So arbeitet das Fintech Compeon

Cloud statt Rechenzentrum

Eine digitale Plattform zu bauen und funktionstüchtig aufrechtzuerhalten, kann unter IT-Gesichtspunkten durchaus eine Herausforderung sein. So schwelt die Diskussion, ob Unternehmen statt eines eigenen Rechenzentrums nicht Cloud-Service-Anbieter zur Hilfe ziehen sollten. Das Fintech Compeon hat sich klar für letzteres entschieden.

Wolken vor blauen Himmel

Für den Aufbau und Betrieb der eigenen digitalen Plattform setzt das Fintech Compeon auf die Cloud.

Compeon arbeitet mit über 220 Geldhäusern zusammen, um für die Kunden die beste Kreditoption anbieten zu können. Das Fintech bildet die Schnittstelle zwischen kleinen und mittelständischen Firmen, die einen Kredit zur Unternehmensfinanzierung suchen und den Banken, die die Kredite anbieten. Der gesamte Vergabeprozess von der Anfrage bis zur Kreditvergabe verläuft digital, sodass viele Finanzierungen innerhalb von 24 Stunden nach der Anfrage unterschriftsreif wieder beim Kunden landen.

Dadurch, dass die Geschäftsprozesse digitalisiert und automatisiert sind, braucht es weniger Personal für die eigentliche Vermittlung von Krediten. Deswegen trägt die IT-Abteilung im Unternehmen eine große Verantwortung: Sie entwickelt die Plattform komplett selbst und greift nur im Bereich Customer Relationship Management auf Standardprodukte zurück. Deshalb verantwortet die IT auch die Ausgestaltung der digitalen Geschäftsprozesse.

Vor Ort oder in der Cloud?

Die Diskussion über die Art und Weise des IT-Betriebs ist breit. Sollte man die gesamte Informatik im eigenen Rechenzentrum betreiben? Oder ist es cleverer, mit Cloud-Services zu arbeiten? Der Cloud- und Digitalexperte Dr. Oliver Janzen berichtet, dass er häufig von einem hybriden IT-Betrieb, der beide Optionen kombiniert, als optimale Lösung höre. Diese Fragen stellt sich jedes Unternehmen, wenn es seine digitale Geschäftsstrategie verfasst. Eine Plattform wie Compeon benötigt eine hohe Flexibilität, weshalb es kein eigenes Rechenzentrum gibt. Allein aus finanziellen Gründen würde es sich nicht lohnen, alle Systeme selbst zu bestellen und aufzubauen und eine Kapazitätsvorhersage für die nächsten paar Jahre zu treffen. Der Betrieb über Cloud-Services hat den Vorteil, dass die gesamte Entwicklungsumgebung bereits mitgeliefert wird. So ist es nicht notwendig, Entwicklungsprozesse zu designen und die passenden Tools dafür auszuwählen, da der Cloud-Provider diese bereits mitbringt. Auf diese Weise kann man automatisiert kontinuierlich testen und deployen. Zwar sind die Kosten teils höher als beim klassischen Hosting, doch nicht genutzte Ressourcen können jederzeit heruntergefahren werden, festgelegte Laufzeiten gibt es nicht. Zudem spart man sich die Zeit für den Aufbau der Infrastruktur, bevor sie in Betrieb gehen kann.

Konkret funktioniert die Ausgestaltung der Digitalplattform derart, dass Mitarbeiter aus allen Bereichen gemeinsam – interdisziplinär – am Produkt arbeiten. Sie unterstützen die Kunden dabei, passende Angebote zu finden. Nach einer Anfrage durch einen Kunden analysieren die Systeme den genauen Bedarf und bieten ihm den spezifischen Content passgenau, automatisiert und auf digitalem Weg an. Diese Mechanismen und Geschäftsprozesse gehören zu den Aufgaben der IT.

Eine grundsätzliche Kernaufgabe der IT ist dementsprechend die Weiterentwicklung der Software. Dazu gehören auch die Prozesse der Kundeninteraktion. Zentrale betriebene Infrastruktur ist hierfür nicht notwendig, da alle Systeme auch in verschiedenen Clouds liegen können. Lediglich für dezentrale Systeme – also Arbeitsplatzsysteme – kann man ein kleines Team einrichten.

Sichere Weiterentwicklung

Damit in der Weiterentwicklung Pannen vermieden werden, arbeitet die IT-Abteilung bei Compeon nach dem Git-Flow-System: Jedes neue Feature wird einem sogenannten Branch entwickelt und jede Änderung, die in die Code-Basis implementiert werden soll, von einem weiteren Entwickler durch ein Peer-Review überprüft. Abgenommene Änderungen werden dann automatisiert geprüft und direkt auf die Staging-Umgebung deployed.

Aufbauend auf dieser Strategie ist es wichtig, einen IT-System-Zoo zu vermeiden, bei dem eine Vielzahl von Anwendungen zu verwalten sind, die sich teils mit ihren Zuständigkeiten auch noch überschneiden. Mit der Devise „Keep all data in one System“ und reduzierten IT-Systemen gelingt die intelligente Nutzung der verfügbaren Daten.

Perspektivisch gesehen werden sich künftig die Rollen wohl etwas verändern. Infrastrukturaufgaben verlieren an Bedeutung, während die Rolle des DevOps – einem Allrounder mit Fähigkeiten in Entwicklung, Deployment-Betrieb und Security – immer wichtiger wird. Bei Compeon gibt es schon seit Beginn ein Data-Science-Team, das sich auf Basis der verfügbaren Daten um die Verbesserung der Vorhersage und Automation kümmert.

Keine festgeschriebene IT-Strategie

Vor diesem Hintergrund beobachtet Dr. Oliver Janzen: Bei gewachsenen Organisationen erkennt man häufig die Tendenz, IT-Organisationen zu verändern. Doch es gibt keine vorgegebene, festgeschriebene Strategie. Grundsätzlich sollte man seine IT-Strategie anhand einer zentralen Frage aufbauen: Wie kann man seine Plattform am schnellsten und flexibelsten aufbauen? Mit eigenem Rechenzentrum und eigenem Infrastrukturbetrieb ist der Aufwand womöglich sehr hoch. Daher bietet es sich an, auf Cloud-Anbieter zurückzugreifen – inklusive der Nutzung von Software as a Service (SaaS). Das Herzstück der Anwendungslandschaft sollte man hingegen selbst entwickeln – denn an dieser Stelle entsteht ein großer Nutzen für die Kunden. Wichtig ist die grundsätzliche Haltung: Es braucht keine festgeschriebene IT-Strategie, sondern vielmehr eine digitale Geschäftsstrategie, in der die IT eine maßgebliche Rolle spielt.

* Alex Bierhaus ist CTO und Geschäftsführer der Finanzierungsplattform Compeon.

Bildquelle: iStock/Getty Images Plus

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