Einführung von SAP S/4 Hana

Vor der Migration ausmisten

Warum S/4-Hana-Projekte nicht als reine IT-Angelegenheit (miss-)verstanden werden sollten, erläutert Michael Straub von Fujitsu im Interview.

Michael Straub, Fujitsu

Michael Straub, Head of SAP Portfolio and Strategy Central Europe bei Fujitsu

IT-DIRECTOR: Herr Straub, welche S/4-Hana-Projekte sind bei grö-ßeren Firmen derzeit in der Planung und welche bereits konkret in der Umsetzung?
M. Straub:
Die große Mehrzahl der Unternehmen, die S/4 Hana derzeit einführen oder dies planen, machen dies, um bereits bestehende SAP-Installationen abzulösen. In der Regel nutzen sie diesen Schritt zugleich, um auch Prozessanpassungen vorzunehmen. Bei den Kunden von uns, die eine komplette Neueinführung von SAP auf Basis von S/4 Hana vornehmen, ist der Auslöser für ein solches Projekt häufig eine Veränderung der Unternehmensstruktur – etwa bei der Auslösung eines Geschäftsbereichs (Spin-off).

IT-DIRECTOR: Worauf sollten Anwenderunternehmen bei der Migra-tion von SAP-Altsystemen auf S/4 Hana besonders achten?
M. Straub:
Mehrere Knackpunkte sind hier hervorzuheben: Erstens sollte ein solches Projekt niemals als reine IT-Angelegenheit (miss-)verstanden werden. Zweitens sollten – wenn nicht im eigenen Haus vorhanden – erfahrene Berater hinzugezogen werden, da Unternehmen die Komplexität und den tatsächlichen Zeitbedarf häufig unterschätzen. Unternehmen, die bereits SAP einsetzen, sollten zudem bereits im Vorfeld „ausmisten“ und die Migration nutzen, um auf Standards zu setzen.

IT-DIRECTOR: Wie läuft derzeit Ihrer Einschätzung nach das Neu-kundengeschäft rund um S/4 Hana? Aus welchen Gründen zögern Anwenderunternehmen einen Umstieg auf S/4 Hana (noch) hinaus?
M. Straub:
Wir verzeichnen eine rege Nachfrage nach S/4-Hana-Projekten. Bei Neueinführungen gibt es faktische keine Unternehmen, die noch auf ältere Versionen setzen. Viele SAP-Bestandskunden scheuen jedoch den „Schritt ins Unbekannte“ und setzen derzeit intensiv auf Vorstudien und Evaluierungsprojekte, um gut vorbereitet eine Migration in Angriff zu nehmen.

IT-DIRECTOR: Cloud- oder On-Premise-Installation: Welche S/4-Hana-Betriebsmodelle werden bevorzugt? Welche Gründe sprechen jeweils dafür?
M. Straub:
Kurz zusammengefasst: Je komplexer bestehende SAP-Installationen sind, desto stärker ist die Tendenz, weiterhin auf eigene Infrastrukturen zu setzen. Je kleiner und je weniger „vorbelastet“ Unternehmen sind desto stärker der Trend zur Cloud. Wobei man hier differenzieren muss: Für die wenigsten Firmen ist SAP aus der Public Cloud eine akzeptable Variante. Dagegen verzeichnen wir eine sehr starke Nachfrage – insbesondere aus dem Mittelstand – nach dem Betrieb und dem Application Management dedizierter Systeme aus unseren deutschen Rechenzentren heraus.

IT-DIRECTOR: Was sind gemäß Ihrer Projekterfahrung die häufigs-ten Stolpersteine bei der Einführung von S/4 Hana?
M. Straub:
Der häufigste Fehler wurde bereits genannt: Eine solches Projekt sollte niemals als reines IT-Projekt aufgefasst werden. Vielmehr sollte die Bereitschaft bestehen, in diesem Kontext Prozesse zu überprüfen, zu optimieren und – wo möglich – an Standards anzupassen. Auch Fragen wie die der künftigen Benutzeroberfläche (bisherige GUI, Fiori oder beide Varianten in einem auf die Anwenderanforderungen zugeschnittenen hybriden Ansatz) sollten rechtzeitig geklärt werden.

IT-DIRECTOR: Inwieweit lässt sich ein Trend hinsichtlich der Kun-denbasis erkennen?
M. Straub:
Während sich bislang primär größere Unternehmen mit S/4 Hana befasst haben, verzeichnen wir mittlerweile eine massiv wachsende Nachfrage bei mittelständischen Betrieben quer über alle Branchen hinweg.

IT-DIRECTOR: Wie ist es im IT-Dienstleistungsbereich um S/4-Hana-Spezialisten bestellt? Und welche SAP-Experten werden gene-rell derzeit verstärkt gesucht?
M. Straub:
Salopp formuliert, sind SAP-Experten eigentlich immer gefragt – auch von Fujitsu. Dies gilt insbesondere für Spezialisten, die neben der SAP-Expertise auch Branchen-Know-how mitbringen. Daneben sind besonders gefragte Bereiche die Frontend- und Web-Entwicklung sowie Analytics-Kompetenzen.

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