Änderungen in Vertrieb, Audit und Compliance

Ein vertikales Lizenzmodell wäre ein großer Schritt

Die Deutschsprachige SAP-Anwendergruppe e. V. (DSAG) hat vor zwei Jahren aus der Erfahrung vielfältiger Kundenszenarien heraus ein neues SAP-Lizenzmodell im Umfeld der indirekten Nutzung angestoßen. Andreas Oczko, DSAG-Vorstand Operations/Service und Support, erklärt im Interview, welche Änderungen in Vertrieb, Audit und Compliance heute erforderlich sind.

Andreas Oczko, DSAG-­Vorstand

Andreas Oczko, DSAG-­Vorstand

ITD: Herr Oczko, sind in Zeiten des Coronavirus und anderer nicht beinflussbarer Größen auf die Produktionsphasen von Unternehmen flexible Lizenzmodelle wichtiger denn je?
Andreas Oczko:
Ich persönlich halte die Digitale Transformation für einen stärkeren und nachhaltigeren Treiber. Da die neuen Geschäftsmodelle bezogen auf deren Anzahl als auch deren Nachhaltigkeit immer flexibler werden, müssen die Lizenzmodelle diesem Trend folgen.

ITD: Worauf kommt es bei Lizenzmodellen grundsätzlich an?
Oczko:
Zum einen muss es einen Bezug zur Wertschöpfung in den Geschäftsprozessen geben, zum anderen muss sich das Lizenzmodell am Lebenszyklus des zugrundeliegenden Geschäfts orientieren. Um hier zwei Beispiele zu nennen: Beim Thema „Debitoren-Management“ im Business Process Outsourcing ist häufig die Anzahl der Rechnungen die Grundlage für die Abrechnung zwischen Auftraggeber und Dienstleister. Wenn sich nun der Lizenzgeber auf die Metrik „Rechnungswert“ festlegt, kann das nicht funktionieren. Genau so problematisch wäre es, wenn ein Lizenzgeber ein zeitlich begrenztes Geschäftsmodell in einem zeitlich unbegrenzten Lizenzierungsmodell (Perpetual License Model) abrechnet.

ITD: SAP ist den Weg vom nutzerbasierten zum wertschöpfungsorientierten Lizenzmodell gegangen. Welche Vorteile bringt das?
Oczko:
SAP hat hier die ersten Schritte gemacht, wir sind aber noch nicht am Ziel. Beim Digital Access, dem angesprochenen Lizenzmodell, stand im Fokus, das komplexe Thema „Indirekte Nutzung“ anzugehen. In einer immer stärker digitalisierten Welt findet die Wertschöpfung zunehmend in Prozessen statt, die nicht mehr menschzentriert sind. Diesem Umstand wird das dokumentenbasierte Preismodell grundsätzlich gerecht. Ziel war es, ein einfaches Modell zu finden, welches den gesamten Themenkomplex „Indirekte Nutzung“ zumindest für SAP-ERP sowie S/4-Hana Enterprise Management vollständig abdeckt. Hierbei werden nur Dokumente wie z.B. Bestellungen oder Rechnungen bepreist, die vermeintlich wertschöpfend sind.

ITD: Wie wird man Neu- sowie Bestandskunden am besten gerecht?
Oczko:
Bestandskunden hatten das Problem, dass sie ihre bisherige Lizenzierung der Prozesse nicht einfach in die neue Welt transformieren konnten. Jetzt gibt es mehrere Optionen, weitgehend kostenneutral und unbürokratisch auf das dokumentenbasierte Modell umzustellen zu können.

Bei der ersten Option wird die Vertragshistorie anerkannt und man bekommt kostenneutral die notwendigen Dokumente. Der Kunde muss jedoch einen 15-prozentigen Zuwachs an zusätzlichen Dokumenten erwerben. Die zweite Option bietet einen Rabatt von 90 Prozent auf die abrechnungsrelevanten Dokumente. Als dritte Option kann die bisherige vertraglich festgelegte Lizenzierung unverändert weitergeführt werden.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 04/2020. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Dabei ist hervorzuheben, dass keine der Optionen besser oder schlechter als die andere ist, auch nicht die Option, alles beim Alten zu lassen. Jedes Unternehmen muss für sich bestimmen, welche Option in seiner konkreten Situation die beste ist. Es ist wichtig zu betonen, dass Unternehmen nicht auf das dokumentenbasierte Modell umsteigen müssen. Insbesondere dann nicht, wenn die bisherige Lizenzierung die wirtschaftlich deutlich vorteilhaftere Variante darstellt.

ITD: Durch die Digitale Transformation werden zukünftige Anforderungen nicht gerade geringer. Was muss ein Modell bieten, um zukunftsfähig zu sein?
Oczko:
Die Kunden werden sich zunehmend mit hybriden Landschaften oder auch mit einem Wechsel in Teilbereichen von On-Premise in die Cloud und vielleicht wieder zurück auseinandersetzen müssen. Ein von der DSAG vorgeschlagenes vertikales Lizenzmodell, das bestehende On-Premise-Lizenzierungen auch für die Cloud berücksichtigt, wäre ein großer Schritt für SAP und die Kunden, um zukünftige, hybride IT-Landschaften nach vorne zu bringen. Und es würde die dringend benötigte Flexibilität bringen. Andernfalls würde ein Bestandskunde doppelt bezahlen und gegenüber einem Neukunden schlechter gestellt. Bisher ist das noch eine Vision der DSAG. Zusammengefasst bedeutet das: Ein Lizenzmodell muss flexibel, wertschöpfend, angemessen skalierbar und nachvollziehbar sein.

Bildquelle: DSAG

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