Logistik-IT

Digital vernetzt durch die Krise und gestärkt in die Zukunft

Vor welche Herausforderung hat die Corona-Krise Logistikunternehmen gestellt? Gibt es Learnings für andere betroffene Unternehmen? Welche Chancen ergeben sich die Branche? Picavi und die Sievers-Group auf die vergangenen Monate zurück.

Lagerist mit Datenbrille

Datenbrillen können helfen, die Digitale Transformation im Lager voranzutreiben.

Die Corona-Pandemie hat Unternehmen in der Logistikbranche unterschiedlich getroffen. Die einen kämpfen mit Kurzarbeit und Umsatzeinbrüchen oder stehen gar vor der Insolvenz, andere konnten ihren Umsatz sogar steigern. Was alle Unternehmen gemeinsam haben: Die Pandemie stellt sie vor völlig neue Herausforderungen. Entscheidend ist, wie diese bewältigt werden: Denn die Anpassungsfähigkeit an veränderte Marktbedingungen in Krisenzeiten entscheidet über den Erfolg oder Misserfolg in der Zukunft. Zwei Unternehmen aus der Logistik-IT-Branche berichten, was ihre größten Herausforderungen sind und wie sie diese meistern.

Kundenprojekte remote vorantreiben

Die Picavi GmbH aus Herzogenrath ermöglicht mit ihrer Pick-by-Vision-Lösung die konsequente visuelle Führung über Datenbrillen bei der Kommissionierung von Waren in der Intralogistik. Eine der größten Veränderungen, die das Coronavirus für den täglichen Betrieb mit sich brachte, war die vollständige Digitalisierung der internen Zusammenarbeit: „Es war uns ganz wichtig, weiterhin transparent zu kommunizieren und den Kontakt zum Team nicht zu verlieren“, sagt Johanna Bellenberg, Director Marketing & Communications bei Picavi. „Hier helfen regelmäßige Team-Calls aus dem Homeoffice. Mit der ‚Digitalisierung‘ haben wir unsere Prozesse schnell ortsunabhängig gestaltet. Damit einhergehend haben wir unseren Fokus verstärkt auf die Social-Media-Kommunikation und Online-Events gelegt.“ Viele Kunden hatten zudem durch Produktionsausfälle und Kurzarbeit vorübergehend weniger Kapazitäten für Neuprojekte oder weitere Rollouts. Um das Interesse potenzieller Anwender dennoch hoch zu halten, habe etwa Picavi erstmals eine eigene Webinar-Reihe mit Fachexperten aus Wirtschaft und Wissenschaft umgesetzt. Alle Webinare sind auch heute noch on demand verfügbar. Die gesamte Webinar-Reihe stieß auf großes Interesse und zeigte sich als hilfreiches Mittel zur Akquise neuer Aufträge.

Picavi ermöglichte mit der Pick-by-Vision-Technologie selbst in der akuten Phase der Krise eine Optimierung der Prozesse bei den Anwendern. Das Unternehmen habe die Möglichkeit geschaffen, den Rollout von Datenbrillen auch per Remote-Installation aus der Ferne durchzuführen. Eine Vorgehensweise, von der während der Pandemie bereits sowohl Neu- als auch Bestandskunden profitiert haben. Die Datenbrillen werden so vorbereitet, dass die Inbetriebnahme in den Logistikzentren schnell und intuitiv durchgeführt werden kann. Dank der Anbindung der gesamten Hardware an das ERP- bzw. Lagerverwaltungssystem des Kunden bereits vor der Auslieferung, beschränken sich die Installationsanforderungen vor Ort auf ein Minimum. So konnten sämtliche Projekte auch in der Corona-Krise vorangetrieben werden.

Mitarbeiter trotz Distanz vernetzen

Die Sievers-Group bietet IT-Lösungen in den Bereichen betriebswirtschaftliche Software, Infrastruktur und Telekommunikation. Als Full-Managed-Service-Dienstleister liefert das Osnabrücker IT-Architekturhaus sämtliche Lösungen aus einer Hand. Auch hier mussten einige geplante Projekte der Kunden auf einen späteren Zeitpunkt verschoben oder kurzfristig gestoppt werden. Intern hat das Unternehmen aber auch durchaus von den Auswirkungen der Corona-Pandemie profitiert: „Wir waren von Anfang an im Krisenmodus, haben rückblickend die Herausforderungen souverän und professionell gelöst“, sagt Robert Brockbals, Mitglied der Geschäftsleitung. Anhand einer Handlungsempfehlung zur Pandemieplanung des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe leitete das Unternehmen viele Maßnahmen ein und spielte unter anderem Szenarien durch, um auf mögliche Veränderungen kurzfristig reagieren zu können. Ein Beispiel dafür ist die schrittweise Verlagerung nahezu aller Arbeitsplätze ins Homeoffice. Des Weiteren finden im Managementboard tägliche Abstimmungen per Videoconferencing-Tool statt. Ein interner wöchentlicher Newsticker informiert Mitarbeiter; an Fragestunden rund um Corona, Kurzarbeit und das Verhalten in den Gebäuden nahmen durchschnittlich 250 Angestellte – also mehr als drei Viertel der Belegschaft – teil. Auch Webinare fanden intern und extern großen Anklang.

„Seit der Pandemie stehen die Führungskräfte und die Mitarbeiter im engeren Kontakt zueinander“, hebt Brockbals den positiven Effekt hervor. „Unsere Kunden wurden von uns zudem in die Lage versetzt, stärker digital arbeiten zu können und ihre Arbeitsplätze entsprechend einzurichten.“ Generell sieht er in der Logistik den Trend zur steigenden Bevorratung und dem entsprechenden Auf- bzw. Ausbau der Lager in Deutschland. Dadurch, dass Produktions- und Handelsunternehmen ihre Lieferketten verstärkt digitalisieren und aufeinander abstimmen, verspürt die Sievers-Group einen „Digitalisierungsruck“ in Handel und Industrie, den das Unternehmen auch in Zukunft unterstützt. 

 Fazit: Neue Vertriebs- und Marketingwege mit Potenzial

Die Corona-Pandemie treibt in der Logistik-IT die Digitalisierung alltäglicher Prozesse voran. Was bei der Implementierung zunächst herausfordernd sein kann, bringt für die Zukunft neue, verbesserte Standards mit sich – etwa schnell und günstig organisierte Video-Konferenzen als Alltagstool. Dieser Trend eröffnet neue Möglichkeiten zur Zusammenarbeit unter Mitarbeitern und mit Kunden und Partnern. Neue Vertriebs- und Marketingwege entfalten ihr Potenzial – ob in Form von Videocalls, Webinaren oder digitalen Plattformen zum Austausch. Wenn Unternehmen verstärkt auf Remote-Services setzen, beweisen sie gegenüber Kunden auch ihre Flexibilität. Das kann zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil werden. Mit Investition statt Stillstand können Unternehmen der Krise nicht nur trotzen, sondern sogar gestärkt aus ihr hervorgehen.

Bildquelle: Picavi

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