„Typischerweise sehen wir im Mittestand vor allem SAN- und NAS-Infrastrukturen“, so Markus Grau.
ITM: Herr Grau, inwieweit greift der deutsche Mittelstand anno 2022 auf eine vernünftige Storage-Strategie zurück, um der Datenflut zu trotzen?
Markus Grau: Ich sehe eine zunehmend strategisch durchdachte Herangehensweise, die auf Flexibilität und Performance abzielt. Mittelständische Unternehmen wollen nur so viele finanzielle Mittel binden wie nötig und zugleich über eine stets aktuelle Storage-Umgebung verfügen. Entsprechend beinhalten die Storage-Strategien im Mittelstand – aber nicht nur dort – skalierbare Plattformen, Subskriptionsmodelle sowie einen wachsenden „as a Service“-Anteil.
ITM: Was sind die größten Herausforderungen im Storage-Management?
Grau: Die Komplexität der Aufgabe „Data Management“ ist für viele Mittelständler eine echte Herausforderung. Außerdem entstehen den Unternehmen oft Probleme durch fehlende Agilität, da es in klassischen Bezugs- und Nutzungsmodellen oft recht lange dauert, bis benötigter Storage bereitgestellt wird. Außerdem sehen wir bei KMU einen Mangel an Automation, wodurch das IT-Management sehr aufwändig wird. Zu guter Letzt stellen auch neue Workloads wie beispielsweise Container eine große Herausforderung dar, wenn in der Vergangenheit stets nur ein „Good Enough“-Ansatz verfolgt wurde.
ITM: Welchen Einfluss hat die aktuelle Pandemie in den letzten Monat auf die Storage-Strategie der Unternehmen ausgeübt?
Grau: Besonders deutlich ist durch die Pandemie das Interesse an „as a Service“-Modellen gestiegen – auch wenn es um Storage geht. Außerdem hat die Schwemme an Ransomware-Angriffen, die wir in den vergangen zwei Jahren gesehen haben, die Sensibilität in Sachen „Backup“, „Restore“ und „Recovery“ drastisch gesteigert. Um hier leistungsfähiger zu werden, setzen auch im Mittelstand immer mehr Unternehmen auf leistungsfähige, schnelle Storage-Lösungen sowie Technologien wie Snapshots, um widerstandfähiger gegen Attacken zu werden.
ITM: Welche Arten von Speicherlösungen kommen üblicherweise im Mittelstand zum Einsatz?
Grau: Typischerweise sehen wir im Mittelstand vor allem SAN- und NAS-Infrastrukturen. Mit zunehmender Digitalisierung in vielen Branchen beobachte ich aber auch ein steigendes Interesse an leistungsfähigem Object-Storage sowie Software-defined Storage im Bereich „Container“. Letzterer ist wichtig, um Multi-Cloud-Szenarien sinnvoll umzusetzen.
ITM: Mit welchen Tools und Tricks lassen sich am besten Storage-Platz und -Kosten sparen?
Grau: Software-seitig sehe ich hier im Wesentlichen vor allem die Datenreduktionstechniken wie Deduplikation und Kompression, mit denen der Speicherplatzbedarf – und damit die Kosten – deutlich gesenkt werden können. Hardware-seitig haben höhere Packungsdichten einen starken Effekt. Wir haben dazu beispielsweise im Flasharray//C hocheffiziente QLC-Speicher verbaut. Ein weiterer Ansatz zur Reduktion der Storage-Kosten sind die „as-a-Service“-Modelle, bei denen nur bezahlt wird, was im Rechenzentrum steht und tatsächlich genutzt wird. Das Betreiben und Anschaffen von Systemen mit einer Perspektive von vier oder fünf Jahren ist vor allem für viele KMU nicht sonderlich attraktiv, wobei es sicherlich Ausnahmen gibt.
ITM: Welche Rolle spielt an dieser Stelle die Cloud als Storage-Lösung?
Grau: Die Nutzung von Cloud-Storage ist in vielen Fällen sehr attraktiv – gerade für z.B. Archivdaten, da diese sehr selten im Zugriff sind und damit keine Zugriffskosten verursachen. Allerdings sollte man sich immer noch im Klaren sein, dass das Speichern in der Cloud günstig ist, der Zugriff und das Herausmigrieren jedoch sehr zeit- und kostenaufwendig sein kann. Im Großen und Ganzen sehe ich, dass auch der Mittelstand sich mehr und mehr für hybride Storage-Modelle entscheidet, in denen sowohl Storage vor Ort im Rechenzentrum als auch Storage-Angebote aus der Cloud in Kombination genutzt werden.
ITM: Wie ist es hierbei um die Datensouveränität und -sicherheit bestellt?
Grau: Datensicherheit kann durch Verschlüsselung und gesicherte Übertragungswege gut umgesetzt werden. Datensouveränität erreichen Mittelständler beispielsweise durch den Einsatz von eigenen Speicherlösungen, die in die Cloud-Lösungen integriert werden. Anbieter wie wir bieten dafür beispielsweise Lösungen in AWS Outposts und Google Anthos. Eine Alternative ist die Nutzung eigener Systeme in einem Cloud-Adjacent-Modell. Hierbei werden Storage-Appliances im Rechenzentrum eines großen Anbieters betrieben, das die Cloud-Compute-Ressource in unmittelbarer geografischer Nähe hat.
ITM: Worauf sollten Mittelständler achten, wenn sie sich für einen Storage-Anbieter entscheiden?
Grau: An erster Stelle sollte der Aspekt der Einfachheit der Anwendung sein. Hier haben sich Cloud-ähnliche Betriebsmodelle bewährt, die sehr intuitiv und nachvollziehbar sind. Zudem rate ich auf Subskriptionsmodelle zu setzen, die gewährleisten, dass der Storage-Anbieter dem Unternehmen für einen festen Zeitraum ohne Mehrkosten stets die aktuellen Innovationen zur Verfügung stellt. Dazu zählen neben neuen Controllern auch regelmäßige Software-Updates und neue Features. Die Attraktivität von „as a Service“-Modellen ist vor allem im Mittelstand besonders hoch und wird noch weiter steigen. Abschließend möchte ich den Unternehmen raten, bei der Auswahl einer neuen Speicherlösung nicht nur auf traditionelle Anwendungen zu achten, sondern auch daran zu denken, dass containerisierte Applikationen in Zukunft deutlich an Bedeutung gewinnen werden.
ITM: Welche Storage-Trends bahnen sich in diesem Jahr an?
Grau: Technologisch sehe ich eine zunehmende Verbreitung persistenter Container, die erweiterte Data Services wie beispielsweise Replikation über Availability Zones hinweg sowie Backup und Verschlüsselung benötigen. Im Hardware-Bereich werden hybride Storage-Appliances immer häufiger durch All-Flash-Lösungen abgelöst. Innovationen wie QLC-SSDs und die Direct-Flash-Technologie haben hier für einen großen Push gesorgt. Wenn ich auf Trends bei den Anwendungen blicke, dann erwarte ich vor allem weiteres Wachstum an Applikationen, die performanten Objektspeicher benötigen.
Bildquelle: Pure Storage