Von der Lochkarte in die Hybrid Cloud

IT-Riese IBM mit Spin Off

IBM hat nun die Aufteilung seiner Cloud- und Legacy-Aktivitäten in zwei getrennte Unternehmen bekannt gegeben. Dies wird als Versuch gewertet, das lukrativere Cloud-Geschäft voranzutreiben und Anschluss an Mitbewerber wie AWS, Microsoft und Google zu finden.

IBM spaltet seine Sparte für Netzwerk-Dienstleistungen ab. Foto: picture alliance / Matthias Balk/dpa

Ende einer Ära? IBM spaltet seine Sparte für IT-Infrastruktur-Dienstleistungen ab. ((Bildquelle: picture alliance / Matthias Balk/dpa))

Wie der Konzern am Donnerstag in Armonk mitteilte, soll das IT-Infrastruktur-Geschäft abgetrennt und eigenständig an die Börse gebracht werden. Zur Bewertung machte IBM keine Angaben, das neue Unternehmen solle aber mit rund 4.600 Kunden und Aufträgen im Volumen von 60 Milliarden Dollar in den Büchern an den Start gehen.

Diese Entscheidung ist Teil des Plans, die konzerneigene Wachstumsstrategie für Hybrid Clouds zu voranzutreiben. „Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, zwei marktführende Unternehmen zu schaffen, die sich auf das konzentrieren, was sie am besten können“, bestätigt CEO Arvind Krishna und ergänzte, das Unternehmen werde sich auf seine offene Hybrid-Cloud-Plattform und KI-Fähigkeiten konzentrieren.

Die Aktionäre von IBM sollen die Anteile an der neuen Aktiengesellschaft erhalten, für die bislang noch kein Name gefunden ist. Die Abtrennung soll bis Ende 2021 abgeschlossen sein. Mit dem Schritt will sich IBM noch mehr auf das boomende Cloud-Geschäft mit IT-Diensten im Internet fokussieren. Die Aktien von IBM legten im vorbörslichen US-Handel zeitweise um mehr als zehn Prozent zu.

Der bereinigte Gewinn je Aktie werde bei 2,58 US-Dollar liegen und der Umsatz 17,6 Milliarden Dollar erreichen, teilte der IT-Konzern mit. Details nannte das US-Unternehmen nicht, dies soll wie geplant später diesen Monat geschehen. IBM sah sich zur Vorab-Veröffentlichung seiner Zahlen genötigt, weil das Unternehmen gleichzeitig die Abspaltung seiner Managed Infratructure Sparte ankündigte, um die Konzernstruktur zu vereinfachen.

Der Computer-Dino versucht schon seit Jahren, sich durch einen tiefgreifenden Konzernumbau hin zu neuen Geschäftsfeldern wachstumsstärker aufzustellen. Neben den Cloud-Services zählen dazu beispielsweise Datenanalyse und künstliche Intelligenz. Im traditionellen Hardware-Kerngeschäft mit Servern und Großrechnern schwächelt IBM. Bislang lief der Wandel aber nicht wie erhofft. Mit der Spartenaufspaltung will Konzernchef Arvind Krishna die Neuaufstellung beschleunigen. Er hatte den Spitzenposten im April erst übernommen und zuvor die Cloud-Sparte geleitet.

Dieser Schritt könnte gar das Ende einer Ära einläuten: Durch seinen 109 Jahre Firmengeschichte ist IBM das erste große IT-Unternehmen. Mit der Aufteilung trennt der Dino nun die Legacy-Aktivitäten vom deutlich lukrativeren Cloud-Business ab. Experten vermuten dahinter bereits den Beginn einer kompletten Zerschlagung des Tech-Giganten, denn das Geschäftsmodell hinter IBM ist eng verwoben mit den frühen Jahren der Digitalisierung, als Anwender noch am liebsten alle IT-Dienste aus einer Hand kaufen wollten. Ob dies das Ende von IBM, wie man es kennt, ist, bleibt dennoch abzuwarten. Schließlich arbeitet das Unternehmen auch mit Hochdruck an seinen Quantenprozessoren und scheint somit bereit zu sein, einmal mehr als „Rundumversorger“ in Erscheinung zu treten – dieses Mal in Sachen Cloud.

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