Karrierechancen für Frauen

IT als Motor neuer Berufsbilder

Interview mit Eva Faenger, Diversity Manager bei HP Enterprise Germany, über die Karrierechancen für Frauen in der ITK-Branche und inwieweit IT ein Motor für neue Berufsbilder sein kann

Eva Faenger, HP Enterprise

Eva Faenger, Diversity Manager bei HP Enterprise Germany

IT-DIRECTOR: Frau Faenger, welche speziellen Karrierechancen für Frauen sehen Sie in der ITK-Branche?
E. Faenger:
Die ITK-Branche ist hier sehr gut aufgestellt. Mehr Frauen Karrierechancen in den Führungsebenen zu ermöglichen, ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Mit ein paar gut gemeinten Initiativen ist es nicht getan. Vielmehr ist ein Veränderungsprozess nötig, der organisatorische und kulturelle Aspekte gleichermaßen berücksichtigt. Im Gegensatz zu tradierten Branchen bringt die ITK-Branche hierfür gute Voraussetzungen mit. Als Treiber der Globalisierung, Virtualisierung und Mobilität steht die ITK-Branche im Zentrum ständiger Veränderungen. Die damit einhergehende Veränderungsbereitschaft und Flexibilität ist wie dafür geschaffen, auch den notwendigen Wandel für mehr Frauen in Führung voranzutreiben. Zusätzlich ist die ITK-Branche der Motor neuer Berufsbilder. Dabei geht es immer mehr um das Vernetzen, Integrieren und Zusammenbringen von Menschen, Teams und Lösungen – Eigenschaften, die für den weiblichen Führungsstil typisch sind.

IT-DIRECTOR: Was sollten Unternehmen künftig tun, um Frauen IT-Berufe schmackhaft zu machen?
E. Faenger:
Das zentrale Stichwort hier ist Image. Ich erlebe immer wieder, dass junge Frauen erstaunt sind, welche vielfältigen Berufsmöglichkeiten die Branche bietet. Vor allem Einsteiger haben eine festgefahrene Vorstellung vom typischen, sehr technisch orientierten Berufsbild. Dass die ITK-Branche darüber hinaus weitere interessante Arbeitsfelder bietet, ist vielen jungen Frauen nicht klar. Daher sollten sich Unternehmen darauf fokussieren, die Wahrnehmung der ITK-Branche positiv zu verändern.

IT-DIRECTOR: Wie ist es derzeit um den prozentualen Anteil weiblicher IT-Führungskräfte in hiesigen Großunternehmen und Konzernen bestellt?
E. Faenger:
Studien des Bitkom zeigen, dass der Anteil an Frauen in Führungspositionen in der ITK-Branche aktuell deutlich unter zehn Prozent liegt. Bei Hewlett Packard Enterprise in Deutschland liegt dieser bereits heute auf dem Niveau der Zielvorstellung vom Bitkom für 2020.

IT-DIRECTOR: Inwieweit werden weibliche IT-Führungskräfte von ihren Management-Kollegen und ihren Mitarbeitern akzeptiert?
E. Faenger:
Eine offene Unternehmenskultur ist hier entscheidend. Bei uns stelle ich keine Unterschiede bei der Akzeptanz weiblicher und männlicher Führungskräfte fest. Die Frage lautet eher: Wie komme ich als Frau in diese Position? Die IT-Branche ist immer noch sehr männlich dominiert. Zudem sorgen tradierte Rollenbilder in Deutschland dafür, dass das Thema Führung hierzulande immer noch überwiegend männlich besetzt ist.

IT-DIRECTOR: Was zeichnet den Führungsstil weiblicher CIOs aus? Wo liegen Ihrer Ansicht nach ihre Schwächen, wo ihre Stärken?
E. Faenger:
Ich denke, dass der Führungsstil sehr von der Person und der Unternehmenskultur abhängt. Grundsätzlich kann man aber sagen, dass weibliche Führungskräfte stärker daran interessiert sind, gemeinschaftliche Lösungen zu finden. Frauen verstehen es gut Teams zu motivieren, Menschen zusammenzubringen, ein Thema inhaltlich voranzutreiben. Anderseits neigen Frauen eher zur Selbstkritik und wirken dadurch manchmal unsicherer als sie sind.

IT-DIRECTOR: Inwiefern lassen sich in der Praxis für weibliche IT-Führungskräfte Beruf und Familie vereinbaren?
E. Faenger:
Wir setzen auf eine hohe Flexibilität. Unsere Arbeitszeitmodelle bieten die Möglichkeit, sich die Arbeitszeiten überwiegend selbst einzuteilen und den Arbeitsort flexibel auszuwählen. Eine interne Umfrage zeigt, dass dies von unseren Mitarbeitern und Führungskräften sehr geschätzt wird. Home Office und die Möglichkeit von unterwegs zu arbeiten gehören bei uns zum Standard. Unsere offene Unternehmenskultur, unser internationales Arbeitsumfeld und die technologischen Möglichkeiten schaffen die Voraussetzungen für ein flexibles Arbeiten.  

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