Frühwarnsystem „AlpeSense"

Pilotprojekt soll Naturkatastrophen besser vorhersagen

Im Rahmen des aktuellen Forschungsprojekts „AlpeSenseBench“ arbeitet der europäische Anbieter von 3D-Digitalisierung, 3D Realitymaps, gemeinsam mit der Technischen Universität München, der Ludwig-Maximilians-Universität und der Bayerischen Akademie der Wissenschaften daran, Naturkatstrophen mithilfe eines Frühwarnsystems besser vorhersagen zu können.

Pilotprojekt soll Naturkatastrophen besser vorhersagen

Das Forschungsteam erhofft sich von dem Pilotprojekt bessere Prognosen zu Naturkatastrophen wie z.B. Bergstürzen.

Immer häufiger werden die Alpen zum Schauplatz von Naturkatastrophen. Felsstürze, Steinschlag, Überflutungen, Lawinen- und Murenabgänge nehmen drastisch zu. Erst 2017 kam es im schweizerischen Graubünden zu einem verheerenden Felssturz, der acht Menschen das Leben kostete. Nun kündet ein gewaltiger Spalt am Gipfel des Hochvogels (2.592 m) an der deutsch-österreichischen Grenze einen massiven Bergsturz in den Allgäuer Alpen an. Das Forschungspojekt konzentriert sich nun darauf, solche Naturereignisse besser antizipieren zu können.

Die Untersuchungen finden in ausgewählten Gefahrenstellen in den Alpen statt, die allesamt dicht besiedelt und Tourismusregionen sind, denn das erklärte Ziel des aktuellen Pilotprojekts, an dem neben den Forschungseinrichtungen auch Verwaltungsbehörden aus Bayern und Österreich beteiligt sind, ist es, durch kontinuierliches Monitoring und Veränderungsanalysen potentielle Gefahrenstellen, die durch die Erderwärmung und den Anstieg der Permafrostgrenze entstehen, frühzeitig zu erkennen. Als Pilotregionen wurden der Hochvogel in den Allgäuer Alpen, die Zugspitze sowie der Hochvernagtferner in den Ötztaler Alpen und das Sattelkar im Salzburger Land ausgewählt.

Der Gipfelaufbau des Hochvogels bewegt sich stark. Dort klafft bereits ein gut 40 Meter langer, acht Meter tiefer und drei Meter breiter Spalt. Wissenschaftler der TU München (TUM) rechnen damit, dass in absehbarer Zeit ein großer Teil der südlichen Gipfelwand abbrechen und 260.000 Kubikmeter Fels über 1.000 Meter ins Tal stürzen werden – gefolgt von Staubwolken und Gerölllawinen. Durch eine genaue 3D-Vermessung des Gipfelaufbaus soll das Gefahrenpotential für die im Tal lebenden Menschen besser erfasst werden. Für Bergsteiger besteht schon jetzt Lebensgefahr. Einer der beliebten Wanderwege von der Tiroler Seite ist gesperrt, zwei andere sind noch begehbar. Das „AlpeSenseBench“-Team möchte präzise ermitteln, wann weitere Sicherheitsmaßnahmen eingeleitet werden müssen.

Prof. Dr. Florian Siegert, Gründer und Geschäftsführer von 3D Realitymaps erläutert das Fernerkundungsverfahren zur Früherkennung eines solchen Phänomens: „Der massive Spalt am Gipfel des Hochvogels ist ein unübersehbares Indiz für den drohenden Bergsturz. Die Spalte hat sich in den letzten drei Jahren um 30 cm erweitert und wächst täglich weiter. Durch wiederholte Befliegungen mit Flugzeugen und Drohnen erzeugen wir hochgenaue 3D-Modelle des Gipfels. Anhand der Veränderungen vermessen wir Bewegungen im gesamten Gipfelaufbau möglichst exakt. Gemeinsam mit den Geologen, die die Felsbewegungen mit hochsensitiven Sensoren vermessen, soll ein durch Fernerkundung gestütztes Frühwarnsystem entwickelt werden, mit dessen Hilfe wir hoffen, rechtzeitig im Voraus vor einem drohenden Absturz warnen zu können.“

Das „AlpeSenseBench“-Projekt ist eine Benchmark-Vorstudie, die vom Bayerischen Wirtschaftsministerium finanziert wird und im nächsten Jahr eine europäische Förderung anstrebt.

Bildquelle: 3D Realitymaps

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