Rometty geht bald in Rente, Krishna und Whitehurst übernehmen

IBM bekommt neue Führung

Gemäß der Usancen bei IBM war die Ablösung von CEO Virginia („Ginni“) Rometty längst überfällig. Jetzt ist es bald soweit. Am 6. April wird die 62-jährige als CEO von Arvind Krishna (57) abgelöst – und ihren Job als IBM-Präsidentin übernimmt dann James Whitehurst (52), Senior Vice President und CEO der frisch erworbenen Tochter Red Hat.

  • Die scheidende IBM-Chefin Ginni Rometty am 12. Juni 2018 auf der letzten Cebit.

  • Der nächste IBM-CEO Arvind Krishna (57).

  • Red-Hat-Chef James Whitehurst

    Red-Hat-Chef James Whitehurst (52) wird nächster IBM-Präsident.

Rometty, IBM-Vorsitzende, Präsidentin und Chief Executive Officer, soll noch bis Ende des Jahres Executive Chairman des Verwaltungsrats bleiben; dann wird sie nach fast 40 Jahren im Unternehmen in den Ruhestand treten. Dass sie erst dann abtritt, ist erstaunlich, weil sie damit ein ungeschriebenes Gesetz bei „Big Blue“ gebrochen hat: IBM-Chefs gehen mit 60 in Rente! Daran mussten sich ihre Vorgänger halten, von John Opel über John Akers und Louis Gerstner bis hin zu Sam Palmisano.

Dieses eherne Gesetz galt aber offensichtlich nicht für die erste Frau an der Spitze des über 100 Jahre alten US-Konzerns. Rometty löste 2012 Palmisano an der Spitze von IBM ab und führte seine stark auf die Pflege des Börsenkurses und Firmenübernahmen ausgerichtete Strategie fort. Unter ihrer Führung erwarb IBM bisher 65 Unternehmen, hauptsächlich in den Bereichen Cloud (Softlayer, Red Hat), Sicherheit (Qradar), Industrie und Daten sowie KI. Gleichzeitig verkaufte sie Unternehmensteile mit einen Jahresumsatz von fast 9 Mrd. Dollar, um das Portfolio auf die hochwertigen integrierten Angebote von IBM zu konzentrieren. Dazu zählten z.B. der Verkauf der Kassensparte an Toshiba im April 2012 oder die Abnabelung der x86-Server, die zu Lenovo ging.

Am 6. April wird Arvind Krishna Chief Executive Officer des Unternehmens und Mitglied des Verwaltungsrats. Derzeit ist er Senior Vice President für Cloud- und kognitive Software bei IBM und war Hauptarchitekt der 34 Mrd. Dollar teuren Übernahme von Red Hat. Das ist durchaus eine Parallele zu Rometty, die 2002 als Generalmanagerin des Geschäftsbereiches IBM Global Business Services die Integration der für rund 3,9 Mrd. Dollar übernommenen Beratungssparte von Pricewaterhouse Coopers organisiert hatte. Der als Romettys Kronprinz gehandelte James Whitehurst, Senior Vice President und CEO von Red Hat, soll am 6. April neuer IBM-Präsident werden.

„Arvind ist der richtige CEO für die nächste Ära bei IBM“, wird Rometty in der Pressemitteilung zitiert. „Er ist ein brillanter Technologe, der eine bedeutende Rolle bei der Entwicklung unserer Schlüsseltechnologien wie künstliche Intelligenz, Cloud, Quanten-Computing und Blockchain gespielt hat. Er ist auch ein hervorragender operativer Leiter, der heute gewinnen und das Geschäft von morgen aufbauen kann."

„Ich bin begeistert und demütig, zum nächsten Chief Executive Officer von IBM gewählt zu werden, und schätze das Vertrauen, das Ginni und der Vorstand mir entgegengebracht haben“, sagte Krishna. „IBM verfügt über derart talentierte Mitarbeiter und Technologien, dass wir unsere Kunden bei der Lösung ihrer schwierigsten Probleme unterstützen können. Ich freue mich darauf, mit IBMern, Red Hatters und Kunden in aller Welt in einer Zeit des rasanten IT-Wandels zusammenzuarbeiten Wir haben große Chancen, unseren Kunden dabei zu helfen, die Transformation ihres Geschäfts voranzutreiben und gleichzeitig weltweit führend in der vertrauenswürdigen Verwaltung von Technologie zu bleiben.“

„Es ist mir eine große Ehre, zum Präsidenten der IBM gewählt zu werden“, sagte Whitehurst, der das Beste aus IBM und Red Hat holen will und weiter daran arbeitet, die Kulturen zusammenzubringen. „Als ich anfing, sagte ich, dass ich glaube, dass wir die Chance haben, das bestimmende Technologieunternehmen des 21. Jahrhunderts zu sein“, so Whitehurst weiter. „Nach der Zusammenarbeit mit unseren Kunden, IBMern und Red Hatters in den letzten Monaten bin ich heute mehr denn je davon überzeugt.“

Krishna kam 1990 zu IBM ist aktuell als Senior Vice President für das Cloud-Geschäft und kognitive Software. Dort leitet er die IBM Business Unit, die Cloud- und Datenplattformen bereitstellt. Zu seinen derzeitigen Zuständigkeiten gehören auch die Bereiche IBM Security sowie IBM Research. Zuvor war er General Manager der Entwicklungs- und Fertigungsorganisation der IBM Systems & Technology Group.

Whitehurst ist IBM Senior Vice President und CEO des Linux-Pioniers Red Hat, der im vergangenen Sommer von IBM übernommen wurde. Er gilt als Verfechter offener Software und hat in seiner Amtszeit bei Red Hat den Umsatz verachtfacht und die Marktkapitalisierung verzehnfacht, schreibt IBM in die Presseinformation, was ganz nebenbei den Fokus auf die Börse bei IBM unterstreicht. Zu Red Hat kam er von Delta Airlines, wo er als Chief Operating Officer alle Aspekte des Flugbetriebs überwachte. Zuvor war er Partner bei Boston Consulting. Whitehurst hat einen Bachelor in Informatik und Wirtschaft und einen MBA der Harvard Business School.

Bildquelle: IBM

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