Schnelle Datenverarbeitung

Das Rückgrat der Wirtschaft

Die schnelle Datenverarbeitung ist laut Andreas Klees das „Rückgrat unserer Wirtschaft“. „Es werden immer mehr Cloud-Lösungen verwendet, deshalb werden schnelle Netze benötigt“, so der Geschäftsführer der ZVK GmbH im Interview.

Andreas Klees, Geschäftsführer der ZVK GmbH

„Die Landflucht beschränkt sich nicht nur auf Bewohner, sondern ebenfalls auf Betriebe“, meint Andreas Klees, Geschäftsführer der ZVK GmbH.

ITM: Herr Klees, im internationalen Vergleich soll Deutschland in Sachen Breitbandausbau und schnelles Internet bekanntlich weit zurückliegen. Wie schätzen Sie selbst die Lage ein?
Andreas Klees:
Diese Aussagen können so nicht pauschal getroffen werden. Es gibt in Deutschland sehr unterschiedliche Ausbaustufen, manche ländlichen Gebiete (z.B. östlich von Hamburg) sind absolut gut angebunden und verfügen nicht selten über 100 MB in den einzelnen Haushalten. Dagegen gibt es in Großstädten wie z.B. München immer noch Bezirke, die mit 1 bis 5 MB auskommen müssen. Desweiteren wird von den Anbietern immer nur die mögliche maximale Bandbreite angesprochen. So ist es die Regel, dass Haushalte tagsüber 50 MB zur Verfügung haben, abends nach 20 Uhr allerdings mit unter 5 MB auskommen müssen.

ITM: In welchen konkreten Regionen hierzulande müssen die Unternehmen bislang mit digitalen Kriechspuren auskommen?
Klees:
Der Osten und der Norden sind wesentlich besser versorgt als der Süden und Westen. Dies liegt auch an der größtenteils verbauten CU-Infrastruktur. Diese CU-Infrastruktur stößt immer mehr an ihre Grenzen. Es ist aber sehr teuer und aufwendig, Deutschland flächendeckend auf über 50 MB zu heben. Dies wird sicherlich noch etliche zehn Jahre beanspruchen.

ITM: Wer oder was sind die Bremsfaktoren beim Breitbandausbau in Deutschland?
Klees:
Die Vorgaben durch die Behörden sind nicht unbedingt förderlich, so werden pro Haus mindesten sechs LWL-Fasern und pro Wohneinheit vier LWL-Fasern verlangt. Benötigt wird allerdings nur eine Faser zur Übertragung aller Dienste. Mittlerweile haben wir eine weltweite Faserknappheit und dadurch auch sehr lange Lieferzeiten auf alle Arten von LWL-Kabeln. Wenn sich allerdings eine Kommune dazu durchringt, entgegen der Vorgaben der Behörde ein modernes Ein-Fasernetz aufzubauen, bekommen diese keine öffentlichen Gelder und sind auf sich alleine gestellt. Durch die Vorgaben der Behörden sind die Verantwortlichen der Kommunen oft überfordert. Deshalb wird sehr oft auf die Dienste der Telekom zurückgegriffen, die ein auf die Behördenanforderungen abgestimmtes Leistungspaket anbieten, somit kommen die Fördergelder selten beim deutschen Mittelstand an, sondern sind als Konjunkturhilfe für die Telekom zu sehen.

ITM: Warum sind allerdings auch Deutschlands Mittelständler auf eine schnelle Internetleitung angewiesen?
Klees:
Die schnelle Datenverarbeitung ist das Rückgrat unserer Wirtschaft. Es werden immer mehr Cloud-Lösungen verwendet, deshalb werden schnelle Netze benötigt. Teile Deutschlands können vom Mittelstand nicht benutzt werden, da eine schnelle Internetanbindung leider nicht vorhanden ist.

ITM: Welche Vorteile und Möglichkeiten ergeben sich für Unternehmen, wenn die Glasfaserkabel bis zur Anschlussbuchse im Büro reichen (Stichwort FTTH)?
Klees:
Diese Infrastruktur lässt ein schnelles Internet mit Bitraten über 100 MB zu. Allerdings müssen auch die Router und Switche dazu befähigt werden, diese schnellen Netze zu unterstützen. Leider ist dies nur in den seltensten Fällen auch so möglich. Die Anbindung geschieht über Glas, aber die Datenverarbeitung erfolgt immer noch mit den stark veralteten RZ-Infrastrukturen. Der Ausbau alleine bringt uns nicht weiter, vielmehr muss der Kabelausbau mit dem RZ-Ausbau Hand in Hand vorangetrieben werden.

ITM: Unter welchen Voraussetzungen bzw. inwieweit sind die Unternehmen gewillt, mit Eigenbeteiligungen den Ausbau zu beschleunigen?
Klees:
Viele Unternehmungen beauftragen private Einrichtungen, da sie in den seltensten Fällen die Zeit haben, auf Telekom-Ausbauten zu warten. So sind viele gezwungen, sich über die Anschlusskosten an einen schnelleren Ausbau zu beteiligen.

ITM: Welche Stolpersteine könnte es bei der Glasfaserverlegung jederzeit geben?
Klees:
Die vorhandene CU-Infrastruktur und die hohen, nicht immer verständlichen Anforderungen der Behörden sind die Hauptstolpersteine. Auch die Bevorzugung der Telekom ist nicht unbedingt für einen schnellen Ausbau förderlich.

ITM: Inwieweit sehen sich deutsche Mittelständler stattdessen gezwungen, aus infrastrukturschwachen Regionen wegzuziehen, um konkurrenzfähig zu bleiben? Kommt so ein Umzug häufiger vor?
Klees:
Die Landflucht beschränkt sich nicht nur auf Bewohner, sondern ebenfalls auf Betriebe. In ländlichen Gegenden ist es nahezu unmöglich, Industrieansiedelungen durchzuführen. Keine oder wenige Arbeitsplätze führen aber unweigerlich zur Landflucht, ganze Gebiete veröden und in den Großstätten haben wir zu wenig Wohnraum. Dieser Teufelskreis kann nur durch einen schnellen Ausbau des Breitbandnetzes durchbrochen werden.

ITM: Welchen Einfluss haben bis dato etwa die 2014 ins Leben gerufene „Netzallianz Digitales Deutschland“, das 2016 festgelegte „DigiNetz-Gesetz“ oder auch der kürzliche „Relaunch des Breitbandförderprogramms“ auf den Ausbau digitaler Hochgeschwindigkeitsnetze tatsächlich ausgeübt?
Klees:
Sehr wenig. In einigen Gegenden brachte es Vorteile, allerdings ist – wie bereits mehrfach erwähnt – der große Nutznießer immer noch die Telekom.

ITM: Ein jüngst zusammengestelltes zehnköpfiges Gremium soll nun „wirklich“ Tempo machen bei der Digitalisierung. Wie schätzen Sie das zukünftige Wirken des Digitalrats der Bundesregierung ein?
Klees:
Bisher sind die Ergebnisse und die Außenwirkung eher bescheiden. Der Weg ist gut, allerding sehr von der Bürokratie bestimmt.

ITM: Zudem hat die Bundesregierung erst im August einem milliardenschweren Fond für den Breitbandausbau zugestimmt. Dieser soll u.a. durch die Versteigerung der 5G-Frequenzen finanziert werden. Wird diese Rechnung aufgehen?
Klees:
Die Mittel werden den gleichen Gesellschaften durch die Versteigerung entzogen, die eigentlich für einen schnelleren Ausbau Sorge tragen sollten. Es sollte vielmehr ein Zusammenwirken der einzelnen Übertragungsmedien – LWL, CU, Funk – gefördert werden. Dadurch würde die Anbindung wesentlich beschleunigt werden.

ITM: Wo wird Deutschland Ihrer Meinung nach Ende 2018 in Sachen Breitbandausbau stehen?
Klees:
Nicht viel weiter wie im Jahr 2017. Es werden weiter bereits vorhandene Anbindungen erneuert, anstatt neue Anbindungen voranzutreiben. Es wird leider viel zu oft die Kundenkaufkraft als Entscheidungskriterium herangezogen. Eine landesweite Versorgung bleibt dabei auf der Strecke. Planungsphasen dauern nur lange und berücksichtigen selten die Kundenwünsche, sondern dienen hauptsächlich zur Mehrung der Erträge der Telefonanbieter.

Bildquelle: ZVK

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