Daten teilen, Vorteile erschließen

Wie Datenmarktplätze die Datenökonomie treiben

Maschinen verfügbar halten, Ausfälle schon Tage im Voraus erkennen und ­Produktionsanlagen verbessern – Services wie diese werden datenbasiert möglich, wenn Informationen übergreifend fließen: wie Datenmarktplätze die Datenökonomie treiben.

Verschiedene Studien zeigen, dass die Bereitschaft zur neuen Datenökonomie durchaus vorhanden ist.

Verschiedene Studien zeigen, dass die Bereitschaft zur neuen Datenökonomie durchaus vorhanden ist.

Glück ist das Einzige, was sich vermehrt, wenn man es teilt, sagt das Sprichwort. Das gilt gewissermaßen auch für Datenmarktplätze. Warum? Auch wer Daten teilt, erschließt Vorteile für alle, die dabei mitmachen. Beispiel Wartung von Spritzgießsystemen: Möchte eine Fabrik ihre Anlagen vorausschauend warten und dazu die Daten ihrer Maschinen verarbeiten, analysiert sie die Sensorströme aus der laufenden Produktion. Sind nur wenige Spritzgießmaschinen im Betrieb, erschwert das die Arbeit für die intelligenten Algorithmen. Die Folge: Die Prognosen werden ungenau.

Um Ausfälle präziser vorausberechnen zu können, sind mehr Daten nötig, als ein einzelnes Unternehmen mit seinen Maschinen selbst erzeugen kann. Die Lösung könnte sein: Alle Fabriken, die Spritzgießsysteme einsetzen, teilen ihre Anlagendaten auf einem Marktplatz. Jeder, der mitmacht, profitiert von präziseren Algorithmen, besseren Vorhersagen und effektiver gewarteten Spritzgießanlagen.

Was sich in der Praxis bewährt, stößt häufig an die Grenzen von Herstellerinteressen. Denn: Betreiben Unternehmen ihre eigenen Datenmarktplätze für ihre Kunden, entpuppen sich diese oft als Inseln – und nicht als offene Marktplätze. Was dem übergreifenden Austausch im Weg steht, sind Wettbewerbskonflikte und Vertraulichkeiten. Zu Recht sorgen sich Hersteller darum, wer ihre Maschinendaten mitlesen kann. Die Lösung: Neutrale Datenmarktplätze treten dem entgegen, indem sie sich als unabhängige Vermittlungsstelle präsentieren: Sie bieten die Informationen aus unterschiedlichen Datenpools anonymisiert an. Das soll die Datenökonomie in Fahrt bringen. Denn bislang wird noch kaum mit Daten gehandelt. Häufig unterschätzen die Unternehmen das Potential, das in ihren Daten steckt und für andere von großem Interesse sein kann. Wer dabei nur nach den Anwendungsfällen in der eigenen Firma sucht, der verpasst Chancen. Die Wachstumshebel lassen sich vielmehr gerade dann ansetzen, wenn Informationen branchenübergreifend fließen.

Ein Beispiel findet man bei der Energieversorgung: Hochspannungsleitungen mögen gleichmäßige Stromproduktion. Unregelmäßig verfügbarer grüner Strom aus Sonne und Wind macht dem Netzbetreiber Tennet daher das Leben schwer. Pro Jahr investiert der niederländische Konzern einen zweistelligen Millionenbetrag allein im Photovoltaikbereich, um Ungenauigkeiten in den Wetterprognosen manuell adhoc auszugleichen. Damit die Vorhersagen genauer und Netzeingriffe von Hand weniger werden, kooperiert Tennet mit Volkswagen. Die Pkw des Herstellers sammeln auf ihren Fahrten jede Menge Wetterinformationen. Daten, mit denen hoch regionalisierte Vorhersagen möglich sind, um Solarstromprognosen zu verbessern.

Quellen, Preise und Raffinierungsmöglichkeiten


Ein Szenario, das keine Zukunftsmusik mehr ist. Und eine Situation, die der Entdeckung des Erdöls gleicht: Auch mit dem braunen, wässrigen Gemisch wusste zuerst niemand etwas anzufangen. Was Daten als Rohstoff betrifft, sollen Datenmarktplätze hier schneller die Erleuchtung bringen. So können Angebote wie der Data Intelligence Hub (DIH) der Telekom eine Marktübersicht über verfügbare Quellen, Preise und Raffinierungsmöglichkeiten bieten. Dabei lassen sich nicht nur Rohdaten auf der Plattform handeln, sondern auch speziell vorbereitete Aggregate und intelligente Dienste selbst: Tools, um Daten aufzubereiten, zu explorieren und Modelle zu entwickeln, gehören genauso zum Angebot wie Entwicklungsumgebungen und Analyseservices von Dritten, die sich direkt nutzen lassen.

Auch die Smart City wird auf diese Weise lebendig: Dafür sorgen die Informationsmarktplätze und das „Open-Data-Gesetz“. Im Jahr 2017 verabschiedet, schafft es die rechtliche Grundlage, um die Digitalisierung in Städten und Verwaltungen voranzutreiben. Die Regelung erlaubt es etwa Dritten, auf städtische Rohdaten zugreifen dürfen, um intelligente Services zu realisieren. Damit lassen sich Ankunftszeiten im ÖPNV auf Basis von Live-Informationen prognostizieren. Autofahrer kommen mit individuellen Fahrtrouten schneller an ihre Ziele. Und Leihfahrräder stehen genau da, wo der Bedarf am größten ist. Die Stadt Bonn setzt bereits auf das Angebot der Telekom. Sie bietet Dritten ihre Daten frei zugänglich über den Marktplatz an.

Garantierte Datensouveränität


Verschiedene Studien zeigen, dass die Bereitschaft zur neuen Datenökonomie durchaus vorhanden ist. Laut dem Beratungsunternehmen PricewaterhouseCoopers (PwC) teilen drei von vier mittleren und großen Unternehmen in Deutschland Daten mit Kunden und Geschäftspartnern. Gleichzeitig sorgt sich mehr als die Hälfte der Befragten, dass sie beim Austausch die Souveränität über sensible, unternehmensinterne Daten verlieren oder gar Geschäfts­geheimnisse preisgeben könnten. Als Datenmarktplatz erfüllt ­beispielsweise der Data In­telligence Hub nun die von der International Data Spaces Association (IDSA) erarbeiteten Grundsätze und garantiert damit Sicherheitsstandards für den Datenaustausch.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 4/2019. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Die Plattform wickelt den Datenverkehr unmittelbar und ausschließlich zwischen den Lieferanten und den Abnehmern ab – per Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und in Echtzeit. Die Daten werden weder extern noch zentral gespeichert. Bei jeder Datentransaktion ist rechtssicher dokumentiert und festgelegt, wer was mit welchen Daten und in welchem Zeitraum machen darf. Wer seine Informationen auf einer solchen Plattform teilt, profitiert am Ende nicht nur selbst, sondern bestimmt Nutzungsregeln und behält seine Datensouveränität.


Wartung 4.0: Wie die Daten­ökonomie gelingt

Wer Daten auf einem Marktplatz mit anderen austauscht und analysiert, erhält mehr zurück: Bleiben Maschinen verfügbar, steigern Fabriken ihre Produktivität. Nutzen Betriebe die Daten darüber hinaus zur Qualitätssicherung, lassen sich auch die eigenen Produkte verbessern und es lässt sich beispielsweise erkennen, wie sich der Anlagenverschleiß auf die Fertigungsgüte auswirkt. Auch Sensoren-, Komponenten-, Maschinen- und Anlagenbauer können profitieren, wenn sie mit ihren Daten auf einem Marktplatz mitmischen. Auf diese Weise verstehen sie nicht nur besser, wie Kunden ihr Equipment einsetzen und was Probleme verursacht, sondern realisieren auf Basis der Betriebsdaten intelligente Wartungs- und Maschinenservices, die sich monetarisieren lassen.


Bildquelle: Deutsche Telekom

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