Nachfrage nach SSD steigt

Flash löst Festplatte ab

Warum die Nachfrage nach Flash-Speicher steigt und wie sich die Preise künftig entwickeln werden, berichtet Guido Klenner, Category Manager Storage von Hewlett Packard Enterprise (HPE), im Interview.

Guido Klenner, HPE

„Aktuell ist der Grundpreis je Flash-TB Rohkapazität noch vergleichsweise hoch, was aber durch Einsparungen mehr als wettgemacht wird", beurteilt Guido Klenner.

IT-DIRECTOR: Herr Klenner, erklären Sie bitte kurz, wie die Flash-Speicher-Technik funktioniert.
G. Klenner:
Statt drehender Medien, wie zum Beispiel Festplatten, werden zur Datensicherung nichtflüchtige (persistente) Flash-Speicher verwendet. Am einfachsten vergleichbar sind diese mit der Technologie hinter USB-Sticks, aber mit wesentlich längerer Lebensdauer und besserer Leistung. Diese Flash-Speicher haben nur ein Zehntel des Stromverbrauchs und Kühlungsaufwands einer herkömmlichen Speicherlösung und bieten konstant hohe IOPS auch bei großen Kapazitäten über 1 Terabyte.

IT-DIRECTOR: Wie hoch ist die Nachfrage großer Unternehmen nach Flash-Speicher-Lösungen?
G. Klenner:
Wir sehen, dass die Nachfrage nach Flash-Speicher stetig wächst – dafür verantwortlich sind unter anderem die weiter sinkenden Preise pro GB Daten. In einer Situation, in der die Betriebskosten von Flash-Speicher geringer und die Performance deutlich besser ist als bei SAS-Platten mit 10.000 UpM, fällt die Entscheidung für Flash-Speicher leichter denn je. Das spiegelt sich auch in den verkauften Konfigurationen unserer HPE 3PAR StoreServ-Systeme wieder. Der Anteil von reinen SSD-Arrays ist innerhalb des letzten Jahres von 17 Prozent auf über 40 Prozent gestiegen, der Anteil von hybriden 3PAR-Systemen (SSDs plus Festplatten) von 28 Prozent auf 35 Prozent, während der Anteil der reinen Spindel-Systeme von 55 Prozent auf 25 Prozent geschrumpft ist.

IT-DIRECTOR: Welche Vorteile bringen Flash-Speicher gegenüber anderen Speicherarten mit sich?
G. Klenner:
Die Vorteile der Technologie sind auch bei oberflächlicher Betrachtung schnell ersichtlich: Durch moderne Datenverdichtungstechnologien wie Deduplizierung oder die Vermeidung des unnützen Schreibens von „Nullen“ zur Vorreservierung von Speicherplatz können mehr Daten auf gleicher Rohkapazität gesichert werden. Gleichzeitig sinken mit der Einführung von Flash-Speicher auch die Betriebskosten für Strom und Kühlung – insgesamt lassen sich so die Gesamtkosten über fünf Jahre fast halbieren. Da die Flash-Speicherlösungen auch eine signifikant höhere Performance bieten, eröffnen sie ganz neue Nutzungsmöglichkeiten. Backups während des normalen Betriebs und zusätzliche Datenbankanalysen, die vorher wegen des Leistungsabfalls nicht möglich waren, sind nur die Spitze des Eisbergs.

IT-DIRECTOR: Und welche Nachteile schreiben Sie diesen zu?
G. Klenner:
Aktuell ist der Grundpreis je TB Rohkapazität noch vergleichsweise hoch, was aber durch die bereits beschriebenen Einsparungen mehr als wettgemacht wird. Allerdings sind die SSDs (Solid State Disks, oder Flash-Medien) wie auch herkömmliche Festplatten eine Art „Verbrauchsmaterial“. Technologisch bedingt „verbrauchen“ sich häufig beschriebene Speicherzellen. Wird also ein und derselbe Adressbereich einer SSD immer wieder beschrieben, werden diese Bereiche dauerhaft unbrauchbar – das sogenannte „Wear Out“. Um dem entgegen zu wirken, können durch die SSD-Firmware die Bereiche nach bestimmten Kriterien vom Beschreiben ausgeschlossen werden. Die Daten werden dann in andere, reservierte Bereiche als Ersatzkapazität geschrieben.
Hewlett Packard Enterprise erreicht mit speziellen Technologien zur Vermeidung von „Wear Out“ eine so hohe Verfügbarkeit, dass eine Gewährleistung von fünf Jahren, unabhängig von der gesamten Schreibleistung über diesen Zeitraum, unproblematisch ist.

IT-DIRECTOR: Worauf sollten Großunternehmen bei der Auswahl von Storage-Anbietern und entsprechenden Flash-Speichern achten?
G. Klenner:
Es gibt vor allem drei Bereiche, die jedes Unternehmen bei Flash Speicher Systemen beachten sollte: Die Kompatibilität der Geschwindigkeit von SSDs mit den Controllern und Schnittstellen, die Nutzung von Datenkompressionstechnologie zur Kostensenkung und die Möglichkeit zur Verwendung aller üblichen Enterprise-Funktionen, wie etwa einem automatischen transparenten Failover oder nativer Datenmobilität.

IT-DIRECTOR: Wie gestaltet sich die Integration der Flash-Speicher in die IT-Landschaft eines Unternehmens? Mit welchen Herausforderungen ist zu rechnen? Was sind häufige Stolpersteine?
G. Klenner:
In der realen Integration müssen häufig Daten zwischen unterschiedlichen Technologien (Festplatten und Flash) ausgetauscht werden. Hier ist die Datenmobilität ein wichtiges Stichwort. Arrays mit unterschiedlichen Architekturen (spezielle All Flash Arrays, Midrange Arrays  und Enterprise Arrays) können in aller Regel nicht direkt ihre Daten austauschen. Sie brauchen Hilfsmittel, wie etwa SAN-Virtualisierung. Gerade diese können jedoch oft selbst zu einem Flaschenhals werden, den man ja gerade mit den Flash-Lösungen vermeiden möchte.

HPE bietet daher beispielsweise eine kostenfreie Online-Migrationslizenz für die Daten unterschiedlicher Block-Arrays und Hersteller an, die den Aufwand einer Datenmigration überschaubar hält.

IT-DIRECTOR: Mit welchen Kosten ist die Anschaffung verbunden? Und sind Endkunden bereit einen häufig höheren Preis zu investieren?
G. Klenner:
Die reinen Anschaffungskosten sind im Vergleich zu Arrays mit gleicher Nettospeicherkapazität zwischen Flash und herkömmlichen Lösungen vergleichbar. Im Geschäftsumfeld sind jedoch die Gesamtkosten ein deutlich wichtigerer Faktor: Flash-Systeme sind bei einer TCO über fünf Jahre um bis zu 80 Prozent günstiger. Es gibt also keinen Grund, nicht in Flash-Systeme zu investieren.

IT-DIRECTOR: In welchen Fällen lohnt sich der Einsatz von Flash-Storage in den Servern/ Rechenzentren?
G. Klenner:
Der Einsatz von Flash-Speicher lohnt sich überall, außer für Disk-2-Disk Backup oder Online Archivierung – hier sind Festplatten mit hohen Kapazitäten aktuell noch günstiger. Außerdem ist die Verdichtung von Daten in diesen Anwendungen nach aktuellem Stand nur zu einem sehr geringen Grad möglich.

IT-DIRECTOR: Welche Daten können ruhigen Gewissens auf einem Flash-Storage gespeichert werden, welche nicht?
G. Klenner:
Die Frage müsste genau anders herum lauten: Welche Daten können mit ruhigen Gewissen auf Spindeln gespeichert werden? Wir sehen, dass SSDs eine geringere Fehlerhäufigkeit haben. SSDs enthalten keine mechanischen Komponenten – schon allein an dieser Stelle gibt es deutlich weniger Potential für Ausfälle. Zusätzlich führt das dazu, dass SSDs vollständig vibrationsunempfindlich sind. SSDs produzieren zudem weniger Wärme und sind dadurch einfacher zu kühlen als herkömmliche Festplatten. Kombiniert mit einem „Wear Out“-Schutz SSDs einen optimalen Schutz für Daten.

IT-DIRECTOR: Welche Zukunft sagen Sie der Flash-Technologie voraus und auf welche Entwicklung müssen sich Hersteller einstellen?
G. Klenner:
Kombiniert mit der Möglichkeit zur Verdichtung von Daten können immer mehr Nettodaten auf weniger SSDs untergebracht werden. Dies spart viel Stellfläche im Rechenzentrum, insbesondere in Kombination mit der hohen Performance der SSDs. Außerdem werden SSDs auch immer günstiger. Unternehmen werden in Zukunft stärker in SSDs investieren, da sich ihr Einsatz mittelfristig auszahlt. Die Ära der HDDs mit 15.000 UpM und 10.000 UpM neigt sich ihrem Ende zu. Für die Hersteller von traditionellen Arrays bedeutet das vor allem, dass sie in ihren neuen Systemen auf Controller setzen müssen, die schnell genug sind, um mit den Speichermedien mitzuhalten.

Die Flash-Technologie selbst wird wahrscheinlich als nächsten Entwicklungsschritt durch NVM (Non-Volatile Memory), wie etwa den von HPE entwickelten Memristor, ersetzt werden. Eine solche Technologie kann den Stromverbrauch weiter um den Faktor 100 senken und weist gleichzeitig eine höhere Packungsdichte und Performance auf. Entsprechende Techniken werden bereits heute entwickelt und sollten bald reif für die Produktion sein.

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