Für Shopper attraktiv bleiben

„Der beste Hebel ist der Preis“

Als Affiliate- und Online-Marketing-Experte weiß Dawid Przybylski, Gründer von Finest Audience, wie es um den deutschen E-Commerce in Zeiten der Corona-Krise bestellt ist und wie Händler ihre Geschäfte schützen können.

Dawid Przybylski, Gründer von Finest Audience

„Die Barrierefreiheit ist ein richtiger und wichtiger Schritt, auch Menschen mit Beeinträchtigung am E-Commerce zu beteiligen“, Dawid Przybylski, Gründer von Finest Audience.

ITM: Herr Przybylski, welchen Einfluss übt die „Corona-Krise“ derzeit auf den E-Commerce bzw. Online-Handel in Deutschland aus?
Dawid Przybylski:
Das muss man natürlich differenziert nach Branche und Angebot betrachten. Aktuell spüren die Shop-Betreiber das Coronavirus extrem. Da die Menschen nicht wissen, wie sich die Situation entwickelt, halten sie aktuell ihr Geld zurück. Dieses Gefühl bestätigen mir alle Shop-Betreiber mit denen ich Kontakt habe. Dennoch muss man festhalten, dass es auch „Gewinner“ der Krise gibt. Das sind ganz klar Shops, die mit Lebensmitteln, Haushaltsprodukten und Drogerieprodukten handeln. Auch Streaming-Plattformen laufen heiß. Wenn man das ganze Thema etwas weiter betrachtet, boomt auch das Geschäft mit Online-Angeboten zur Weiterbildung, was ich ganz konkret in meinem Angebot, der „Finest Audience“, merke. Alles, was mit Reisen, Events oder Hotels zu tun hat, bricht natürlich weg.

ITM: Was sind die damit einhergehenden aktuell größten Problematiken für mittelständische Webshop-Betreiber?
Przybylski:
Aufgrund des Nachfragerückgangs bedeutet das für kleine und mittelständische Unternehmen hauptsächlich gravierende Umsatzeinbrüche und gegebenenfalls Insolvenzen. Viele Firmen haben bereits Mitarbeiter entlassen oder im besten Fall auf Kurzarbeit umgestellt. Es stehen schwere Zeiten bevor, da nicht alle Shop-Betreiber ihre Mitarbeiter auslasten oder aufgrund logistischer Abteilungen auf 100 Prozent Home Office umstellen können.

ITM: Inwieweit sind Online-Händler, die etwa Waren aus China beziehen, auf mögliche Lieferengpässe vorbereitet?
Przybylski:
Händler merken jetzt schon, dass es zu Unterbrechungen in der Lieferkette kommt. Neben Verzögerungen wurden Importe zum Teil auch ganz gestoppt. Wenn sich Händler hier nicht frühzeitig auf eine Krisensituation eingestellt haben, kann es alleine aufgrund mangelnder Ware schon schwierig werden, Kunden zufrieden zu stellen. Darüber hinaus ist das ganze natürlich auch eine finanzielle Krisensituation. Der Cash-Flow kommt durcheinander und es muss kurzfristig Liquidität beschafft werden, um wieder Lagerbestände aufzubauen.

ITM: Im Zusammenhang mit Corona wird der Ruf nach Arbeit im Home Office immer lauter. Das macht für Webshop-Betreiber mit eigenem Lager wohl wenig Sinn!?
Przybylski:
Klar, Lagermitarbeiter können schwer ins Home Office geschickt werden. Hier müssen natürlich alle behördlichen Richtlinien eingehalten und im Einzelfall entschieden werden, wie der Betrieb weiterlaufen kann. Wenn Betreiber sogar mit eigener Logistik arbeiten, wird es noch schwerer. Denn sogar die Lieferzeiten bei DHL und Hermes ziehen sich inzwischen auf bis zu sieben bis zehn Tage, da alle Kapazitäten ausgelastet sind. In den USA will Amazon aktuell 100.000 neue Mitarbeiter einstellen, um dem Ansturm auf die Dienstleistung gerecht zu werden.

ITM: Wie können die Online-Händler hierzulande mit ihren Webshops für Kunden attraktiv bleiben, auch wenn manche Produkte derzeit vielleicht nicht lieferbar sind?
Przybylski:
Der wohl am besten geeignete Hebel ist der Preis. Darüber hinaus empfiehlt es sich, in Form weiterer Produkte oder Angebote einen weiteren Mehrwert zu liefern, der entweder dem Kunden weiterhilft oder die Zeit bis zur Auslieferung des gewünschten Produkts überbrückt. Das würde ich auch empfehlen. Eine On-Top-Leistung ist immer besser, als mit der Marge zu spielen.

ITM: Welche Rolle spielt hierbei die Personalisierung von Inhalten etwa mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI)?
Przybylski:
Künstliche Intelligenz hat den Vorteil, dass Nutzerprofile und Kaufinteressen automatisiert in den Prozess gestreut werden können. So kann, um auf die vorherige Frage einzugehen, das System nicht lieferbare Produkte einer bestimmten Persona schon gar nicht mehr anzeigen und sie direkt auf Substitute verweisen. Nicht jeder Webshop ist allerdings schon soweit, dass etwaige Algorithmen funktionieren.

ITM: Welchen Stellenwert besitzt zudem die „Barrierefreiheit“ in Webshops und wie lässt sie sich umsetzen?
Przybylski:
Die Barrierefreiheit ist ein richtiger und wichtiger Schritt, auch Menschen mit Beeinträchtigung am E-Commerce zu beteiligen. Oft ist es so, dass ältere oder anderweitig eingeschränkte Personen sich aufgrund einer hohen Komplexität nicht zurechtfinden. Oftmals genügt es schon, leicht die Darstellung von Bildern, Schriftarten und Call to Actions anzupassen sowie die Website für verschiedene Eingabegeräte zu optimieren. Wichtig ist, dass die Barrierefreiheit in den nächsten Jahren zu einem Qualitätsmerkmal wird. Der Google-Algorithmus wird diese Merkmal stärker in sein Ranking einfließen lassen – wer also heute schon optimiert, betreibt im Grunde SEO und sorgt für ein hohes Ranking.

Bildquelle: Finest Audience

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