Digitalstrategien, Cloud-Migration und KI-Projekte

Digitalisierer aus Leidenschaft

Interview mit Matthias Moeller, CEO von Arvato Systems und CIO der Muttergesellschaft Bertelsmann, über erfolgreiche Digitalstrategien, Cloud-Migrationen und aktuelle KI-Projekte.

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    „Meine Aufgabe als Bertelsmann-CIO ist es, konzernweite Rahmenbedingungen etwa für Cybersicherheit, Risikomanagement oder Kosteneffizienzmanagement zu definieren“, sagt Matthias Moeller, CEO von Arvato Systems.

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    Matthias Moeller von Arvato Systems: „Wir betreiben eigene Private-Cloud-Infrastrukturen in Rechenzentren in Nordrhein-Westfalen und Sachsen und haben damit eine ‚deutsche Cloud’ aufgebaut.“

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    „Aufgrund unserer Historie haben wir die Digitalisierung des Mediengeschäfts seit ihren Anfängen begleitet“, erklärt Matthias Moeller von Arvato Systems.

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    „Digitalisierung, Cloud Computing und Künstliche Intelligenz erfordern eine entsprechende Neuausrichtung der IT-Mannschaft“, betont Matthias Moeller von Arvato Systems.

IT-DIRECTOR: Herr Moeller, Sie fungieren in Personalunion als CEO von Arvato Systems und CIO der Bertelsmann-Gruppe. Wie passt das zusammen?
M. Moeller:
Sehr gut, denn daraus resultieren zahlreiche Synergien. So kümmern wir uns mit Arvato Systems genau um die Fragen, die Bertelsmann innerhalb der IT-Strategie bewegen. Das heißt, dass mich viele Themen als CEO und CIO gleichermaßen beschäftigen.

In meiner Funktion als CIO bin ich stets darauf bedacht, funktionierende Basisinfrastrukturen für den Gesamtkonzern sicherzustellen. Darüber hinaus gilt es, aktuelle Technologien wie Cloud Computing und Künstliche Intelligenz in unsere Geschäftsmodelle zu integrieren.

IT-DIRECTOR: Wie läuft die Entscheidungsfindung ab?
M. Moeller:
Der Konzern ist IT-seitig dezentral aufgestellt, sodass die jeweilige Roadmap für die Digitalisierung in den Händen der einzelnen Bertelsmann Divisionen wie RTL, Gruner + Jahr oder Random House liegt. Meine Aufgabe als Bertelsmann-CIO ist es, übergreifende Rahmenbedingungen zu definieren und sicherzustellen – etwa im Kontext von Cybersicherheit, Risikomanagement oder Kosteneffizienzmanagement. Konkrete IT-Vorhaben liegen jedoch in der Verantwortung der einzelnen CIOs der Divisionen.

IT-DIRECTOR: Hinter Arvato Systems steckt ein Unternehmen mit rund 2.800 Mitarbeitern und einem Umsatz von zuletzt 400 Millionen Euro. Als umfassender IT-Dienstleister agieren Sie dabei nicht nur für die Bertelsmann-Gruppe, sondern auch für eine Vielzahl anderer Kunden. Welche Schwerpunkte setzen Sie dabei?
M. Moeller:
Wir sind bereits seit langem als Cloud-Spezialist unterwegs und positionieren uns seit über drei Jahren als Multi-Cloud-Anbieter. Im Zuge dessen stellen wir den Kunden sämtliche denkbaren Cloud-Varianten bereit und bieten Managed Services für die gängigen Hyperscaler wie Microsoft Azure, Google und Amazon Web Services. Daneben betreiben wir eigene Private-Cloud-Infrastrukturen auf unserem Campus in Gütersloh sowie in weiteren Rechenzentren in Nordrhein-Westfalen und Sachsen. Auf diese Weise haben wir sozusagen eine „deutsche Cloud“ aufgebaut.

IT-DIRECTOR: Welche Dienstleistungen fragen die Kunden momentan verstärkt nach?
M. Moeller:
Bei allen Kunden rücken Cloud-Betriebsmodelle in den Fokus. Dabei stößt man im Regelfall auf Multi-Cloud-Szenarien, die aus Public-, Private- und On-Premises-Installationen bestehen. Ausschließliche Public-Cloud-Strategien hingegen findet man noch eher selten vor. Demgegenüber gibt es nach wie vor noch viele Kunden, die ausschließlich auf Private-Cloud-Infrastrukturen setzen, auch im Rahmen von klassischem IT-Outsourcing.

IT-DIRECTOR: Worauf kommt es an, wenn Anwenderunternehmen von der klassischen IT-Welt in die Cloud umsteigen wollen?
M. Moeller:
Dies hängt stark von der jeweiligen Ausgangslage ab: Betreiben die Kunden ihre IT noch immer selbst und dies sogar im eigenen Rechenzentrum, dann werden sie wohl zunächst über Private-Cloud-Strukturen nachdenken. Kunden der ersten und zweiten Outsourcing-Generation sind hingegen einen Schritt weiter und wandeln sich zu reinen Cloud-Anwendern.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 4/2019. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Generell bieten wir verschiedene Wege in die Cloud an. Im Rahmen eines „Smart Shift“ bringen die Kunden bestehende Strukturen und eigens betriebene Systeme in ein gemanagtes Outsourcing, was im Wesentlichen dem Umstieg in eine Private Cloud gleichkommt. Daneben können wir auch eine Transformation direkt in die Public Cloud realisieren. Für welches Modell sich die Kunden entscheiden, hängt zudem von den Geschäftsanforderungen, der Geschäftsstrategie, der existierenden Unternehmenskultur und den technisch-organisatorischen oder auch regulatorischen Voraussetzungen ab.

IT-DIRECTOR: Wie laufen die Vorbereitungen bestenfalls ab?
M. Moeller: Die
Verantwortlichen sollten folgende Fragen beantworten können: Inwieweit ist eine Cloud-Migration technisch und organisatorisch machbar? Welchen wirtschaftlichen Nutzen will man damit erzielen? Wichtige Gründe, die gegen den Betrieb in der Public Cloud sprechen, können beispielsweise entsprechende Vorgaben in stark regulierten Bereichen sein. Desweiteren spielen Sicherheitsaspekte eine wichtige Rolle, insbesondere bei so sensiblen Projekten wie der elektronischen Gesundheitskarte, der Etablierung von Smart Grids oder anderer kritischer Infrastrukturen. Es passiert durchaus, dass Ausschreibungen von vorneherein ein Management in der Public Cloud ausschließen.

IT-DIRECTOR: Inwieweit stellen Public-Cloud-Services die kostengünstigste Alternative dar?
M. Moeller:
Bei unseren Vergleichen zwischen Public- und Private-Cloud-Betriebsmodellen erwiesen sich die Private-Cloud-Angebote zum jetzigen Zeitpunkt oft als kostengünstiger. Generell gilt es, neben den zugrundeliegenden Architekturen auch die weiterführende Roadmap und künftige Preisschwankungen im Blick zu behalten. Aktuell beobachten wir, dass viele Cloud-Anbieter an der Preisschraube drehen und insbesondere die großen Provider ihre Skaleneffekte auf die Preise umlegen, sodass hier in den kommenden Jahren mit sinkenden Preisen gerechnet werden kann.

IT-DIRECTOR: Wie gestaltet sich derzeit ein Wechsel des Cloud-Providers?
M. Moeller:
Geht es um den Betrieb der reinen Infrastrukturen in der Public Cloud, kann man grundsätzlich von einem auf den anderen Hyperscaler der drei großen Anbieter Amazon, Google und Microsoft umsteigen. In der Praxis wechseln Kunden jedoch kaum hin und her, vielmehr bleiben sie ihrem einmal ausgewählten Public-Cloud-Anbieter treu. Allerdings kommt es durchaus vor, dass Kunden den IT-Betrieb aus der Public Cloud wieder in die private Cloud oder dedizierte Strukturentypo3/#_msocom_1  zurückholen, da sie die wirtschaftlichen Vorteile nicht erkennen.

IT-DIRECTOR: Was treibt die Verantwortlichen über Cloud Computing hinaus beim IT-Outsourcing derzeit um?
M. Moeller:
Transformations- oder Migrationsprojekte laufen zunehmend in Teilbereichen automatisiert ab. Aufgrund dessen legen wir großes Augenmerk darauf, standardisierte Managed Services bereitzustellen. Zudem stellen wir sicher, dass Migrationsvorhaben dank unserer Erfahrungen und dank vorgefertigter Templates in Teilen stark automatisiert realisiert werden können. Denn hinsichtlich der Technologie-Stacks und der Basisinfrastrukturen laufen solche Projekte in allen Branchen ähnlich ab. Dafür greifen wir auf moderne Technologien wie Hyperkonvergenz oder software-definierte Infrastrukturen zurück. Geht es jedoch über die Infrastrukturen hinaus um die Applikationsebene, gibt es innerhalb der einzelnen Branchen deutliche Unterschiede, weshalb wir hier individualisierte Ansätze anbieten.

IT-DIRECTOR: Welche Verantwortlichen sitzen seitens der Anwenderunternehmen mit am Tisch?
M. Moeller:
Zunächst die IT-Organisation, hinzu kommen Datenschutzbeauftrage, Betriebsräte und die Sicherheitsverantwortlichen, neudeutsch Chief Information Security Officers (CISO). In immer mehr Unternehmen trifft man auch Chief Digital Officers an. Diese sind entweder in die IT-Organisation eingebunden oder als eigene Position neben dem CIO etabliert, um die Digitalisierung der Geschäftsmodelle voranzutreiben. Letztere Unternehmen trennen somit klar zwischen IT-Betrieb und digitalen Innovationen.

IT-DIRECTOR: Inwieweit findet man in deutschen Firmen bereits klare Digitalstrategien vor?
M. Moeller:
Die Top-100-Unternehmen beschäftigen sich ausnahmslos alle mit der Digitalisierung. Denn die Verantwortlichen sind sich bereits seit Jahren der Bedeutung der Digitalen Transformation bewusst. Unterhalb der Führungsebene ist eine „digitale Denke“ jedoch noch nicht in allen Abteilungen und Köpfen der Mitarbeiter angekommen.

IT-DIRECTOR: Wie lässt sich dies ändern?
M. Moeller:
Die Unternehmensorganisation sollte agiler werden. Oftmals muss sich auch die Firmen- und Kommunikationskultur entsprechend verändern, denn die Arbeitswelt sieht heutzutage vielfach ganz anders aus als noch vor einigen Jahren. Die zunehmende virtuelle Vernetzung macht es möglich, von allen erdenklichen Standorten aus zu arbeiten. Dennoch achten wir bei Arvato Systems verstärkt darauf, unsere Mitarbeiter nicht nur virtuell, sondern auch direkt zu vernetzen. Denn der persönliche Kontakt stellt die wichtigste Voraussetzung dafür dar, dass virtuelle Zusammenarbeit bestmöglich funktioniert.

IT-DIRECTOR: Gibt es weitere Ansatzpunkte?
M. Moeller:
Wir unterstützen die Kunden sowohl bei der Digitalisierung des Unternehmens als auch ihrer Geschäftsmodelle. Dabei lautet unser Motto „Empowering digital leaders“. Das heißt, wir begleiten die Weiterentwicklung der Unternehmen, die mit ihren digitalen Geschäftsmodellen bereits Vorreiter in vielerlei Hinsicht sind. In diesem Zusammenhang treiben wir gemeinsam mit den Anwendern aktiv digitale Innovationen voran – etwa in Form von Roadmaps, Workshops, Machbarkeitsstudien oder Showcases.

IT-DIRECTOR: Woher stammt das hierfür erforderliche Wissen?
M. Moeller:
Für unsere Geschäftsmodelle und Services haben wir ein eigenes Innovationsmanagement aufgesetzt, womit wir unseren digitalen Erfahrungsschatz kontinuierlich erweitern können. Auf Basis dessen verstehen wir die Geschäfte der Kunden immer besser und helfen genau dort, wo der Schuh drückt. Wir agieren sehr flexibel und können konkrete Kundenanforderungen daher schnell in digitalen Showcases abbilden.

IT-DIRECTOR: Hierfür benötigt man sowohl Branchen- als auch Prozess-Know-how. Welche Ausrichtung verfolgen Sie in diesem Zusammenhang?
M. Moeller:
Wir haben zahlreiche Kunden aus dem Handel, der Medienlandschaft, dem Gesundheitswesen und dem Bereich Utilities, also der Energie- und Versorgungswirtschaft sowie anderen regionalen Infrastrukturunternehmen. Alles in allem liegt unser Fokus auf Firmen mit starkem Business-to-Consumer-Bezug, die eine große Anzahl von Endkunden adressieren.

Aufgrund unserer Bertelsmann-Historie haben wir zudem die Digitalisierung des Mediengeschäfts seit ihren Anfängen begleitet. Schon früh gab es erste Berührungspunkte mit dem Streaming von Musik, Videos und Filmen oder mit der Bereitstellung von E-Books und E-Publishing über entsprechende Medienportale.

IT-DIRECTOR: Wie ist der Handel hinsichtlich der Digitalisierung aufgestellt?
M. Moeller:
Eine immense Bedeutung besitzen Multi-Channel-Lösungen. Zwar kaufen noch immer viele Kunden in den Läden vor Ort ein, gleichzeitig steigt jedoch auch der Umsatz im Online-Handel. Mit der zunehmenden Bandbreite an Webangeboten gehen mittlerweile virtuelle Beratungen und Empfehlungen auf Basis entsprechender Algorithmen einher. Hinzu kommen individuell auf die Kunden zugeschnittene Bindungsprogramme. Das Ineinandergreifen eines breiten Angebots, diverser Auslieferungsmöglichkeiten und der genauen Kenntnis der Kundenbedürfnisse hilft Handelsunternehmen, ihre Umsätze zu steigern.

IT-DIRECTOR: Worauf kommt es im Gesundheitswesen an?
M. Moeller:
Die vor einigen Jahren von der Gesellschaft für Telematikanwendungen – Gematik – angestoßene Verbreitung der elektronischen Gesundheitskarte nimmt weiter ihren Lauf. Dafür notwendig sind sowohl eine zentrale Telematikinfrastruktur als auch dezentrale Infrastrukturkomponenten, über die sich Patienten, Krankenkassen und Ärzte authentifizieren können. Die im Zuge dessen bereitgestellten Zugangsdienste müssen extrem sicher sein und sämtlichen Datenschutzanforderungen genügen.

Aktuell wird die zentrale Telematikinfrastruktur für Deutschland bei Arvato Systems betrieben. Gleichzeitig werden die dezentralen Anbindungen via VPN-Zugangsdienst mit entsprechenden Konnektoren deutschlandweit ausgerollt. Als einer der eingebundenen Partner setzen wir die Zugangsdienste in Arztpraxen und Kliniken um, was bis Mitte des Jahres abgeschlossen sein soll. Auf Basis dessen sollen künftig sukzessive weitere Gesundheitsapplikationen entwickelt und integriert werden. Dabei gilt es stets, einen Konsens zwischen Gesundheitsvertretern wie Ärzten und Kliniken, den Krankenkassen, der Politik und nicht zuletzt den Patienten herzustellen.

IT-DIRECTOR: Was treibt die Gesundheitsbranche noch um?
M. Moeller:
Seit Anfang Februar schreibt eine EU-weite Verpflichtung vor, dass man den Weg von verschreibungspflichtigen Medikamenten von der Produktion bis zum Endverbraucher nachvollziehen können muss. Damit will man zum einen ausschließen, dass Fälschungen in den Handel gelangen. Zum anderen sollen hohe Qualitätsstandards gewährleistet werden. Im Rahmen dieser internationalen Lösung müssen Pharmahersteller, Pharmahändler und Apotheken eingebunden werden. Dabei sind wir einer von zwei Anbietern, die die nationalen Systeme realisiert haben und es allen Betroffenen ermöglichen, dort anzudocken.

IT-DIRECTOR: Welche weitere Rolle haben Sie bei diesen Projekten gespielt?
M. Moeller: Wir haben sowohl bei der elektronischen Gesundheitskarte als auch der neuen Pharmaplattform die Applikationsentwicklung und den Aufbau sowie den Betrieb der IT-Architekturen realisiert. Als IT-Provider müssen wir hierbei neben den technischen Fragestellungen auch verschiedene europäische Interessen – etwa im Falle von Release-Wechseln – unter einen Hut bekommen.

IT-DIRECTOR: Neben solchen großflächigen Digitalprojekten treiben Themen wie Künstliche Intelligenz oder das Internet der Dinge derzeit viele Verantwortliche um. Wie sind Sie hier aufgestellt?
M. Moeller
: Wir unterstützen die Kunden dabei, alle Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz in ihre Geschäftsentwicklung einzubinden. Dabei lohnt sich der KI-Einsatz beispielsweise im Rahmen der Service-Automation und der Automatisierung von Prozessen. Hierzu zählen die Automatisierung des Servicedesks, des Incident-Managements und andere Support-Dienstleistungen, wo Anfragen und Tickets nachgelagert intelligent weiterverarbeitet werden können.

Darüber hinaus lassen sich insbesondere in der Medienwelt zahlreiche Anwendungen von KI in Text, Bild und Bewegtbild finden. Nicht zuletzt spielen KI-Technologien eine herausragende Rolle, wenn es um vorausschauende Wartung oder Vorhersagen beispielsweise von Kundenverhalten geht. Für alle diese KI-Anwendungsfelder entwickeln wir eigene Lösungen, integrieren jedoch auch Produkte und Plattformen verschiedener Anbieter. 

IT-DIRECTOR: Wie ausgereift sind aktuelle KI-Lösungen bereits?
M. Moeller: Sprach- oder Bilderkennung sind bereits sehr weit entwickelt. So können beispielsweise bei Bewegtbildern automatisiert Metadaten generiert und genutzt werden, sodass man aus großen Medienbeständen beispielsweise Prominente oder bestimmte Szenen herausfiltern kann. Mit der Verschlagwortung müssen sich also keine Mitarbeiter mehr beschäftigen. Auch können zum Beispiel Stimmungen oder Kleidungsstil von Personen interpretiert und ausgewertet werden.

IT-DIRECTOR: Können Sie Beispiele nennen?
M. Moeller:
Unternehmen platzieren ihre Werbung genau dort, wo sie ihre Zielgruppe am besten erreichen können. So haben wir für den Einsatz im Einzelhandel zum Beispiel ein Proof of Concept realisiert, in dessen Rahmen die Kunden beim Betreten eines Ladens von einem Roboter begrüßt werden. Anhand der jeweiligen Kleidung, der Körperhaltung und der Stimmung werden den Kunden entsprechende Kleidungsvorschläge unterbreitet. Auf Wunsch könnte der Roboter die Kunden auch direkt zum passenden Regal führen.

IT-DIRECTOR: Welche Rolle spielt KI bei der Medienerstellung?
M. Moeller:
Nicht zuletzt aufgrund unserer Muttergesellschaft Bertelsmann, in die zahlreiche Medienunternehmen eingebunden sind, spielt die automatisierte Generierung von Content eine große Rolle für uns. Dabei lassen sich statische Inhalte wie Sportergebnisse oder Wetterberichte bereits mit Hilfe von KI erstellen. Denn dies ist für Journalisten meist mit viel Fleißarbeit verbunden, wobei sie die darauf verwendete Zeit deutlich kreativer nutzen könnten.

Alle Themen rund um Content wie Verwertung, Anzeigenschaltung, Programmgestaltung etc. sind wichtig für uns. Dabei wird momentan noch großes Augenmerk auf deren Interpretation und Verarbeitung gelegt. Hierbei geht es darum, einen Stoff entsprechend zu bewerten und mit Schlüsselwörtern zu extrahieren. Ganz am Ende könnte tatsächlich ein mit Künstlicher Intelligenz erstelltes Buch stehen. Bei Rohmaterialien oder einfach gestrickter Literatur und Dokumentationen scheint das durchaus denkbar.

IT-DIRECTOR: Was hat sich vor dem Hintergrund der zunehmenden Digitalisierung in Ihrer eigenen IT-Organisation verändert?
M. Moeller: Digitalisierung, Cloud Computing oder eben auch Künstliche Intelligenz erfordern eine entsprechende Neuausrichtung unserer IT-Mannschaft. Diese begleiten wir mit Weiterbildungsmaßnahmen, gezielter Qualifizierung der Mitarbeiter und gezielter Rekrutierung von Experten.

Hinter Künstlicher Intelligenz verbergen sich verschiedenste Kompetenzen, sodass es immer auch um die Kombination von unterschiedlichen Fähigkeiten geht. Man benötigt beispielsweise Spezialisten für Big Data, Data Analytics und Data Science, aber auch Statistiker, Mathematiker und Mitarbeiter, die sich mit den Anwendungsfeldern auskennen.

IT-DIRECTOR: Wie wichtig ist Digitalethik im Bereich der Künstlichen Intelligenz?
M. Moeller: Es gilt die Frage zu klären, wie weit KI-Technologien in die Privatsphäre von Nutzern eingreifen dürfen. Desweiteren geht es darum, im Rahmen von Algorithmik und Künstlicher Intelligenz Diskriminierung zu vermeiden. Hier gibt es unschöne Beispiele aus der Vergangenheit, wo Maschinen falsch angelernt wurden und Dinge misinterpretiert haben.

Nicht zuletzt darf man nicht vergessen, dass mit hochskalierten Datenanalysen und maschinellem Lernen auch Fehler einhergehen können. Aus den daraus resultierenden Fehlinterpretationen sollte man für die Zukunft lernen.

Vor diesem Hintergrund gibt es hinsichtlich der Digitalethik in Zukunft noch vieles zu klären. Es existieren noch keine Standards; zudem ziehen alle ethischen Fragen im nächsten Schritt auch juristische Fragen nach sich, beispielsweise wer bei durch Künstliche Intelligenz verursachten Schäden haftet.

 

Matthias Moeller
Alter:
48 Jahre
Werdegang:
Nach einem Studium der Informatik mit Betriebswirtschaftslehre durchlief Moeller seit 1995 diverse Stationen bei Bertelsmann/Arvato. Seit 2003 bekleidete er Geschäftsführungspositionen im Bereich IT Services. Von 2012 bis 2016 war er als Vorsitzender Geschäftsführer der Arvato Systems Perdata GmbH verantwortlich für IT Solutions und Services für die Branche Utilities. Als CEO von Arvato Systems verantwortet Matthias Moeller seit dem 1. April 2016 das Gesamtgeschäft der Arvato Systems Gruppe. Gleichzeitig fungiert Moeller als CIO für die Bertelsmann-Gruppe.
Derzeitige Position:
CEO bei Arvato Systems, CIO bei Bertelsmann

Bilder: Jörg Sänger

 

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