Business Software ebnet den Weg

„Arbeit 4.0 und ERP 4.0 gehen Hand in Hand“

Im Interview erklärt Weclapp-CEO Ertan Özdil, weshalb es an der Zeit ist, klassische ERP-Systeme neu zu denken und wie moderne Lösungen hier das Teamwork stärken.

Ertan Özdil

Weclapp-CEO Ertan Özdil

ITM: Herr Özdil, was verstehen Sie persönlich unter dem Begriff Arbeit 4.0? Wie haben Sie und Ihr Team die Zusammenarbeit in den letzten Monaten erlebt?
Ertan Özdil: Das ist eine spannende Frage, aber erlauben Sie mir erst einmal einen Schritt zurück zu gehen: Worum geht es eigentlich bei Arbeit? Den Einsatz unserer gesammelten Kräfte, um etwas zu schaffen, zu bewegen. Wir alle wollen wirken und wenn wir dabei etwas in unserer Welt zum Guten verändern, dann macht uns das zufrieden und glücklich. Das ist Arbeit – etwas schaffen und mit sich zufrieden sein können und dürfen. Arbeit 4.0 ist für viele verbunden mit Umwälzungen durch die Digitalisierung. Neue und flexible Organisationsstrukturen und innovative Kommunikationsmittel. Für mich ist Arbeit 4.0 vor allem eines: dem Ziel der idealen Arbeit mit Hilfe von Tools ein entscheidendes Stück näher zu kommen.

Und nun zum zweiten Teil Ihrer Frage: Die Zusammenarbeit bei der Weclapp hat sich kaum verändert. Wir waren schon immer in flexiblen und agilen Teams organisiert, die an unterschiedlichen Standorten gearbeitet haben und gut vernetzt waren.

Wir haben diesen Weg zu Arbeit 4.0 schon vor langem eingeschlagen, diese Entwicklungen antizipiert und mitgestaltet. Die Beschleunigung der Entwicklung bringt Arbeit und Gesellschaft in eine Richtung, die ich sehr begrüße – auch wenn die Umstände, die dazu geführt haben, natürlich nicht erfreulich sind.

ITM: Mit ERP-Software verbinden viele nach wie vor eine eher trockene und unscheinbare Geschäftssoftware, Ihr Unternehmen gibt sich jedoch betont teamorientiert. Wie passen Teamgedanke und ERP zusammen? Wie kann ein ERP-System zur Verbesserung der Zusammenarbeit beitragen?  

Özdil: Ohne Zweifel hatte komplexe Business Software, zu der auch ERP (Enterprise Ressource Planning) zählt, in der Vergangenheit nicht den besten Ruf. Früher brauchte es eine Heerschar von Beratern, die in ein Unternehmen kamen und zeit- und kostenintensive Software eingeführt haben. Das ist die alte Welt in der SAP und andere zu Hause.

Wir kommen aus der neuen Welt – einer, die fit für die Zukunft ist; in der System, Ort- und Zeitpunkt keine Rolle spielen, um gutes Teamwork zu leisten. Wir haben dann den besten Job erledigt, wenn Sie uns weder hören noch sehen. Für unsere Software benötigt es keine Berater.

Arbeit 4.0 und ERP 4.0 gehen Hand in Hand. Sie werfen traditionell gewachsene Hierarchien um, damit kürzere, agilere und flexiblere Arbeitsabläufe entstehen. So kann ein Team besser arbeiten als, wenn es immer wieder Berater zu Hilfe rufen muss.

Für mich persönlich steht das Team an erster Stelle und unsere Software muss diese agilen und eigenständig handelnden Teams unterstützen. Dazu bedarf es dreier Grundsätze: Erstens muss es den Einzelnen befähigen seinen Job zu erledigen und in ein Gesamtkonstrukt einzupflegen. Dies muss - und das ist der Zweite - wann und wo auch immer möglich sein. Und drittens: ein Lernen aus Fehlern muss möglich sein.

ITM: Die Corona-Situation hat etliche Unternehmen gezwungen, ins Homeoffice umzuziehen – was bedeutet das für den Zugriff auf das ERP-System? Wo liegen hier die Vorteile einer Cloud-Lösung?
Özdil:
Ein Cloud- und Browser-basiertes ERP kann aus den einzelnen Mitarbeitern ein Team machen und aus einem Geschäftsprozess einen Workflow. Die Zusammenarbeit wird so gestützt, dass die täglichen Aufgaben effizient und umfassend gelöst werden. Letztendlich wird nicht nur das gemeinsame Arbeiten verbessert, sondern gemeinsam am Erfolg des Unternehmens gearbeitet.

Ist das ERP Cloud-basiert, sind alle Daten von jedem Ort aus erreichbar. Ein Browser- und Cloud-basiertes ERP kann sogar systemunabhängig betrieben werden. In der Praxis heißt das: Egal wie das Homeoffice aussieht: Mit dem Firmenrechner, dem privaten Tablet auf dem Windows, MacOS oder Linux läuft: Jeder ist sofort arbeitsfähig.

ITM: Was sollten Unternehmen beachten, wenn sie beabsichtigen, ihre Teams in einem Cloud-ERP zusammenarbeiten zu lassen?
Özdil: Ob Cloud oder On-Premises: Zugriffsrechte und Compliance müssen durch das Management geklärt und auf Übereinstimmung mit den eigenen Richtlinien geprüft werden. Wenn die Software gut gemacht ist, dann braucht es auch für die Einführung eines ERP keine aufwändigen Schulungen, im Idealfall unterstützt die UX (User Experience) bereits das Onboarding. Auch das ist ERP 4.0: wir programmieren so, dass ein Nutzer sich intuitiv bewegen und damit arbeiten kann. 

Der Clou an der generellen Einführung eines ERP-Systems ist die Analyse der Geschäftsprozesse, damit diese dann – auch unter Berücksichtigung des Rechtemanagements – abgebildet werden können. Das kann in gewachsenen, größeren Unternehmen aufwändig sein.

ITM: Generell zum Thema Cloud: Wie hat die aktuelle Situation aus Ihrer Erfahrung die Einstellung gegenüber dem Arbeiten in und mit der Cloud verändert? 
Özdil:
Cloud-basierte Lösungen erfreuen sich seit Jahren schon immer größerer Beliebtheit. Dieser Trend wurde durch Corona noch einmal verstärkt. Das ortsunabhängige Arbeiten ist beliebter und wichtiger als je zuvor. Wer zuvor Berührungsängste oder Vorbehalte gegenüber dieser Form des Arbeitens hatte, wurde durch Corona und Homeoffice zum Ausprobieren gezwungen. Bei vielen haben sich die Befürchtungen nicht bestätigt. Wo früher Zweifel herrschten, ist heute die Cloud die Lösung, um die Arbeit an die individuelle Lebenssituation anzupassen. Der Effekt: viele wollen auf diese Art des Arbeitens nicht mehr verzichten. Die Cloud ist zum Technologie-Synonym ortsunabhängigen Arbeitens geworden.

 

ITM: Was gibt es bei einem remoten Zugriff auf das ERP-System grundsätzlich zu beachten?
Özdil: Plötzlich ist das eigene Umfeld Zuhause oder unterwegs Teil der Sicherheitsinfrastruktur des Arbeitsplatzes. Für Arbeitnehmer kann das eine große Umstellung bedeuten. Eine unsichere Infrastruktur daheim kann zugleich ein Problem für das Unternehmen, also den Arbeitgeber werden. So entstehen zwei Perspektiven, die in organisatorischer und infrastruktureller Hinsicht wichtig sind.

Analog zu den Security-Regeln im Unternehmen müssen auch zuhause organisatorische und technische Maßnahmen umgesetzt und eingehalten werden. Zu den organisatorischen Regeln gehören z.B. die Sperrung des Bildschirms, wenn man den Schreibtisch verlässt, keine schützenswerten Unterlagen unbeaufsichtigt zu lassen, sowie die Sensibilität dafür, wer vielleicht meine Gespräche mithören könnte (geöffnetes Fenster, Besuche von Freunden usw.) oder auch Interesse an den Inhalten hätte. Dafür muss der Arbeitgeber klare Regeln für das remote Arbeiten schaffen und kommunizieren, damit Arbeitnehmer – erst recht zuhause – klar zwischen privat und beruflich trennen. Klingt einfach, ist aber in der Praxis nicht für jeden zu bewerkstelligen, da beispielsweise zuhause nicht immer genügend und der richtige Platz zur Verfügung steht.

ERP und andere Hersteller cloudbasierter Software müssen die Programme, um Möglichkeiten erweitern illegale Zugriffsversuche zu erkennen und automatisierte Gegenmaßnahmen einzuleiten. Ein Beispiel hierfür wäre, wenn von einem unüblichen Ort versucht wird auf Ihr System zuzugreifen. Dem User wird hier eine kurze Kontrollfrage gestellt. Beispiel: Klicken Sie hier, wenn der Zugriff nicht von Ihnen erfolgt ist. Ein anderes Beispiel ist die Verpflichtung zum Zwei-Wege-Authentifizierungs-Verfahren. Grundsätzlich gilt aber hier und vor allem für uns Softwarehersteller, dass wir es den Usern so einfach wie möglich machen müssen, damit diese kreativ sein und agil handeln können. Denn wir reden ja über Arbeit 4.0.

((Bildquelle: Weclapp))

©2020Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok