Internet der Dinge

IoT als Türöffner

Hörmann, ein Hersteller für Tore, Türen, Zargen und Antriebe, hat gemeinsam mit zwei IT-Anbietern eine Internet-of-Things-Lösung (IoT) entwickelt, um seinen Kunden eine optimierte Bedienung ihrer Industrietore zur Verfügung zu stellen.

Automatik-Schiebetürkombination

Automatik-Schiebetürkombination: barrierefreier Fluchtweg und sicherer Nachtabschlus

Die Hörmann-Gruppe vertreibt u.a. Schnelllauftore in die ganze Welt. Diese kommen im industriellen Bereich, aber auch in Groß- und Einzelhandel zum Einsatz. Es sind Tore, die sich automatisch öffnen können, wenn sich ihnen ein Gabelstapler nähert, was für flüssige Betriebsabläufe sorgt. Zudem lassen sich die Funktionen und Formen der Tore individuell anpassen.

Das Herzstück der Funktionen ist die individuell konfigurierbare Steuerung, die eine Menge Daten darüber speichert, wie ein Tor arbeitet. Dazu gehört der Betrieb mit Logdaten, Infomeldungen und Diagnosedaten, Fehlermeldungen und Befehlen. Die Befehle werden direkt über die Steuerung erstellt. Wenn sich also ein Gabelstapler mit einem bestimmten Transponder nähert, öffnet sich das Tor automatisch. Bei etwa 1.500 unterschiedlichen Steuerungsparametern sind Konfiguration und permanente Überwachung entsprechend aufwendig – aber ebenso wichtig. Denn wenn etwas nicht reibungslos läuft, kann der Fehler nur mithilfe ständiger Überwachung behoben werden.


Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 9/2019. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Abnehmer der Tore können über die Torsteuerung also vielfältige Informationen einsehen. Aufgrund der Komplexität übernehmen die Mitarbeiter von Hörmann die Konfiguration der dahinterliegenden Technik. Dies entwickelte sich allerdings zu einem hohen Arbeitsaufwand für die Servicemitarbeiter. Die Vielzahl an Produktvarianten und unterschiedlichen Anwendungsbereichen, aber auch die Internationalisierung des Unternehmens machten den Service zu einer Mammutaufgabe. In der Vergangenheit lief der Support soweit möglich per Telefon. Wie in dieser Branche üblich, ist es auch bei Hörmann die Regel gewesen, bei konkreten Störungen Techniker zum Einsatzort zu schicken, die eine Fehleranalyse durchführen und bestehende Pro-bleme beheben. Wenn Ersatzteile nötig waren, mussten die Mitarbeiter jedoch häufig ein zweites Mal kommen und die Reparatur verzögerte sich. Dies führte zu unkalkulierbaren Aufwänden und ist auch aufgrund des bestehenden Fachkräftemangels praktisch kaum umsetzbar gewesen.

Vor diesem Hintergrund entschlossen sich die Verantwortlichen dazu, gemeinsam mit Telekom Deutschland und T-Systems Multimedia Solutions eine Lösung zu entwickeln, die die Prozesse vereinfacht, Datensilos abschafft und die Möglichkeiten des Internet of Things ausschöpft. In mehreren Workshops wurden zunächst die Anforderungen strukturiert und anschließend ein Konzept entwickelt. Die drängendsten Anforderungen waren die zentrale Zusammenführung der Maschinendaten aus dem Feld sowie schneller
Remote-Support in Fehlerfällen. Schnell wurde klar, dass es eines Portals bedarf, in dem die Unternehmensprozesse der Kunden abgebildet werden können und die Hörmann-Mitarbeiter auf die Tordaten ihrer Kunden zugreifen konnten. Nur so würde ein Remote-Support Sinn ergeben.

Die vorhandene Torsteuerung wurde über ein „Smartmodul“ zur Kommunikation mit der Cloud der Dinge verbunden, um eine Portallösung zu ermöglichen. Dazu war eine zielführende Kommunikation mit den Hardware-Herstellern der Steuerung und des Smartmoduls unabdingbar. Entstanden ist ein Monitoring- und Service-Portal zur Aufbereitung und visuellen Darstellung von Status-, Fehler- und Diagnosedaten in Echtzeit. Dafür wurde zunächst ein mit der Cloud verbundenes Modul gebaut, um die relevanten Informationen über die Tore zu bündeln. Dieses Modul ist per USB mit der jeweiligen Torsteuerung verbunden und kommuniziert mit der Cloud über das Mobilfunknetz. So werden alle Stammdaten eines Tors an Hörmann übermittelt. Auch Informationen, die erst im Lebenslaufzyklus eines Tors präsent werden, können eingefügt werden, etwa Anpassungen, die zunächst im Laufe des Betriebs vorgenommen wurden. Dies ermöglicht einen validen Vorher-nachher-Vergleich.

Anschließend entwickelten die beiden involvierten Dienstleister ein Portal, das die Inhalte kundenspezifisch in der Cloud abbildet. Diese SIM-basierte M2M-Cloud-Control-Lösung erlaubt es, den Kunden eine vereinfachte und einheitliche Sicht auf ihre Tore zur Verfügung zu stellen. Dies ist wichtig, um den Anwendern Transparenz zu liefern und den Remote-Service zu optimieren. Da die Kunden unterschiedliche Tore mit verschiedenen Funktionen vor Ort nutzen, muss auch das Portal diese Unterschiede abbilden können. So sieht jeder User nur das, was für ihn freigegeben und relevant ist. Die Überwachung und Problemdiagnose der Industrietore ist nun aus der Ferne möglich.

Im Produktivbetrieb angekommen

Die Plattform befindet sich vollständig in der nach deutschen Datenschutzbestimmungen konformen Cloud, die in ISO-zertifizierten Rechenzentren in Deutschland betrieben wird. Die Übertragung der Kundendaten erfolgt dabei verschlüsselt im Telekom-Netz. Zudem bieten die Cloud-Technologien des Bonner Anbieters aufgrund ihrer standardisierten Schnittstellen die Möglichkeit, jederzeit neue Tore zu integrieren oder Informationen anzupassen.

Das Tool wurde aus der Herstellerperspektive geplant und in einem Live-Rollout umgesetzt. Nach einem längeren Feldtest steht die Lösung seit März 2019 allen Kunden der Hörmann KG zur Verfügung und ist somit im Produktivbetrieb angekommen. Das Vorgehen, durch einen Change-Request-Modus mit ausgewählten Kunden die Anwendung zunächst zu testen und zu optimieren, ermöglicht es dem Torspezialisten, seine Produkte so auszurichten, wie es die Kunden sich wünschen.

Die Portallösung bietet neue Einsichten und Verknüpfungen zwischen den jeweiligen Toren eines Unternehmens. Steuerungsinformationen werden zielgruppenspezifisch und transparent aufgearbeitet. Der Informationsfluss ermöglicht eine ressourcensparsame Remote-Überwachung und Problemdiagnose vom
Firmensitz aus. Während die Reisekosten zurückgehen, erhöht sich die durch Hörmann gebotene Serviceleistung: Die Ausfallzeit bei Betriebsstörungen wird auf ein Minimum reduziert, Hilfe ist sofort verfügbar und die Lebenszeit der Produkte wird durch eine frühzeitige Fehlerbehebung erhöht. Während es vorher ein großes Problem darstellte, die wenigen Fachkräfte, die in der Lage sind, die Anlagen zu warten und zu reparieren, für mehrere Tage entbehren zu müssen, können viele Arbeiten nun remote erledigt und das Personal effizient eingesetzt werden.

Die standardisierten Schnittstellen der Telekom Clouds ermöglichen eine zügige Implementierung neuer Tore oder Standorte. Dabei gehen Informationen weder verloren noch sind sie für andere einsehbar. „Zukünftig ist es durchaus denkbar, die Zusammenarbeit mit den beiden Projektpartnern auszudehnen, z. B. bei der Entwicklung einer Predictive-Maintenance-Lösung. Das Portal hat überdies den Vorzug des Javascript-Frontends und der REST-Schnittstelle, sodass es denkbar ist, eine App anzuschließen“, erklärt Rüdiger Bierhenke, Verkaufsleiter für Industrietorsysteme, Verladetechnik und Zufahrtskontrollsysteme bei der Hörmann KG.

Bildquelle: Hörmann KG

©2019Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok