Direkte und indirekte Nutzung

Frisches SAP-Lizenzmodell: Eine neue Leichtigkeit?

Unlängst präsentierte SAP ein neues Lizenzmodell, das die direkte und indirekte Nutzung der Systeme der Walldorfer klar regeln soll. Doch inwiefern gestaltet sich das Lizenzmanagement dadurch wirklich leichter?

Inwiefern gestaltet sich das Lizenzmanagement im Rahmen des neuen SAP-Lizenzmodells leichter?

Inwiefern gestaltet sich das Lizenzmanagement im Rahmen des neuen SAP-Lizenzmodells leichter?

Im April dieses Jahres stellte SAP ein neues Preismodell vor, das die Lizenzierung von direkter und indirekter Nutzung klar regeln soll. Bei der Entwicklung des Ansatzes machte man sich das Wissen verschiedener Partner, Analysten und Anwendergruppen – darunter auch von der Deutschsprachigen SAP Anwendergruppe (DSAG) – zunutze. Alles in allem soll der neue Ansatz dafür sorgen, dass Kunden ihre SAP-Lizenzen künftig leichter und transparenter nutzen können. Er unterscheidet zwischen direktem/menschlichem (Human Access) und indirektem/digitalem Anwenderzugriff (Digital Access) und schafft laut Anbieter klare Regeln bei den Themen Lizenzierung, Nutzung und Compliance.

Was verbirgt sich hinter einer direkten und indirekten Nutzung? Hier geben die Walldorfer selbst eine Definition: Der direkte Zugriff erfolgt, wenn Nutzer auf den digitalen Kern von SAP über eine Schnittstelle zugreifen, die mit oder als Teil der SAP-Software bereitgestellt wird. Ein indirekter Zugriff hingegen liegt vor, wenn Geräte, Bots oder automatisierte Systeme auf den digitalen Kern zugreifen. „Oder wenn Personen, Geräte oder Systeme den digitalen Kern indirekt über eine zwischengeschaltete Software eines anderen Anbieters nutzen – zum Beispiel ein Nicht-SAP-Frontend, eine eigenentwickelte Kundenlösung oder die Anwendung eines Drittanbieters“, heißt es seitens der Walldorfer. Das neue Modell greift sowohl für den digitalen Kern von S/4 Hana und S/4 Hana Cloud als auch für das klassische SAP ERP. Dabei können Bestandskunden wahlweise beim bisherigen Lizenzmodell bleiben oder auf das neue dokumentenbasierte Preismodell wechseln. Laut Anbieter soll es künftig Konversionsangebote geben, mit deren Hilfe die Kunden vom bestehenden auf das neue Preismodell wechseln können.

Eile tut nicht not


Wie sooft hört sich das Ganze in der Theorie einfacher an, als es bei der Umsetzung wohl tatsächlich sein wird. Von daher sind die Anwenderunternehmen gut beraten, intensiv zu prüfen, welches Lizenzmodell für ihre Zwecke am besten passt und sich im täglichen SAP-Betrieb als kostengünstig und praktikabel erweist. Dabei gilt hinsichtlich des Zeitrahmens Folgendes: SAP rollt das neue Vertriebsmodell seit April 2018 aus und stellt in den kommenden Monaten weiteres Schulungsmaterial und Tools zur Verfügung. Aufgrund dessen tut Eile erst einmal nicht not, denn kein Unternehmen muss von heute auf morgen seine bisherigen Lizenzvereinbarungen über Bord werfen. Dennoch gilt es, sich in nächster Zeit mit den neuen Lizenzbestimmungen auseinanderzusetzen und aufzuspüren, inwieweit im eigenen Betrieb etwa per angebundenem Online-Shop oder im Rahmen von vernetzten Maschinen indirekt auf SAP-Anwendungen zugegriffen wird. In diesem Zusammenhang plant SAP, künftig Messwerkzeuge zur Verfügung zu stellen, sodass Kunden in der Lage sind, ihren eigenen User- und Lizenzverbrauch jederzeit selbst zu überwachen. Weitere solcher Tools werden in nächster Zeit sicherlich auch verschiedene auf das SAP-Lizenzmanagement spezialisierte Drittanbieter auf den Markt bringen. Liegt eine umfangreiche indirekte SAP-Nutzung im Betrieb vor, ist das neue Lizenzmodell für Neukunden grundsätzlich interessant. Für Bestandskunden hingegen muss sich die Wirtschaftlichkeit erst noch beweisen. In dem Zusammenhang wäre etwa aus Sicht der DSAG wichtig, dass SAP, falls notwendig, individuelle Gespräche mit einzelnen Kunden sucht, um zeitnah eine tragfähige und faire Lösung für die indirekte Nutzung unter Berücksichtigung der Altverträge und der Historie zu finden. „Diese Vereinbarungen müssen legal verbindlich, für beide Seiten nachhaltig und wirtschaftlich sinnvoll sein und einen Schlussstrich unter dieses Thema ziehen. Die Wahlmöglichkeit zwischen ‚Alles bleibt, wie es ist‘ und dem neuen Lizenzmodell ist nicht in jedem Fall ausreichend“, betont DSAG-Vorstand Andreas Oczko.

Neben dem Preismodell hat SAP im April auch Neuigkeiten rund um Lizenzvertrieb, Audits und Compliance vorgestellt. Eingeführt wurden u. a. neue Regeln bei Organisation und Governance, die eine strikte Trennung zwischen Vertriebsorganisation und -prozessen und der Auditorganisation sowie deren Prozessen vorsehen sollen. Ausschlaggebend für diesen Schritt seien häufige Differenzen zwischen Kunden und SAP, wie ältere Vertragswerke hinsichtlich der neuen digitalen Anforderungen zu interpretieren sind. Da sich solche Auseinandersetzungen teilweise negativ auf parallel verlaufende Gespräche zur Neuanschaffung von Software auswirken, sollen die organisatorischen Änderungen auf SAP-Seite nun die Trennung dieser Sachverhalte erlauben und dadurch den Kunden und SAP-Vertriebsmitarbeitern die Zusammenarbeit erleichtern.

Reaktionen auf die SAP-Bekanntgabe gab es unterschiedliche. Während die Anwendergruppen, die an der Ausgestaltung beteiligt waren, sich größtenteils positiv äußersten, gab es auch Kritik: Ob das neue Preismodell für die indirekte Nutzung fair, transparent und zum Vorteil der SAP-Kunden gereicht, stellt etwa Dr. Jan Hachenberger, Lizenzexperte bei Consalt infrage: „SAP setzt nach unserer Einschätzung mittelfristig primär auf ein transaktionales Lizenzsystem – und das ist in dieser Konsequenz im ERP-Markt ein Novum“, räumt Hachenberger zunächst ein. „Solange der SAP-Kunde immer mehr SAP-Lizenzen benötigt, da z.B. die Anzahl der Bestellungen nach oben geht, lassen sich die Zusatzkosten für Softwarelizenzen für die indirekte Nutzung zuzüglich der damit verbundenen Pflegegebühren noch verschmerzen“, so der Experte. Kritisch werde es spätestens dann, wenn aufgrund ausbleibender Bestellungen oder mit Einführung eines neuen Bestellprozesses die Anzahl der mit SAP verwalteten Bestellungen von 1.000.000 auf 500.000 zurückgeht. „Die zuvor gezahlten Lizenzkosten erstattet SAP selbstverständlich nicht zurück – egal, wie schlecht es beim Kunden läuft. Die Lizenzbedarfe für Named User waren und sind hingegen wesentlich stabiler“, glaubt Hachenberger. Seiner Ansicht nach funktioniere das „transaktionale“ Lizenzmodell nämlich nur in eine Richtung – und zwar in Richtung Umsatzzuwachs für SAP. Geringere Lizenzbedarfe hingegen seien das Problem der Kunden.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 06/2018. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

„Was bleibt, ist die kontinuierliche Optimierung der Lizenzen, um nicht Gefahr zu laufen, die falschen oder zu viele Lizenzen zu kaufen und am Ende mit Pflegegebühren über Jahre hinweg für diese Fehlentscheidungen ‚bestraft‘ zu werden.“


Neues SAP-Lizenzmodell

Bisher orientierte sich das Lizenzmodell für SAP ERP an der Zahl der Nutzer (User). Inzwischen finden aber immer mehr Zugriffe von außen auf SAP-Lösungen statt. Zukünftig unterscheidet SAP daher zwischen:

  • Human Access, der nach User-Anzahl berechnet wird
  • Digital Access, d.h. Zugriff über Dritte, Internet of Things (IoT), Bots und/oder andere digitale Zugänge, die auf Basis der vom System selbst verarbeiteten Transaktionen/Dokumente lizenziert werden können.


Bildquelle: Thinkstock/Photodisc

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