Mitarbeiter ins Boot holen

Digitaler Wandel: Gefahr oder Chance?

Im Interview betont Daniel Schütt, der neben Stefan Peukert Co-Gründer und -CEO von Masterplan ist, dass das Verständnis für die Digitalisierung geschärft werden und die Mitarbeiter flächendeckend mit ins Boot geholt werden müssen. Denn: „Der digitale Wandel darf nicht als Gefahr, sondern muss als Chance verstanden werden.“

Daniel Schütt, Co-Gründer und -CEO von Masterplan

Laut Daniel Schütt, Co-Gründer und -CEO von Masterplan, ist die Position des CDO „ungemein wichtig“. Doch mit einer Person alleine sei es nicht getan.

ITM: Herr Schütt, wo stehen mittelständische Unternehmen in Deutschland Ende 2018 hinsichtlich der Digitalisierung ihrer Geschäftsprozesse?
Daniel Schütt:
Wenn wir den Stand der Digitalisierung in Deutschland – einer führenden Wirtschaftsmacht – mit anderen Ländern vergleichen, hinken wir eindeutig hinterher. Positiv aber ist: Unser Mittelstand hat verstanden, dass etwas passieren muss. Die Unternehmen, mit denen wir sprechen, stehen Veränderungen grundsätzlich offen gegenüber. Momentan hapert es oft einfach noch daran, dass der Begriff „Digitalisierung“ falsch verstanden wird: Es geht eben nicht hauptsächlich darum, einen Webshop anzubieten oder analoge Angebote zu digitalisieren. Zwei zentrale Aspekte, die für eine zukunftsfähige Organisation essentiell sind, machen sich nur die wenigsten bewusst: Unternehmen müssen umdenken und neue kundenzentrierte Geschäftsmodelle entwickeln, die durch den technologischen Fortschritt erstmals möglich und profitabel werden. Und um mit der hohen Veränderungsgeschwindigkeit mitzuhalten, müssen Unternehmen zudem eine Kultur schaffen, die Mitarbeiter zu sogenanntem „lebenslangen Lernen“ motiviert.

ITM: Wer oder was hat den Mittelstand bislang bei der digitalen Transformation ausgebremst?
Schütt:
Zum einen sind sicherlich unsere Politiker bzw. die Entscheidungen, die getroffen werden, nicht progressiv genug. Zum anderen ist das Denken und Handeln unserer Gesellschaft sehr traditionell, was sich z.B. an unserem Umgang mit Bargeld zeigt: 2019 ist es immer noch nicht möglich, überall mit Karte, geschweige denn mit dem Smartphone zu bezahlen. Länder wie z.B. Schweden sind da deutlich weiter. Das Festhalten an bestehenden Systemen entwickelt sich zunehmend zum fatalen Stolperstein. Unsere Welt und neue Technologien entwickeln sich exponentiell – und sind somit trügerisch. Technologien wie etwa selbstfahrende Autos, die uns vor wenigen Jahren noch wie weit entfernte Zukunftsvisionen vorkamen, entwickeln sich ab einem gewissen Zeitpunkt extrem rasant weiter. Das hat zur Folge, dass traditionelle Unternehmen diese Entwicklungen oftmals erst wahrnehmen, wenn es bereits zu spät ist.

ITM: Wo verbergen sich die Risiken solcher Digitalisierungsprojekte?
Schütt:
Die Frage ist eher: Welche Risiken erwarten mich, wenn ich mich nicht mit der digitalen Transformation meines Unternehmens beschäftige? Dass sich die Welt verändert und neue disruptive Geschäftsmodelle und Technologien global auf den Plan treten, ist unumstritten. Es wird keine Branche geben, die nicht von den Veränderungen betroffen ist. Es gilt also jetzt den digitalen Wandel einzuleiten, um in Zukunft nicht von der Bildfläche zu verschwinden.

ITM: Welche mittelständischen Branchen haben nichtsdestotrotz ihre Geschäftsprozesse bereits gut digitalisiert? Woran liegt es, dass sie die Nase vorn haben? Können Sie konkrete Beispiele nennen?
Schütt:
Erwähnenswert ist das produzierende Gewerbe. Beispielsweise hat die Viessmann Group, Hersteller von Heiz- und Kühlsystemen, letztes Jahr komplett auf kollaboratives Arbeiten umgestellt. Solche Maßnahmen sind dringend notwendig, um die Arbeitseffizienz in Unternehmen zu stärken.

ITM: Was muss 2019 generell geschehen, um die Digitalisierung weiter voranzutreiben? Wer kann hier wie dem Mittelstand unter die Arme greifen?
Schütt:
Wichtig ist, dass das Verständnis für die Digitalisierung geschärft wird und dass Mitarbeiter flächendeckend mit ins Boot geholt werden. Der digitale Wandel darf nicht als Gefahr, sondern muss als Chance verstanden werden. Wir haben uns selbst die Mission auferlegt, hier die Wirtschaft zu unterstützen, und stellen Unternehmen einen Digitalisierungsgrundkurs zur Verfügung. Mit diesem können Unternehmen ihre Mitarbeiter schulen, die dann das Gelernte konkret im Arbeitsalltag anwenden können bzw. die digitale Transformation von innen heraus vorantreiben können.

ITM: Welche Rolle kommt in diesem Transformationsprozess sogenannten „Digitalagenturen“ bzw. IT-Beratungen zu?
Schütt:
Wir sind der Meinung, dass die digitale Transformation von innen heraus passieren muss und dass Mitarbeiter die wichtigste Ressource im Unternehmen sind. Externe Expertise einzukaufen, ist oftmals sicherlich richtig und wichtig. Damit sie aber auf fruchtbaren Boden fällt, müssen alle Mitarbeiter offen für den Wandel sein und sich selbst als aktive Gestalter verstehen. Am Ende kennen sie das Unternehmen, das Produkt und den Markt nämlich besser als jeder Berater. Nur wenn Mitarbeiter dementsprechend eingestellt und ausgebildet werden, können externe Maßnahmen intern Anklang finden, greifen und Wirkung entfalten. Sicherlich gibt es jedoch auch Bereiche, die man guten Gewissens komplett auslagern kann. Kein Unternehmen muss beispielsweise heute noch ein eigenes Rechenzentrum betreiben, sondern kann auf Public-Cloud-Lösungen zurückgreifen.

ITM: Mit welchem personellen, finanziellen und zeitlichen Aufwand muss in Digitalisierungsprojekten i.d.R. gerechnet werden?
Schütt:
Das lässt sich leider schwer beziffern, da es von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich ist. Jede Geschäftsführung sollte sich aber andersherum die Frage stellen, ob es sich das Unternehmen leisten kann, nicht zu digitalisieren. Blockbuster, die Videothekenkette in den Staaten, hat zu lange an ihren über 5.000 Filialen festgehalten und hat damals sogar noch abgelehnt, Netflix zu kaufen. Heute gibt es Blockbuster nicht mehr und dabei hatten sie damals die besten Karten in der Hand.

ITM: Welchen Stellenwert schreiben Sie hierbei einem Chief Digital Officer (CDO) zu?
Schütt:
Diese Position ist ungemein wichtig, mit einer Person alleine ist es aber nicht getan. Wichtig ist, dass alle Mitarbeiter, egal in welcher Abteilung sie tätig sind, ein Grundverständnis der Digitalisierung haben. Jeder Mitarbeiter muss daran mitwirken können, die eigene Abteilung bzw. das ganze Unternehmen hinsichtlich neuer Möglichkeiten zu optimieren.

ITM: Welche Fehler passieren häufig in Digitalisierungsprojekten?
Schütt:
Der gängigste Fehler ist, dass es einzelne Innovationsabteilungen oder externe Berater gibt, die mit den Projekten am Unverständnis der Geschäftsführung oder der Kollegen scheitern. Besser wäre es hier, die Mitarbeiter zu schulen und anschließend zu ermutigen, selbst Ideen beizusteuern. Ein weiterer Fehler ist, am klassischen Geschäftsmodell festzuhalten, während es eigentlich einer grundlegenden Transformation bedarf. Zu oft fehlt ganz einfach der Mut, Wandel voranzutreiben.

ITM: Was raten Sie demnach Unternehmen, die sich die Digitalisierung ihrer Geschäftsprozesse für 2019 fest vorgenommen haben?
Schütt:
Sie sollten auf ihre Mitarbeiter setzen und den digitalen Wandel als fortlaufenden, immer schneller werdenden Prozess verstehen, der beständiges Weiterbilden erfordert. Sie sollten mutig sein, Neues zu probieren, und auf eigene Innovation setzen, anstatt nur auf Trends aufzuspringen. Es geht nicht darum, etwas Analoges digital zu machen, um die Digitalisierung dann geistig „abhaken“ zu können. Vielmehr ist es von zentraler Bedeutung, die Kunden bestmöglich zu verstehen und durch neue Technologien größtmögliche Nähe herzustellen. Nur wer Daten dem Wettbewerb gegenüber überlegen interpretieren und daraus Geschäftsmodelle ableiten kann, wird am Ende gewinnen. Deshalb empfehle ich jedem, darüber nachzudenken, wie man Kundenprobleme noch besser lösen und die Zielgruppe noch besser verstehen kann als bisher.

Bildquelle: Masterplan

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