Mega-Übernahme

Was will Microsoft mit Linkedin?

Microsoft-Chef Satya Nadella wagt die größte Übernahme in der Geschichte des IT-Riesen. Warum?

Die Übernahme sei ein Schlüssel für die große Aufgabe, Produktivität und Geschäftsprozesse neu zu erfinden, so Microsoft-Chef Satya Nadella.

Gerade eben erst hat Microsoft die Reste der Nokia-Übernahme zu Grabe getragen, da überrascht der IT-Riese frech am Tag der großen WWDC-Konferenz des Konkurrenten Apple mit der Nachricht, das Karrierenetzwerk Linkedin zu übernehmen.

Warum? Zum einen geht es natürlich um Daten, das neue Öl des 21. Jahrhunderts: Für den Preis von deutlich über 20 Milliarden Dollar bekommt Microsoft sofortigen Zugang zu gut 430 Millionen Mitgliedern des Karrierenetzwerks Linkedin, eine Schatztruhe an Daten über Arbeitnehmer und Jobs.

Diese Daten sind insbesondere für die Dynamics-CRM-Lösungen von Microsoft eine sinnvolle Ergänzung und könnten gegen Konkurrenten wie Salesforce oder SAP ein echtes Alleinstellungsmerkmal sein. Übrigens: Salesforce wollte wohl auch Linkedin kaufen.

Zum anderen, geht es beiden Unternehmen um die Grundlagen der Zusammenarbeit in der modernen Geschäftswelt: Der weltgrößte Software-Anbieter mit allein 1,2 Milliarden Nutzern der Office-Büroprogramme und die global führende berufliche Plattform schließen sich zusammen.

Microsoft-Chef Nadella fährt seit seinem Amtsantritt vor über zwei Jahren eine neue und geschickte Strategie: Dienste statt Kauf-Software, Online-Cloud statt lokaler Computer - und Microsoft-Dienste überall, wo man sie brauchen könnte. Auch auf Android- und Apple-Geräten. Lesen Sie dazu: Der Kulturwandel bei Microsoft.

Die Übernahme sei ein Schlüssel für die große Aufgabe, Produktivität und Geschäftsprozesse neu zu erfinden, sagte Nadella. Er hatte von Anfang an die Cloud-Dienste in das einst starre Geflecht von Microsofts Office-Paketen eingewoben und damit die Verbesserung der unternehmensinternen Zusammenarbeit auf die Fahnen geschrieben.

Mit Linkedin kommt der Gedanke zunächst theoretisch auf eine neue Ebene – Microsoft will die Bürowelt vernetzen. In der Praxis muss der IT-Riese noch beweisen, wie sinnvoll dafür die Linkedin-Übernahme sein wird.

Lesetipp: Here’s what the Microsoft CEO and the LinkedIn CEO are telling their staffs about the acquisition

Linkedin soll auch nach der Übernahme seine Eigenständigkeit unter der eigenen Marke weitgehend behalten. Das hat seinen Grund. Während Nutzer berufliche Profile mit ihren Informationen bei Linkedin anlegen, kann die Auswertung ihrer Daten massiv bei der Personalsuche helfen. Das ist das Geschäftsmodell des Netzwerks, das sich nicht wirklich damit überschneidet, wie Microsoft sein Geld verdient.

Microsoft erwirbt den Zugang zu Unternehmen, die bei Linkedin aktiv sind – es gibt immerhin neun Millionen Firmenseiten in dem Karrierenetzwerk. Gemeinsam könne nun ein Markt im Wert von 315 Milliarden Dollar adressiert werden, heißt es seitens der neuen Partner. Es bleibt abzuwarten was dabei herauskommt. Hoffentlich mehr als Rabattaktionen für Linkedin-Kunden.

Denn: Arbeiten mit oder kennen nicht die meisten dieser Unternehmen bereits die Microsoft-Produkte? Und wie zufrieden sind sie damit? Hier liegt die eigentliche Herausforderung für Microsoft.

Sicherlich haben die Partner auch die sinnvolle Integration von Software und Services im Visier. Doch diese sinnvolle Erweiterung, Ergänzung und Zusammenarbeit mit Linkedin (im Sinne der Nutzer!) wird eine schwierige Herausforderung für Microsoft.

Die eher durchwachsenen Übernahmen von Skype, Yammer und Nokia stimmen skeptisch. Aber es ist die erste große Übernahme, für die Nadella verantwortlich zeichnet, der bisher geschickt agiert.

Microsoft versuchte nämlich bereits vor Nadellas Antritt, seine Marktpräsenz mit einem Netzwerk auszubauen. 2012 übernahm das Unternehmen die auf Kommunikation in Unternehmen ausgerichteten Messenger-Pattform Yammer für 1,2 Milliarden Dollar. Yammer soll der besseren Zusammenarbeit und vertraulichen Kommunikation dienen. So können sich nur Mitglieder aus der gleichen E-Mail-Domain untereinander vernetzen.

Nach Angaben von Microsoft ist Yammer aktuell bei 85 Prozent der «Fortune 500»-Unternehmen im Einsatz. In Deutschland konnte der Dienst nicht so recht Fuß fassen, allerdings gibt es interessante und erfolgreiche Anwenderbeispiel wie beim Mittelständler Weleda. 

Microsoft muss im Bereich der Social Collaboration kämpfen: Junge Rivalen wie Slack gewinnen schnell an Popularität. Auch das neue Tool Planner von Microsoft ist der Versuch, der erfolgreichen Plattform Trello ein hauseigenes Werkzeug entgegenzusetzen.

Genauso brachte auch die Milliarden-Übernahme Skype im Jahr 2011 durch Microsoft trotz der Popularität des Dienstes bei Verbrauchern keine Dominanz bei Videokonferenzen in Unternehmen.

(mit Material von Andrej Sokolow und Renate Grimming, dpa)

Bildquelle: Microsoft

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