Konzept von Datacenter One

Rechenzentren: In kurzer Zeit von 0 auf 100

Der Bau eines Rechenzentrums kann durchaus mehrere Jahre in Anspruch nehmen, was für Anwender, die kurzfristig eigene RZ-Ressourcen benötigen, zum Problem ­werden kann. Daher hat Datacenter One ein Konzept entwickelt, mit dem sich ein ­komplettes Datacenter innerhalb von sechs bis neun Monaten realisieren lässt, wie Geschäftsführer Wolfgang Kaufmann im Interview berichtet.

  • Beim Leverkusener Rechenzentrum LEV-1 betrug die Bauzeit sechs Monate.

    Beim Leverkusener Rechenzentrum LEV-1 betrug die Bauzeit sechs Monate.

  • Wolfgang Kaufmann, Datacenter One

    Wolfgang Kaufmann, Datacenter One

IT-DIRECTOR: Herr Kaufmann, mitunter dauert der Bau von Rechenzentren länger als ein Jahr. Ihr Unternehmen hingegen bietet die Möglichkeit, Rechenzentren innerhalb von sechs bis neun Monaten zu bauen. Welches Konzept verbirgt sich dahinter?
W. Kaufmann:
In der Regel dauert der Bau von Rechenzentren sogar zwei Jahre und mehr. Wir sind wesentlich schneller, weil wir detailliert vorplanen und in Modulen bauen. Außerdem haben wir stark standardisiert. Trotzdem können Kunden beispielsweise die Leistungsdichte bestimmen, Einzelverkabelung mit Unterverteilungen oder zentrale Stromschienen nutzen sowie Raumgröße und Sicherheitsausstattung an ihren Bedarf anpassen. Sie erhalten quasi ihr eigenes Rechenzentrum auf der von ihnen gemieteten Fläche. Dafür müssen wir nicht umbauen, sondern sind von vornherein auf individuelle Wünsche eingestellt. Außerdem können wir so schnell die Fläche erweitern.

IT-DIRECTOR: Wie lassen sich Rechenzentren energieeffizient betreiben?
W. Kaufmann:
Die meisten älteren Rechenzentren erreichen im Schnitt einen Energieeffizienzwert (PUE) von 2,3. Bei einer IT-Leistung von 10 kW und einem Preis von 15 Cent/kWh entstehen so allein durch den Betrieb der Server Stromkosten von rund 30.000 Euro im Jahr. Unsere Rechenzentren haben einen PUE-Wert von 1,3 und besser – damit fällt die Stromrechnung rund 13.000 Euro pro Jahr niedriger aus. Ermöglicht wird das etwa durch die adiabatische Kühlung. Sie macht sich zunutze, dass verdunstendes Wasser der Luft Wärme entzieht. Das Kühlsystem ist so effizient, dass das Datacenter bis zu Außentemperaturen von ca. 35 °C ohne mechanische Kühlung auskommt. Außerdem nutzen wir ausschließlich Ökostrom, was die Umweltbilanz zusätzlich verbessert.

IT-DIRECTOR: Inwiefern sind Ihre Rechenzentren sicherheitszertifiziert?
W. Kaufmann:
Wir haben unsere Rechenzentren von vornherein hochsicher ausgelegt und entsprechend zertifiziert: BSI-Grundschutz ISO 27001, TÜV-IT TSI (Trusted Site Infrastructure) Level 3 und EN 50600. Da sich die letzten beiden Prüfverfahren auf die physische Sicherheit konzentrieren, haben sie eine höhere Aussagekraft als die ISO-Zertifizierungen und sind deshalb für kritische Infrastrukturen oder die Finanzindustrie besonders interessant. Sie garantieren den 24/7-Zugriff mit höchster Verfügbarkeit.

IT-DIRECTOR: Für welche Einsatzzwecke eignet sich der Einsatz Ihrer Rechenzentren besonders?
W. Kaufmann:
Sie eignen sich für alle Unternehmen – und da sie hochsicher ausgelegt sind, auch für Banken und Versicherungen. Ab einem Bedarf von 500 m2 bauen wir am Wunschstandort. Das ist vor allem in zwei Fällen interessant: Erstens wenn Unternehmen ein Backup-Rechenzentrum suchen, denn dieses sollte nicht in unmittelbarer Nähe des Hauptrechenzentrums liegen, aber auch nicht weiter als 40 Kilometer entfernt. Sonst wird eine synchrone Datenspiegelung schwierig. Zweitens wird der Bau am Wunschstandort im Zusammenhang mit der Digitalisierung immer interessanter. Denn da die Datenmengen steigen, wächst der Bedarf nach Fläche abseits der Ballungszentren und in der Nähe der Produktion.

IT-DIRECTOR: Inwieweit lohnt sich der Einsatz im Rahmen von Edge Computing?
W. Kaufmann:
In Deutschland konzentrieren sich viele Rechenzentren in wenigen Städten. Für Firmen an anderen Standorten gestaltet es sich mitunter problematisch, wenn sie große Datenmengen verarbeiten müssen, Stichwort Sensordaten und Industrie 4.0. Denn die Latenzzeit steigt, je länger der Weg ist. Lange Latenzzeiten wiederum erschweren Echtzeitanalysen und -entscheidungen. Angesichts dessen ist es für die Verantwortlichen komfortabel, den Standort des Rechenzentrums selbst aussuchen zu können. Meiner Meinung nach ist den meisten Unternehmen heute noch nicht bewusst, dass sie ihre Rechenzentrumsstrategie im Rahmen von Industrie 4.0 komplett umstellen müssen.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 05/2018. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

IT-DIRECTOR: Können Sie uns ein Beispiel skizzieren?
W. Kaufmann:
Der Spatenstich für das Datenzentrum LEV-1 in Leverkusen mit 2.000 m2 Fläche erfolgte im Oktober 2016, die Inbetriebnahme fand im März 2017 statt. Insgesamt wurden dabei 26 Kilometer Niederspannungskabel, 44 Kilometer Schwachstrom- und Datenkabel, 18 Kilometer Glasfaserkabel und 350 Tonnen Stahl verbaut. Das Rechenzentrum haben wir als Backup für einen Kunden gebaut, der 500 m2 ­Fläche benötigte. Der Rest war auch sehr schnell belegt, sodass wir inzwischen bereits die Erweiterung planen.

Bildquelle: Datacenter One

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