Möglichkeiten werden überschätzt

„RPA ist kein Wundermittel“

Es besteht kein Zweifel, dass der RPA-Einsatz eine Lösung für die Optimierung von Routineabläufen sein kann. Doch vielfach werden die Möglichkeiten überschätzt, die RPA bietet, konstatiert Jörg Richter, Head of Solutions Sales Consulting bei ­Pegasystems, im Interview.

Jörg Richter, Head of ­Solutions Sales Consulting bei Pegasystems

Jörg Richter, Head of ­Solutions Sales Consulting bei Pegasystems

IT-DIRECTOR: Herr Richter, aktuell wird Robotic Process Automation (RPA) sehr gehypt und gilt für viele Unternehmen als „schnelle“ Lösung, um die Geschäftsprozesse zu optimieren. In welchen Bereichen hilft RPA tatsächlich?
J. Richter:
RPA ist ein hilfreiches Element, um einfache, sich häufig wiederholende Aufgaben vor allem im Zusammenspiel mit Altsystemen oder Dokumenten zu automatisieren. Allerdings wird RPA in seiner Wirkung jedoch häufig überschätzt und auch falsch eingesetzt.

IT-DIRECTOR: Welche Fehler machen Unternehmen oftmals beim Einsatz von RPA?
J. Richter:
Wir sehen zwei primäre Fehlerbereiche: Zum einen wird RPA oft als ein Werkzeug für die umfassende Unternehmensautomation gesehen. Nach der Implementierung folgt dann oft die Ernüchterung hinsichtlich der Fähigkeiten der Systeme und der erforderlichen Wartungsaufwände. Zum anderen wird RPA als ein „Quick Fix“ zur Aufwandsreduktion genutzt, ohne die Wertschöpfung eines Geschäftsprozesses im Blick zu behalten. In beiden Fällen bleiben die konsistente, ganzheitliche Nutzeranbindung oder die Kundeneinbindung auf der Strecke.

IT-DIRECTOR: Wie lässt sich RPA erfolgreich implementieren und einsetzen? Welche Schritte sind hierzu notwendig?
J. Richter:
Wir empfehlen unseren Kunden einen kundenzentrierten Ansatz, in dem Use Cases und Customer Journeys im Vordergrund stehen, die mittels agiler Entwicklungsmethodik in einer neuen Lösung umgesetzt und verfeinert werden. Über einen „Design Thinking“-Ansatz lässt sich vorgelagert die Strategie zur Digitalen Transformation konkretisieren. So können auch die Customer Journeys bzw. Use Cases mit dem größten Hebel gefunden werden.

IT-DIRECTOR: Mit welchem Aufwand ist die Implementierung verbunden?
J. Richter:
Innerhalb von neun bis zwölf Wochen lassen sich die ersten Use Cases in Form eines MLP, also eines Minimum Lovable Products, realisieren. Dabei erhält der Kunde eine reale Anwendung, die er produktiv einsetzen kann.

IT-DIRECTOR: Inwieweit lässt sich RPA als „Wundermittel“ bezeichnen?
J. Richter:
RPA wird häufig als „die“ Antwort auf alle Herausforderungen bei der Vereinfachung von Abläufen gesehen oder sogar mit der Digitalen Transformation gleichgesetzt. Beides trifft aus unserer Erfahrung nicht zu und Kundenprojekte sowie Analysten bekräftigen uns in dieser Einschätzung. Wir sehen RPA nicht als Wundermittel, sondern als einen Bestandteil in der Digital Process Automation und Intelligent Automation, um Bestandssysteme einzubinden und Routineaufgaben zu vereinfachen. Wir ermutigen unsere Kunden, RPA gleichwertig mit anderen IT-lastigen Werkzeugen wie Low Code Application Development, Case Management oder KI zu betrachten, um den maximalen Nutzen aus der Digitalisierung zu ziehen.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 11/2019. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

IT-DIRECTOR: Wird die Hype-Technologie auch noch in zehn Jahren relevant sein?
J. Richter:
RPA hat mit dem Fokus auf die Reduzierung von Arbeitszeit einen begrenzten Einfluss auf den Unternehmenserfolg. Man wird dies erkennen und lernen, RPA für die Kostenreduktion zu nutzen und als ein Element in der Digitalisierung einzusetzen. So wird RPA im natürlichen Technology Stack für Intelligent Automation aufgehen.

Bildquelle: Pegasystems

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