Arbeiten nach 2020

„Büro muss kein Wellnesstempel sein“

Ein Kommentar über das Arbeiten in Krisensituationen und darüber hinaus von Christian Otto Grötsch, Gründer und Geschäftsführer der Digitalagentur Dotsource.

  • Wellnesstempel Wellnesstempel Pflegeset

    Abwechslungsreiche, kreativ gestaltete Begegnungsräume für Mitarbeiter sind sinnvoll und wichtig.

  • Christian Grötsch von Dotsource

    „Wenn man vom Büro als Wohlfühlort spricht, meint das nicht, aus ihm einen Wellnesstempel zu machen.“ (Christian Grötsch von Dotsource)

Bevor Home Office im Frühjahr 2020 durch die Corona-Krise zur internationalen Notwendigkeit wurde, wandelte sich die Arbeitswelt nur langsam. Zwar hat der Ansatz des New Work in vielen Unternehmen zur Revolution der Arbeitsbedingungen beigetragen und agiles Vorgehen zum Standard in Projekten oder Mitarbeiterführung werden lassen. Aber eben nicht bei allen Unternehmen und Unternehmerköpfen. Man merkt jedoch, dass Unternehmen mittlerweile sehr wohl erkannt haben, dass gute Arbeitsleistungen und motivierte Mitarbeiter aus vielen Faktoren resultieren, jedoch keinesfalls aus einer minutengenauen Anwesenheitspflicht im Büro. Für gute Arbeitsleistungen spielen andere Dinge eine ausschlaggebende Rolle und alle haben eines gemein: Sie geben Mitarbeitern Freiräume, die es ihnen ermöglichen, ihr Potenzial zu entfalten. Freiraum, der Effektivität fördert und letztendlich nicht nur sie, sondern auch Kunden und Arbeitgeber glücklich macht.

Der Zukunft offen entgegentreten

New Work unterscheidet sich stark von alteingesessenen Arbeitswelten mit krassen Hierarchien, strengen Arbeitszeiten und Vorschriften jeglicher Art. Junge Fachkräfte wollen nicht mehr so arbeiten, wie es ihre Väter und Großväter tun mussten – sie wollen frei sein, frei denken und frei handeln. Das heißt nicht, dass sie keine Verantwortung übernehmen wollen. Das wollen sie schon, aber sie wollen es auf ihre persönliche Art und Weise und nicht nach Vorschrift. Daher ziehen Unternehmen, die mit dem New-Work-Ansatz arbeiten, vorwiegend junge Fachkräfte an, die wiederum mit ihrer Einstellung das Unternehmen prägen – ein Kreislauf, der langfristig neue Arbeitsverhältnisse schaffen wird. Begonnen hat dieser Prozess schon längst, beschleunigt wird er durch äußere Faktoren, wie nicht zuletzt die Corona-Pandemie 2020. Dieser Vorgang formt neue Arbeitsweisen und -kulturen und Arbeitgeber sollten das keinesfalls als „modernen Kram“ abtun, wenn sie am Markt nicht das Nachsehen haben wollen.

Wenn man vom Büro als Wohlfühlort spricht, meint das nicht, aus ihm einen Wellnesstempel zu machen. Mitarbeiter sollen Perspektiven austauschen, Ansätze diskutieren und voneinander lernen können. Dazu inspirieren karge, mausgraue Büroräume aber nicht. Deswegen sind abwechslungsreiche, kreativ gestaltete Begegnungsräume sinnvoll und wichtig. Sie animieren Mitarbeiter zur Kreativität und motivieren, das Unternehmen dadurch voranzutreiben. Außerdem spiegeln sie das notwendige Mindset wider, das Unternehmen zufriedene Mitarbeiter beschert. Davon abgesehen signalisieren auch andere Dinge, dass die Zufriedenheit der Mitarbeiter einen hohen Stellenwert einnimmt: flexible Arbeitszeiten, flache Hierarchien, Aussicht auf Aufstiegsmöglichkeiten, (kostenfreie) Weiterbildungsangebote, ein fairer Umgang in Krisensituationen, inklusive Rücksichtnahme auf individuelle Bedürfnisse, aber auch kleine Dinge wie kostenfreie Getränke oder frisches Obst. Im Wettbewerb um neue Fachkräfte können genau diese Benefits die ausschlaggebenden Argumente liefern.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 5-6/2020. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Wenn nicht jetzt, wann dann?

Glückliche Mitarbeiter sind motivierte, engagierte und leistungswillige Mitarbeiter, die bereit sind, mehr zu geben, als gefordert wird. So gesehen gibt es für kein Unternehmen der Welt eine Ausrede, sich New-Work-Methoden zu verschließen und auf veraltete Denkweisen und Bedingungen à la „Das haben wir schon immer so gemacht“ zu pochen. Klar, eine Organisation, die über Jahrzehnte hierarchisch strukturiert war und in dem Mitarbeiter stoisch Nine-to-five-Tage schoben, kann von heute auf morgen keine Start-up-Mentalität leben. Jedes Unternehmen hat seinen eigenen Kulturwandel. Aber wann, wenn nicht jetzt, bietet sich die Gelegenheit, New Work im Unternehmen zu etablieren?

Bildquelle: Dotsource

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