Weibliche IT-Führungskräfte gefragt

Gute Karrierechancen in der IT

Interview mit Doris Albiez, Vice President und General Manager Dell Deutschland, über die Einstiegs- und Karrierechancen von Frauen in der IT-Branche

Doris Albiez, Dell Deutschland

Doris Albiez, Vice President und General Manager Dell Deutschland

IT-DIRECTOR: Frau Albiez, welche speziellen Karrierechancen für Frauen sehen Sie in der ITK-Branche?
D. Albiez:
IT-Fachkräfte sind generell sehr gefragt, und so haben in dieser Branche natürlich auch Frauen hervorragende Einstiegs- und Karrierechancen, insbesondere, wenn sie gut ausgebildet sind. In der Tat ist es so, dass wir etwa bei uns weit mehr Frauen einstellen könnten, als sich bei uns bewerben.

IT-DIRECTOR: Was sollten Unternehmen künftig tun, um Frauen stärker für IT-Berufe zu interessieren?
D. Albiez:
Der beste Anreiz sind noch immer gute Karrierechancen und ein Umfeld, in dem Frauen die gleichen Aufstiegschancen haben wie Männer. Ich glaube aber, dass das Problem nicht nur auf der Ebene der Unternehmen liegt. Wir haben überhaupt viel zu wenig weibliche Absolventen in den MINT-Fächern. Hier werden meines Erachtens auf dem Weg durch die Bildungseinrichtungen falsche Anreize gesetzt. Man sollte bereits in der Schule ansetzen und junge Mädchen stärker für Technik und IT interessieren. Wir dürfen uns als Gesellschaft nicht damit abfinden, wenn Mädchen behaupten, Technik sei nichts für sie. Ein weiterer Grund, warum sich zu wenige Frauen auf IT-Berufe bewerben, sind – das beobachten wir bei uns selbst – schlichtweg auch die typischen Stellenanzeigen, die viel zu sehr auf männliche Bewerber zugeschnitten sind. Frauen fühlen sich davon einfach nicht angesprochen.

IT-DIRECTOR: Wie ist es derzeit um den prozentualen Anteil weiblicher IT-Führungskräfte in hiesigen Großunternehmen und Konzernen bestellt?
D. Albiez:
Aus den genannten Gründen nicht gut. Je weiter Sie in der Unternehmenshierarchie nach oben gehen, desto weniger Frauen werden Sie dort finden. Das ist ein Unding. Wir bemühen uns beispielsweise seit Langem darum, das zu ändern. Wir würden gerne mehr Frauen einstellen und wir werben auch um sie, aber es gibt wie gesagt einfach zu wenige Kandidatinnen. Auch haben wir spezielle Förderprogramme implementiert, um Frauen auf ihrem Weg nach oben zu bestärken und aktiv zu fördern.

IT-DIRECTOR: Inwieweit werden weibliche IT-Führungskräfte von ihren Management-Kollegen und ihren Mitarbeitern akzeptiert?
D. Albiez:
Nach meiner Beobachtung gibt es hier sehr große Unterschiede zwischen den Unternehmen. Bei uns jedoch hängt die Akzeptanz eben nicht vom Geschlecht ab, sondern von der Qualifikation für den Job, die Führungsqualitäten und auch dem Mut, ausgetretene Pfade zu verlassen und auch einmal gegen den Strom zu schwimmen.

IT-DIRECTOR: Was zeichnet den Führungsstil weiblicher CIOs aus? Wo liegen Ihrer Ansicht nach ihre Schwächen, wo ihre Stärken?
D. Albiez:
Sicherlich haben weibliche Führungskräfte besondere Eigenschaften, sei es der empathischere Umgang mit Mitarbeitern, das bessere Zuhörenkönnen oder ein generell kooperativerer Führungsstil. Frauen sollten zu diesen Eigenschaften stehen und sie zu ihrem Vorteil einsetzen und keinesfalls männlicher agieren als die Männer selbst.

IT-DIRECTOR: Wie ist es um die Gehälterverteilung von männlichen und weiblichen IT-Führungskräften bestellt?
D. Albiez:
Tendenziell werden Frauen auch in der IT noch immer schlechter bezahlt als Männer, das ist leider eine Tatsache. Frauen werden hier allzu oft benachteiligt. Aber es geht eben nicht nur um das Gehalt allein, sondern darum, dass es Frauen auf dem Weg nach oben generell oft sehr schwer gemacht wird.

IT-DIRECTOR: Inwiefern lassen sich in der Praxis für weibliche IT-Führungskräfte Beruf und Familie vereinbaren?
D. Albiez:
So sehr ich diese Frage nachvollziehen kann, so zeigt sie doch auch, wo das eigentliche Problem liegt: Ich weiß nicht, ob eine solche Frage jemals auch Joe Kaeser gestellt wurde. Sobald aber eine Frau in eine Führungsposition kommt, wird sie gefragt, ob nun der Abwasch liegen bleibt und die Kinder kein Frühstück mehr bekommen. Familie, das ist einfach noch immer ein Frauending. In der Praxis lässt sich das Problem durch zusätzlichen Aufwand und die Inanspruchnahme zusätzlicher Ressourcen bewältigen, wobei Führungskräfte vermutlich mehr Spielraum haben als andere. Aber es ist nicht einzusehen, warum das die Aufgabe der Frauen sein soll. Grundsätzlich meine ich, dass die Sache der Familie aus der „Frauenecke“ herauskommen muss – das ist nach meiner Auffassung definitiv eine Aufgabe für Männer und Frauen.

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