Digitale Transformation

Infrastrukturen als Basis für Innovation

Die Digitalisierung verspricht für Unternehmen nur dann Erfolg, wenn die genutzte Infrastruktur als Basis auch die benötigte Leistung zur Verfügung stellen kann, unterstreicht Dr. Ulrich Müller, Sprecher der Geschäftsführung bei Operational Services, im Interview.

Dr. Ulrich Müller, Operational Services

Dr. Ulrich Müller, Sprecher der Geschäftsführung bei Operational Services

IT-DIRECTOR: Herr Müller, welche Rolle spielen Rechenzentren im Rahmen der digitalen Transformation? Was macht sie zum „Treiber“ der Digitalisierung?
U. Müller:
Rechenzentren bilden die Grundlage der Digitalisierung, denn sie sind die Basis für die Speicherung und Verarbeitung der Daten, beispielsweise aus Internet-of-Things-Projekten, aber auch aus allen anderen Bereichen. Performante, sichere Rechenzentren an geeigneten Internet-Hub-Standorten, wie Frankfurt, Amsterdam, London, etc. sind notwendige Bedingungen für eine wachsende, auf Geschwindigkeit getrimmte Digitalisierungsrate in allen Märkten und Branchen.

Maßgebliche Treiber der Digitalisierung sind neue Geschäftsideen kluger, unternehmerisch denkender Köpfe, die dann erfolgreich sind, wenn sie von Anfang an mit Operational Excellence gepaart werden. Hinzu kommen Managed-ITK-Services als Inkubator für neue digitale Ideen: Datenströme, Netz- und Speicherkapazitäten, die aktiv organisiert und ausgesteuert werden.

IT-DIRECTOR: Welche neuen Anforderungen ergeben sich im Zuge der zunehmenden Digitalisierung für die Infrastrukturen in Rechenzentren?
U. Müller:
Die zunehmende Digitalisierung verspricht für Unternehmen nur dann Erfolg, wenn die genutzte Infrastruktur als Basis auch die benötigte Leistung zur Verfügung stellen kann. Da wir von massiv schwankenden Workloads ausgehen, sollte die Infrastruktur mit diesen Schwankungen umgehen können und so flexibel einsetzbar sein, dass sie auch Lastspitzen abfangen kann und die IT-Sicherheit stets gewährleistet ist.

IT-DIRECTOR: Wie sehen Sie die Datacenter hierzulande aufgestellt? Inwieweit kann die Digitalisierung mit den vorhandenen RZ-Ressourcen abgefedert werden?
U. Müller:
Die Ausprägungen der heutigen Rechenzentren von kleinen und mittelständischen Unternehmen sind zum Großteil nicht für die Anforderungen von morgen ausgelegt – es mangelt in Sachen Performance, Verfügbarkeit, Automatisierung und Cyber-Sicherheit. Genau für diese Aspekte spielen Cloud-Technologien eine immer wichtigere Rolle. Wir sehen eine Konzentration von Rechenzentren und die Verlagerung der Workloads in die Cloud. Im Enterprise-Umfeld modernisieren IT-Verantwortliche häufig die eigenen Infrastrukturen und passen sie so an, dass sie den zukünftigen Herausforderungen gewachsen sind. Gleichzeitig lagern sie gezielt bestimmte IT-Services aus und nutzen verstärkt Cloud-Technologien als Unterstützung zu den eigenen Ressourcen.

IT-DIRECTOR: Apropos Ressourcen: Sollten im Zuge der Digitalisierung immer mehr Rechenzentren entstehen, wird gleichzeitig mehr Energie für deren Betrieb benötigt. Hinzu kommen neue, recht energieintensive Technologien wie die Blockchain oder E-Mobility. Wie kann für Rechenzentren in Deutschland dennoch eine ausreichende Energieversorgung gewährleistet werden?
U. Müller:
Die Energieversorgung ist ein sehr spannendes Thema. Wenn man sich Gedanken darüber macht wie man Verfügbarkeiten größer 99,9 Prozent für Serviceketten realisieren kann, stößt man schnell in Größenordnungen vor, die an einer vernünftigen Wirtschaftlichkeit scheitern. Dass wir nicht von heute auf morgen uneingeschränkt auf E-Mobility und weitere ressourcenträchtige Lösungen umsteigen können, ist allgemein bekannt. Auch deshalb wurden einige Milliardenprojekte angestoßen, wie z. B. Südlink im Rahmen des Netzentwicklungsplans (NEP). Ziel solcher Projekte ist es, den Energiehunger, der sich über die gesamte digitale Wertschöpfungskette erstreckt, zu stillen. Das sind primär Endgeräte, aber sekundär auch Server, Netzwerkkomponenten und andere RZ-Infrastruktur.

Aus unserer engen Zusammenarbeit mit marktführenden Colocation- und Cloud-Anbietern wissen wir, dass sie sich seit Jahren gut für den Moment der temporären Energieknappheit vorbereitet haben, um im Ernstfall – zumindest für eine gewisse Zeit – online zu bleiben. Allerdings ist es fraglich, ob diese Aussage auch Gültigkeit in Bezug auf den gesamten IT-Stack hat. Dazu sind nicht nur geeignete infrastrukturelle Rahmenbedingungen, die RZ-Betreiber vorhalten, von Bedeutung. Zusätzlich spielen auch die IT-Dienste eine Rolle, die sich mit Daten- und Lastenverteilung, Datentransport (Netze) sowie Anwendungsentwicklung beschäftigen. Erst eine hohe Qualität des Zusammenspiels dieser vernetzten Entitäten sorgt für Stabilität, Verfügbarkeit und Performance. Denn das Gesamtsystem ist nur so gut wie das schwächste Glied in der Kette. Das gilt für IT-Sicherheit, aber auch für die Einflüsse von Energieverfügbarkeit.

IT-DIRECTOR: An welchen Stellschrauben sollten die Verantwortlichen aktuell drehen, um ihre Rechenzentren kostengünstig und zukunftssicher zu gestalten?
U. Müller:
Kostengünstiger Betrieb gelingt nur dann, wenn die Flexibilität der IT-Infrastruktur ausreichend gegeben ist. Leerstand und Leerlauf müssen vermieden werden. Darüber hinaus sollten On-Demand-Ressourcen zur Verfügung stehen, um Lastspitzen abzufangen. Das ist ein schwieriger Spagat. Außerdem sollten IT-Verantwortliche sich verstärkt auf Tage einstellen, an denen es zu Beeinträchtigungen kommt. Sei es z. B. eine DDoS-Attacke, das Eindringen eines Verschlüsselungstrojaners oder der nicht bemerkte Datenabfluss. Kurz gesagt: Investitionen in IT-Sicherheit mit einem gesunden Mix aus unterschiedlichen Cloud Services und die Sicherstellung der Verfügbarkeit von IT-Systemen und menschlichen Ressourcen mit ausreichender Fachkompetenz und Motivation.

Darüber hinaus ergeben sich optimierte Wachstumschancen dadurch, dass Colocation-Anbieter verstärkt mit Spezialisten für Transition & Transformation kooperieren sollten. Etablierte Managed-ITK-Service-Provider verfügen über ein erprobtes Set an Methoden und Tools sowie Experten, die nicht nur existierende RZ-Konzepte optimieren (Transformation), sondern auch ganze Rechenzentren von A nach B (oder in vorhandene Cloud-Infrastrukturen) im laufenden Business migrieren (Transition), um den IT-Betrieb kostengünstig und zukunftssicher zu gestalten.

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