung – und die insgesamt hohen Ausgaben dafür bleiben lange Zeit unbemerkt. Mit dem passenden SAM-Tool hingegen wird punktgenau aufgezeigt, an welchen Stellen Salesforce im Einsatz ist, welche User aktiv damit arbeiten oder welche Accounts ungenutzt sind – und welche Kosten entstehen.

Konkret konnten die Kunden mit unserer SAM-Software im Cloud-Umfeld etwa bei Microsoft Office 365- oder Salesforce-Lizenzen schon bis zu 30 Prozent eines achtstelligen Lizenzvolumens einsparen.

IT-DIRECTOR: Was macht die Cloud so kompliziert?
A. Rudolph: Generell zielen Cloud-Lizenzmodelle natürlich auf Vorteile für die Hersteller ab. Steigen die Kunden auf Cloud-Services um, setzen sie gleichzeitig auf Mietmodelle ohne festgelegtes, hartes Vertragsende und auf kontinuierlich weiterlaufende Zahlungen. Außerdem ist es je nach Vertragstyp nicht einfach möglich, kurzfristig das Lizenzvolumen zu verringern oder auf günstigere Lizenztypen umzusteigen. Man kann von einer Goldgräberstimmung unter SaaS-Anbietern sprechen, denn die Kunden befinden sich in der Defensive und besitzen kaum Gestaltungsmöglichkeiten der Mietmodelle. Sie sind in ihren SaaS-Verträgen gefangen und können nicht einfach wieder ins eigene Data Center zurück.

IT-DIRECTOR: Sie sprachen von Schatten-IT. Wie kommt man vergessenen, ungenutzten Lizenzen auf die Schliche?
A. Rudolph: Prinzipiell ist es immer sinnvoll, ungenutzte Accounts zu deaktivieren. Von daher raten wir unseren Kunden, sich zunächst genau anzuschauen, wo lizenzseitig große Kostenblöcke existieren und wie sich diese zusammensetzen. Zudem sollten sie im Auge behalten, an welchen Stellen sich plötzlich Kosten verändern und sie stark ansteigende Lizenzkosten in Kauf nehmen müssen.

IT-DIRECTOR: Wie sollte man in diesem Zusammenhang mit installierten Apps auf geschäftlich genutzten Mobilgeräten verfahren?
A. Rudolph: Unsere Kunden haben durchschnittlich rund 50.000 PCs plus Mobilgeräte im Einsatz. Hinsichtlich der Software-Beschaffung für diesen Gerätetyp verfolgen sie die Politik, dass Apps nicht einfach auf geschäftlich genutzten mobilen Endgeräten installiert werden können. In der Regel existieren Policies zur Mobilnutzung oder auch zu „Bring your own Device“. Zudem arbeiten sie mit Mobile Device Management (MDM), um Geräte sowie deren Apps zentral zu steuern und zu überwachen.

Wichtig ist es dabei stets, den vergrößerten Software-Bestand auch in das SAM-System zu übertragen. An dieser Stelle treten wir auf den Plan und realisieren technische Anbindungen.

Auch hinsichtlich mobiler Apps kdie korrekte Darstellung der Lizenzpflicht bzw. spüren entsprechendes Optimierungspotential auf. Können oder wollen die Kunden dabei bestimmte Teilaufgaben nicht selbst realisieren. Dann erbringen wir die gewünschten Dienstleistungen.

IT-DIRECTOR: Wie sind Sie dafür aufgestellt?
A. Rudolph: Wir beschäftigen 210 Mitarbeiter in Europa, die meisten in Aachen, Köln und Marburg; hinzukommen 40 weitere in den USA. Unser Consulting Team umfasst bis zu 50 Kollegen, die sich wiederum in projekt- und servicebezogene Teams aufteilen. Letztere betreuen auch die Kunden, die ihr Software Asset Management in Teilen oder komplett an uns auslagert haben.

Generell besitzen wir großes Interesse daran, dass die Kunden ihr eigenes SAM-Know-how aufbauen. Denn damit treten sie viel selbstbewusster auf und können in den nächsten Audits mit eigenen Vorschlägen punkten. Unsere Lösungen und Services sollen die Kunden dazu befähigen, eigenständige SAM-Entscheidungen zu treffen.

IT-DIRECTOR: Wie gestaltet sich Ihr Verhältnis zu den Herstellern?
A. Rudolph: „Distanziert“ beschreibt es wohl am besten. Wir besitzen in keiner Weise vertragliche Verpflichtungen gegenüber den Software-Herstellern und stehen stets auf Seiten der Kunden. Dennoch gibt es Hersteller, mit denen wir freundlich-professionell zusammenarbeiten. Sie pflegen meist eine offene und transparente SAM-Kultur. Andere Hersteller hingegen zeichnen sich eher durch Intransparenz und einen schwierigen Umgang bei Audits aus.

Alles in allem halten die Software-Hersteller den größten Trumpf in ihrer Hand. Sie definieren Bestimmungen, die sie später selber interpretieren dürfen – ein noch immer funktionierendes Geschäftsmodell. Oftmals kommt es dabei in den Audits zu folgenden Situationen: Die Kunden versuchen nach bestem Wissen und Gewissen, alles richtig zu machen. Doch die Hersteller sind auf der Suche nach höheren Umsätzen und nicht nach Gerechtigkeit oder einer besseren Welt. Von daher erklären sie, dass die Interpretationen der Kunden nicht ganz richtig sind und fordern entweder Nachlizenzierungen oder ermitteln neuen Investitionsbedarf.

IT-DIRECTOR: Inwiefern werden Sie von den Software-Herstellern im Vorfeld über Veränderungen in ihrem Lizenzmodell informiert?
A. Rudolph: In der Regel werden wir eher nicht über Neugestaltungen informiert. Allerdings besitzen wir langjährige Kontakte, beispielsweise zur SAP-Community über die Deutschsprachige SAP-Anwendergruppe (DSAG). In solchen Anwendervereinen verbreiten sich Gerüchte zu Änderungen früh und es werden Diskussionen geführt. Aktiv werden können wir allerdings immer erst dann, wenn wir die neuen Vertragstexte sichten und anschließend technologisch umsetzen können.

IT-DIRECTOR: Wie individuell kann man seinen Software-Lizenzvertrag gestalten?
A. Rudolph: Mitunter sehr individuell, denn die Konstellationen müssen nicht eins zu eins von anderen Kunden übernommen werden. Aufgrund dessen müssen wir sehr viele Lizenzsituationen beherrschen können, auch wenn es wie zum Beispiel beim Internet der Dinge um völlig neuartige Nutzungsmodelle geht.

IT-DIRECTOR: Wie meinen Sie das?
A. Rudolph: Die Grundprinzipien des Lizenzmanagements verändern sich im Internet der Dinge erst einmal nicht. Allerdings kommen neue Spielregeln hinzu: Die Software-Hersteller wollen mitverdienen, wenn Kühlschränke geöffnet und über Sensoren automatisch Lebensmittelbestellungen angestoßen werden. Für solche und andere Bestelltransaktion werden künftig Lizenzgebühren, ggf. sogar verschiedener Hersteller fällig.

IT-DIRECTOR: Wer bezahlt denn die Lizenzkosten im Internet der Dinge?
A. Rudolph: Im erwähnten Beispiel wohl der Kühlschrankhersteller. Die Endkunden bleiben in der Regel außen vor. Allerdings gibt es bereits Szenarien, in denen dies nicht der Fall ist. So müssen zum Beispiel die Nutzer von Connected Drive von BMW auch Software-Lizenzverträge unterschreiben.

Schwierig gestaltet sich vor allem die Messung der Transaktionen: So könnten rein technologisch betrachtet zwar alle Kühlschränke eines Herstellers weltweit Milch bestellen. Doch wie viele werden dies tatsächlich tun? Wie können solche Transaktionen weltweit gemessen und lizenzrechtlich abgebildet werden? Noch wird der Phantasie der Software-Hersteller hierbei keine Grenze gesetzt, sodass wir künftig wohl eine Evolution der Lizenzmodelle auch in diesem Segment erleben werden.

IT-DIRECTOR: In welche Richtung wird sich Lizenzmanagement künftig entwickeln?
A. Rudolph: Alles in allem gestaltet sich das Lizenzmanagement zunehmend bunter, da immer mehr neue Nutzungsmodelle und Lizenztypen entstehen. Rein technologisch betrachtet sehen wir diesen Entwicklungen gelassen entgegen. Denn das Framework unserer SAM-Software konnte schon immer alle Gerätetypen und sämtliche Lizenzmodelle abbilden. Man muss nur wissen, welche Messpunkte existieren, welche Metriken man anwenden muss und wie sich die erforderlichen Daten aggregieren lassen.

IT-DIRECTOR: Zurück zum Internet der Dinge: Vergangenen April hat die SAP AG ein neues Lizenzmodell aufgesetzt. Die Walldorfer wollen künftig zwischen Nutzerzugriffen und dem rein digitalen Zugriff auf ihre Software unterscheiden und dies entsprechend lizenzieren. Was halten Sie von diesem Ansatz?
A. Rudolph: Es handelt sich um ein Entweder-oder-Modell: Die Kunden müssen sich klar entscheiden, ob sie entweder dem klassischen oder dem neuen IoT-Nutzungsansatz folgen wollen. Allerdings trifft man bei vielen Kunden beide Situationen und Nutzungsszenarien an, sodass ihnen eher die Kombination beider Modelle etwas bringen würde.

IT-DIRECTOR: Welche weiteren Themen treiben SAP-Anwender derzeit um?
A. Rudolph: In den nächsten Jahren wird es verstärkt zu Migrationen auf S4/Hana kommen. Dabei geht es auch um die Frage, wie sich bisher genutzte Lizenzen migrieren lassen. In diesem Fall müssen wir unsere Kunden in die Lage versetzen, ihren SAP-Lizenzbedarf technisch zu erfassen und im nächsten Schritt optimieren zu können. Bei einer S4/Hana-Migration müssen die bisherigen Nutzungsszenarien der Kunden auf das neue System hin angepasst werden.

Im Zusammenhang mit S4/Hana-Migrationen bieten wir vorausschauende Simulationen an. Das heißt, wir ermitteln mit den Kunden ihren künftigen Bedarf an SAP-Lizenzen und die damit verbundenen Kosten, unter anderem für die darunter liegende virtualisierte Hardware. Viele Anwender sind hier noch nicht soweit und arbeiten vorrangig mit bloßen Schätzungen und Daten aus Excel-Tabellen.

Achim Rudolph
Alter: 50 Jahre
Familienstand: verheiratet
Werdegang: Ausbildung zum Betriebsschlosser, berufsbegleitende Weiterbildungen zum Maschinenbautechniker und Diplom Betriebswirt, 25 Jahre Erfahrung in der Softwarebranche, darunter mehr als 20 im Vertrieb, 1999 – 2004 Geschäftsführer Marketing & Vertrieb, 2004 bis 2018 Vorstand Vertrieb
Derzeitige Position: Geschäftsführer Vertrieb bei Aspera
Hobbys: Golf, Autos, Wein & Gastronomie

Bildquelle: Jörg Küster

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