Moderne Rechenzentren

Treibstoff für die Digitalisierung

Moderne Rechenzentren mit ihren IT-Ressourcen sind laut Florian Sippel von Noris Network der Treibstoff, ohne den eine digitalisierte Wirtschaft nicht laufen kann.

Florian Sippel, Noris Network

Florian Sippel, Executive Vice President bei Noris Network

IT-DIRECTOR: Herr Sippel, welche Rolle spielen Rechenzentren im Rahmen der digitalen Transformation? Was macht sie zum „Treiber“ der Digitalisierung?
F. Sippel:
Moderne Rechenzentren mit ihren IT-Ressourcen sind der Treibstoff, ohne den eine digitalisierte Wirtschaft nicht laufen kann. Mit Servern, Speichern und Anbindungen stellen Rechenzentren die für die Digitalisierung von Kommunikation und Produktionsprozessen erforderliche Infrastruktur.

IT-DIRECTOR: Welche neuen Anforderungen ergeben sich im Zuge der zunehmenden Digitalisierung für die Infrastrukturen in Rechenzentren?
F. Sippel:
Neben wachsenden Kapazitäten stellt die Digitalisierung dramatisch wachsende Anforderungen an die IT-Sicherheit und das Rechtemanagement. Künftig liegen in den Datenbanken ja nicht ein paar aggregierte Wirtschaftsdaten, sondern die Digitalen Zwillinge von Produkten und Prozessen – und diese unternehmenskritischen Daten sind über das Internet vernetzt. Neben dem Schutz von personengebundenen Daten wächst der Bedarf, die Unternehmen vor Wirtschaftsspionage zu schützen. Das zweite große Thema ist die Flexibilität bei der Skalierung von Infrastrukturen und bei der Vernetzung von Systemen und Daten.

IT-DIRECTOR: Wie sehen Sie die Datacenter hierzulande aufgestellt? Inwieweit kann die Digitalisierung mit den vorhandenen RZ-Ressourcen abgefedert werden?
F. Sippel:
In Deutschland herrscht kein Überfluss an IT-Flächen, aber insgesamt sehen wir eine gesunde Struktur und ausreichend Kapazitäten, auch weil hier alle großen internationalen Anbieter und einige lokale Spezialisten Rechenzentrumsflächen auf hohem Niveau anbieten. Wichtig in meinen Augen: Die Sensibilität in Deutschland in puncto Qualität und Datenschutz wird sich langfristig als Standortvorteil erweisen, wenn immer mehr kritische Prozess- und Produktdaten ins Netz wandern. Hier wird vielfach schon gelebt, was in anderen Ländern erst noch etabliert werden muss.

IT-DIRECTOR: Apropos Ressourcen: Sollten im Zuge der Digitalisierung immer mehr Rechenzentren entstehen, wird gleichzeitig mehr Energie für deren Betrieb benötigt. Hinzu kommen neue, recht energieintensive Technologien wie die Blockchain oder E-Mobility. Wie kann für Rechenzentren in Deutschland dennoch eine ausreichende Energieversorgung gewährleistet werden?
F. Sippel:
Engpässe sehe ich nicht. Anders als viele Laien glauben, sind Rechenzentren recht angenehme Verbraucher, die die Energiewende und den Trend zur dezentralen Energieerzeugung eher unterstützen. Grundsätzlich ist der Energieverbrauch in einem modernen Rechenzentrum recht stabil. Kurzfristig können Rechenzentren aber auch positive oder negative Regelenergie erzeugen – beispielsweise können kurze Lastspitzen im Stromnetz über den Batterie- oder Notstromdieselbetrieb gepuffert werden oder überschüssiger Strom kann über eine verstärkte Abkühlung der IT-Fläche abgeführt werden. Das ließe sich in Kooperation mit den Energieversorgern auch ausbauen. Zudem ließen sich Preisanreize setzen, um IT-Ressourcen verstärkt zu Zeiten mit hohem Stromangebot zu nutzen. Viele IT-Prozesse lassen sich ja zeitlich gut verteilen.

IT-DIRECTOR: An welchen Stellschrauben sollten die RZ-Verantwortlichen aktuell drehen, um ihre Rechenzentren kostengünstig und zukunftssicher zu gestalten?
F. Sippel:
Die Stellschraube Datensicherheit und Zertifizierungen hatte ich bereits erwähnt. Die zweite Stellschraube ist sicherlich die Konsolidierung der IT, um Effizienzsteigerungen zu erreichen. Schon in den letzten Jahren haben große Unternehmen das Thema Industrialisierung der IT vorangetrieben. Sie setzen verstärkt auf wenige, größere Rechenzentren, in denen immer stärker automatisierte Prozesse auf virtualisierten Systeme und standardisierten Komponenten und Anwendungen laufen. Oder sie machen Anwendungen cloud-ready – wo dies technisch und wirtschaftlich möglich ist. Dieser Trend wird sich fortsetzen und auch kleinere Unternehmen erfassen.

©2019Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok