Ende der Doppelspitze

SAP-Co-Chefin Morgan hört auf

Die Corona-Krise setzt der Ära der ersten Frau an der Spitze eines Dax-Konzerns ein schnelles Ende. SAP-Co-Chefin Jennifer Morgan gibt ihren Posten nach gerade einmal sechs Monaten schon wieder ab.

  • Jennifer Morgan, Co-Vorstandsvorsitzende des Softwarekonzerns SAP

    Jennifer Morgan, Co-Vorstandsvorsitzende des Softwarekonzerns SAP, hört zum Ende des Monats auf. Foto: Uwe Anspach/dpa

  • Das Software-Haus SAP löst seine Doppelspitze auf. Künftig führt Christian Klein allein den Dax-Konzern. Foto: Uwe Anspach/dpa

    Das Software-Haus SAP löst seine Doppelspitze auf. Künftig führt Christian Klein allein den Dax-Konzern. Foto: Uwe Anspach/dpa

Vom 1. Mai an führt Christian Klein Europas größten Softwarehersteller als alleiniger Vorstandsvorsitzender, wie SAP in der Nacht zum Dienstag mitteilte. Der 39-Jährige war zusammen mit Morgan im vergangenen Herbst an die Spitze gerückt.

Morgans Abgang kommt ähnlich plötzlich und überraschend wie der ihres Vorgängers Bill McDermott. Der Aufstieg der US-Amerikanerin an die Spitze des nach Börsenwert wertvollsten deutschen Konzerns hatte weltweit Schlagzeilen gemacht. Zum Antritt des Duos Morgan/Klein rühmte SAP das Modell Doppelspitze damals als bestens bewährt und stellte die Lösung als Teil des langfristigen Nachfolgeplans dar, den der Aufsichtsrat unter Führung von Unternehmensgründer Hasso Plattner ausgearbeitet hatte.

Als praxistauglich hat sie sich dann allerdings ganz offensichtlich nicht erwiesen. „Mehr denn je verlangt die aktuelle Situation von Unternehmen schnelles, entschlossenes Handeln und eine klare, hierbei unterstützende Führungsstruktur“, machte der Konzern deutlich.

„Der Grund war der Ausbruch der Krise“, sagte Klein am Dienstagmorgen in einer Telefonkonferenz. Morgan und er seien sich einig gewesen, dass die Doppelspitze nicht geeignet gewesen sei, um so schnell, klar und direkt auf die Auswirkungen der Coronavirus-Krise zu reagieren und Entscheidungen zu treffen, wie es derzeit erforderlich sei. Probleme zwischen ihnen habe es nicht gegeben, betonte Klein. „Das war keine persönliche Sache“, sagte er.

Morgan selbst nahm nicht an der Schalte teil. Auch in der ebenfalls am Dienstag versandten Mitteilung zu den Quartalsergebnissen taucht neben Finanzchef Luka Mucic schon nur noch Klein mit einem Statement auf. In der Mitteilung zu ihrem Weggang nennt Morgan ihre Zeit bei SAP ein „großes Privileg“. „Angesichts des beispiellosen Wandels in der Welt ist jetzt der richtige Zeitpunkt, zu einem CEO für das Unternehmen zurückzukehren“, betont sie zudem.

Klein steht nun allein vor der Aufgabe, SAP durch die Corona-Krise zu führen und zugleich all die übrigen Baustellen abzuarbeiten, die aus der Ära McDermott geblieben sind. Der hatte den Konzern vor allem mit milliardenschweren Zukäufen vergrößert - viele verschiedene Teile, die zu einem großen Ganzen geformt werden wollen. Nach einem teuren Personalumbau im vergangenen Jahr hatte SAP im Februar dann auch seine Führungsriege neu sortiert und damit auch auf Kritik von Kunden reagiert, die sich über eine mangelnde Verschränkung der vielen verschiedenen Programme beklagt hatten.

An der Strategie, vom reinen Softwareanbieter zu einer Art Komplett-Dienstleister mit starkem Fokus auf Cloud-Angebote zu werden, hält Klein fest. Programme und Daten liegen dabei nicht mehr auf den Computern der Kunden, sondern beispielsweise auf einer von SAP zur Verfügung gestellten Plattform. Der Vorteil daran ist aus SAP-Sicht, dass sich der Umsatz aus diesen Geschäften gleichmäßiger verteilt und besser vorhersehbar ist.

Trotz aller Schwierigkeiten, die Corona schon mit sich bringt, hat SAP im ersten Quartal einen deutlichen Gewinn eingefahren: 811 Millionen Euro. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres war erstmals seit fast 17 Jahren ein Quartalsverlust in Höhe von 108 Millionen Euro angefallen, weil SAP viel Geld in den Personalumbau gesteckt hatte. Auch die aktienbasierte Mitarbeitervergütung fiel dieses Mal deutlich schwächer ins Gewicht, weil der Aktienkurs nicht mehr so stark zugelegt hat. Viele Mitarbeiter bei SAP werden auch gemäß steigender Kurse der eigenen Aktie vergütet.

Die Prognose für dieses Jahr hatte SAP bereits vor knapp zwei Wochen zusammenstreichen müssen. Der Umsatz war im ersten Quartal zwar noch um 7 Prozent auf 6,5 Milliarden Euro gestiegen, gegen Ende hatte der Konzern aber schon die Auswirkungen der Krise zu spüren bekommen. Eine bedeutende Zahl von Neuabschlüssen sei verschoben worden, was sich vor allem in einem erheblichen Rückgang der Erlöse aus dem Verkauf von Softwarelizenzen widergespiegelt habe, hieß es.

Für das gesamte Jahr 2020 rechnet SAP nun mit einem Umsatz in der Größenordnung von 27,8 bis 28,5 Milliarden Euro und einem Ergebnis vor Zinsen und Steuern von 8,1 bis 8,7 Milliarden Euro.

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