Programm „Liquid“

Tausende Entlassungen bei IBM 2016?

Hinter dem vielsagenden Titel „Liquid“ sollen sich radikale Stellenkürzungen bei IBM verbergen. Update 25. 11. 2015: Wie Verdi heute mitteilt, wurde in den Tarifverhandlungen mit IBM Deutschland eine Einigung erzielt.

IBM will wohl in den kommenden Jahren in Deutschland Tausende Arbeitsplätze abbauen. Es geht um 3.000 Stellen so die Wirtschaftswoche. Unter Berufung auf Bert Stach, bei Verdi zuständig für IBM und Mitglied des Aufsichtsrats von IBM Deutschland heißt es: „2.500 davon scheinen den Planungen zufolge bereits relativ fix zu sein.“

Das Handelsblatt spekuliert, es gehe um bis zu 6.800, möglicherweise sogar bis zu 8.000 Stellen. Diese Gerüchte sind nicht neu, sondern kursieren schon seit Jahren. Wie immer fragt sich auch diesmal, wer die Gerüchteküche anheizt - und warum. Ein Zusammenhang könnte mit den laufenden Tarifverhandlungen bestehen, da Verdi bei den Gerüchten eine aktive Rolle spielt. IBM selbst hält sich wie bei Gerüchten üblich bedeckt; schon als das Handelsblatt im Februar 2012 über 8.000 Entlassungen bei IBM spekulierte, dauerte es einen Monat, bis IBM-Chefin Martina Koederitz dementierte.

Damals schrieben wir: „In Deutschland muss doch nicht jeder zweite IBM-Mitarbeiter um seine Stelle fürchten, vorerst jedenfalls.“ Jetzt scheint es  3.000 IBM-Mitarbeiter zu treffen, das wären etwa 18 Prozent der 16.500 Köpfe starken deutschen Belegschaft. Noch 2009 waren es 21.100 Mitarbeiter, rechnet Heise vor. Diesmal sollen die Stellen in der Beratungssparte Global Business Solutions sowie der Outsourcingsparte Global Technology Solutions wegfallen, falls Stach recht hat. Unklar bleibt auch, wie die Pläne dann umgesetzt würden – ob sozialverträglich oder durch betriebsbedingte Kündigungen.

Update 25. 11. 2015: Wie Verdi heute mitteilt, wurde in den Tarifverhandlungen mit IBM Deutschland eine Einigung erzielt. Demnach werden die Gehälter der Tarifbeschäftigten vom 1. Januar an um 2,1 Prozent angehoben. Die Vertragslaufzeit betrage elf Monate. Die Gewerkschaft spricht von einem "durchaus positiven" Verhandlungsergebnis. Obwohl die wirtschaftliche Lage des Konzern schwierig sei, würden die Tarifgehälter unter Berücksichtigung der Inflation so stark angehoben wie seit vielen Jahren nicht mehr.

Weiter schreibt die Gewerkschaft: "Die Tarifrunden der nächsten Jahre werden aller Voraussicht nach in einem immer kritischer werdenden Marktumfeld der IBM zunehmend schwierig. Gleichzeitig werden die Auswirkungen einer verfehlten Schwerpunktlegung auf Finanzkosmetik statt auf Innovationen spürbar werden - die Corporation hat in den vergangenen fünfzehn Jahren fast 150 Mrd. Dollar für Aktienrückkäufe und Dividenden ausgegeben, die nicht für Forschung und Entwicklung zur Verfügung standen beziehungsweise stehen."

Man darf gespannt sein, wie sich das auf die Belegschaft in Deutschland auswirkt. Auch in USA ist der Stellenabbau so dramatisch, dass die stolze "Big Blue" von einst heute spöttisch "Medium Blue" genannt wird. Beschäftigte IBM USA nach Gewerkschaftsangaben im Jahr 1986 noch 237.000 Mitarbeiter, waren es am 1. Juli diesen Jahres nur noch 70.600.

Die Statistik verrät auch ein anderes aufschlussreiches Detail: Von den 75.622 Personen, die am 1. März 2015 noch für IBM USA arbeiteten, waren 13.782 Manager. Also nicht operativ, sondern nur administrativ tätig. Fertigung, Forschung und Entwicklung, aber auch Service oder interne Aufgaben wie Buchhaltung werden in "Billiglohnländer" verlagert.

Neues IBM-Personal eingestellt wird – wenn überhaupt – vorwiegend in Asien, Indien, Lateinamerika. Demzufolge dürfte die tarifvertragliche Vereinbarung zur Einstellung von 70 bis 90 Dual- und 100 bis 140 Master-Studierenden in Deutschland nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein.

Bildquelle: Thinkstock

©2019Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok