Z-Serie mit 19 Zoll

IBM hat die Mainframes geschrumpft

Passt in jedes Cloudrechenzentrum: Der neue z14-Mainframe von IBM ist nur noch 19 Zoll breit und wirkt wie ein Serverrack.

Z-Serie mit 19 Zoll

Bald fällt der Mainframe nicht mehr auf zwischen den 19-Zoll-Serverracks

IBM ist das Unternehmen der Gegensätze: Es stellt auf der einen Seite den kleinsten Computer der Welt vor und auf der anderen einen neuen IT-Dinosaurier, den Großrechner z14 Model ZR1. Im Unterschied zu den bisher eher an ein futuristisches Möbel erinnernden Mainframes der Z-Serie kommt der Neue in Form eines 19-Zoll-Server Schranks daher.

Dadurch kann das z14-Einsteigermodell jetzt platzsparend in Rechenzentren untergebracht werden und soll dort in erster Linie Cloudservices mit seiner Leistung unterstützen. Auch die Linux-Mainframe Dachmarke LinuxOne hat 19-Zoll-Zuwachs bekommen: Der LinuxOne Rockhopper II basiert auf der Hardware des z14 und soll sich durch den Einsatz von Linux als Betriebssystem besonders gut mit den in Cloud Rechenzentren üblichen Linux-Servern verstehen.

Dabei bleiben nach Planung von IBM die Brot-und-Butter-Aufgaben auch weiterhin den herkömmlichen Servern vorbehalten. Der Mainframe bringt seine Spezialität - das fixe abarbeiten von anspruchsvollen Workloads ‑ für spezielle Aufgaben mit, etwa Verschlüsselung, Blockchain und Machine Learning. Die Ausstattung der beiden Mainframes ist stark Budget orientiert und macht sie auch für kleinere Rechenzentren und mittelständische Unternehmen interessant: vier CPUs und zwei Terabyte Speicher. Sie können allerdings auf bis zu 30 Prozessoreinheiten und 8 Terabyte ausgebaut werden - mehr als genug Leistung für einen Großteil der Aufgaben der Cloud.

Der Mainframe-Einsatz wächst, aber die Experten fehlen

Die stetige Weiterentwicklung der IBM-Mainframes zeigt deutlich, dass die Großrechner auch weiterhin eine gewisse Bedeutung in der Enterprise-IT haben werden. Durch die Neuausrichtung auf Cloud-Rechenzentren hofft IBM, diese Position nicht nur zu halten, sondern sogar auszubauen. Das könnte sogar gelingen, denn laut einer aktuellen Studie von Forrester und Compuware wird der Mainframe vor allem für große Unternehmen immer wichtiger: Die Anzahl der Nutzer steigt. Gut 68 Prozent der deutschen Unternehmen setzen sehr stark auf den Mainframe und lassen in mehr als die Hälfte ihrer geschäftskritischen Anwendungen bearbeiten.

Die wachsende Bedeutung der Mainframe-Technologie in den Unternehmen klingt zumindest für IBM als Anbieter sehr positiv. Doch die Förster-Studie weist auch auf einige Probleme hin. So gibt es immer weniger Mainframe-Experten, entsprechende Stellen können zu einem großen Teil (67%) nicht mehr besetzt werden. Die Unternehmen vernachlässigen hier offensichtlich die Weiterbildung. Es ist in einem Informatikstudium nicht mehr üblich, sich mit der Großrechnertechnologie zu beschäftigen. Das liegt unter anderem daran, dass nur noch die wenigsten Universitäten überhaupt Mainstreams nutzen, sie sind in der Mehrzahl auf Linux-Cluster umgestiegen. Wenn die Unternehmen nicht ihre Expertise komplett einbüßen wollen, müssen sie Mainframe-Spezialisten in Zukunft verstärkt selber ausbilden.

Ein zweiter vernachlässigter Punkt: Geschwindigkeit und Effizienz. Der Mainframe wird häufig immer noch so betrieben wie vor einem Vierteljahrhundert üblich. Agilität und DevOps sind Fremdworte in den Großrechnerabteilungen. „Die Ergebnisse zeigen, dass sich Mainframe-Investitionen und -Managementprozesse deutlich weiterentwickeln müssen“, konstatieren die Autoren der Forrester-Studie. „Unzureichende Beachtung der Geschwindigkeit ist etwa ein Relikt aus der Vergangenheit und entspricht nicht mehr den heutigen Anforderungen der schnellen digitalen Wirtschaft.“

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