Diskursiver Ansatz gefordert

Viele offene Fragen zur digitalen Ethik

Deutschland brauche einen diskursiven Ansatz zu Fragen digitaler Ethik, fordert der Internetverband Eco und präsentiert dazu das neue, 60 Seiten starke Kompendium „Digitale Ethik“.

Mehrere Roboter stehen nebeneinander

Wie sollten Fragen rund um den Umgang mit Künstlicher Intelligenz künftig geregelt werden?

Im Rahmen der Digitalisierung birgt der Einsatz von Algorithmen und Künstlicher Intelligenz (KI) sowie der Umgang mit Daten große Potentiale, beispielsweise im Bereich des Internet der Dinge. Gleichzeitig stellen sich aber auch zahlreiche ethische und rechtliche Fragen. „Wir nehmen diese Fragestellungen als Verband sehr ernst und sind der Auffassung, dass ethische Normen, Handlungsleitlinien und letztlich rechtliche Rahmenbedingungen für die Entwicklung und den Einsatz digitaler Technologien nicht einfach von staatlicher Seite festgelegt werden sollten, sondern im engen Schulterschluss zwischen Unternehmen, Politik und Zivilgesellschaft entwickelt werden müssen“, betont Oliver J. Süme, Vorstandvorsitzender beim Internetverband Eco. Deutschland brauche einen diskursiven Ansatz zu Fragen digitaler Ethik.

Einen Beitrag zu diesem Diskurs möchte der Verband mit seinem jüngst erschienenen „Kompendium Digitale Ethik“ leisten, das aktuelle Expertenmeinungen und Fachbeiträge zu verschiedenen Fragen im Zusammenhang mit digitaler Ethik, beispielsweise mit Blick auf Staat und Rahmenbedingungen, Arbeit, IT-Sicherheit oder Bildung enthält.

Ulrich Kelber, neuer Bundesbeauftragter für den Datenschutz und Informationsfreiheit, begrüßt dieses Dialogangebot der Internetwirtschaft und bedauert gleichzeitig, dass der Datenschutz in letzter Zeit immer wieder als Wirtschaftshemmnis dargestellt wurde: „Die informationelle Selbstbestimmung und der Datenschutz werden in einer zunehmend vernetzten und digitalisierten Welt immer wichtiger. Wir alle – also Aufsichtsbehörden, Unternehmen, Bürger und der Staat – müssen für einen positiv besetzten Datenschutzbegriff kämpfen und diesen auch authentisch leben“, sagt Kelber. „Datenschutz ist kein Hemmschuh für Innovationen. Er fördert diese sogar, wenn die Nutzer Vertrauen in die Sicherheit neuer Technologien haben. Wenn Wirtschaft und Politik dies im Blick haben, könnten datenschutzfreundliche Produkte und Dienstleistungen aus Deutschland zu einem weltweiten Benchmark werden.“

Eco hebt hervor, dass zahlreiche Unternehmen bereits Verantwortung für ethische Herausforderungen im Zusammenhang mit der digitalen Transformation übernehmen und etwa im Rahmen von Selbstverpflichtungsinitiativen zur Einhaltung ethischer Normen beitragen. Ein Beispiel sei hier die hauseigene Beschwerdestelle zur Bekämpfung unerwünschter und illegaler Internetinhalte.

Die Notwendigkeit neuer Gesetze zur Durchsetzung ethischer Standards im Bereich Digitalisierung sieht Süme hingegen nur in wenigen Einzelfällen: „Das Internet ist schon heute kein rechtsfreier Raum – obwohl Kritiker dies immer wieder gerne verkünden. Gerade in Deutschland haben wir für viele Konfliktfälle in der digitalen Welt bereits entsprechende Gesetzgebung aus der analogen Welt, die hier nur angewendet werden muss. Ich bin daher davon überzeugt: Wir brauchen keine Flut neuer rechtlicher Rahmenbedingungen und Regulierungen, sondern müssen unsere bestehende Rechtskultur auf die neuen Technologien anpassen und anwenden.“

Bildquelle: Thinkstock/iStock

©2019Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok