Transformation in die neue SAP-Welt

Digitalisierung clever gestalten

Die Umstellung auf das aktuelle ERP-System von SAP kann auf verschiedenen Wegen erfolgen. Gregor Stöckler, COO von SNP Schneider-Neureither & Partner, hat eine pointierte Meinung dazu.

Transformation in die neue SAP-Welt

„Ich plädiere für eine andere Denkweise entlang dreier Leitmotive: eliminate, renovate, innovate“, betont Gregor Stöckler.

Der Walldorfer Softwarehersteller SAP hat bereits 2015 die neueste Generation der eigenen ERP-Lösung vorgestellt: S/4 Hana. Für die Kunden ist das aber nicht nur die vierte Produktgeneration des globalen Marktführers, sondern vielmehr auch das Herz der Digitalen Transformation. Und ich meine zu Recht, denn keine andere Software deckt so viel der Wertschöpfungskette wie diese Software. Clever gemacht ermöglicht also der Umstieg darauf, die Digitale Transformation zu gestalten.

Doch wie sieht diese Reise in der Praxis aus? Laut einer aktuellen Umfrage der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe setzt nur ein Viertel der deutschen Anwender auf S/4 Hana. Warum so wenige? Dafür sehe ich zwei Gründe: Die meisten erkennen den Mehrwert noch nicht – und die anderen tun sich mit der Frage des Migrationsansatzes schwer. Es fehlt an klarer Entscheidungshilfe.

Entscheidungshilfe gefragt

Meiner Meinung nach ist die Farbenlehre für die drei unterschiedlichen Migrationsansätze einer der Hauptgründe, warum sich Unternehmen mit dem Move nach S/4 Hana so schwertun. Die reine Farbenlehre übersimplifiziert eine Entscheidung, die so komplex und individuell ist wie jedes Unternehmen. Es stehen sich Schwarz-Weiß-Denken und ein breites Spektrum an Zielen und Herausforderungen gegenüber.

Als erster zu nennen ist der Greenfield-Ansatz für die Migration. Dieser klingt zwar plausibel und ist – zumindest zu Beginn – auch kostenmäßig eine vernünftige Alternative. Er ignoriert aber richtige Investitionen in der Vergangenheit, unterschätzt den Change-Management-Anteil und überschätzt ein echtes Redesign der Prozesse.

Als zweites gibt es den Brownfield-Ansatz – technisch erprobt mit Standardwerkzeugen und getarnt als „Upgrade Deluxe“. In der Realität ist es aber eher ein schwieriger Kompromiss. Denn bei ECC-Systemen bleiben im Durchschnitt 30 bis 35 Prozent der Daten ungenutzt, ebenso über die Hälfte des Customizings und der Eigenentwicklungen. So bekommen SAP-Kunden die Nachteile von zwei Welten: „alte Sünden“ und wenig Mehrwert.

Ein weiterer Aspekt der Übersimplifizierung der Farbenlehre ist es, die digitale Agenda eines Unternehmens auf die Einführung von S/4 Hana zu reduzieren. Denn obwohl diese Software als Herz der Digitalisierung fungiert, werden bei der Fokussierung darauf echte Beschleuniger der Digitalen Transformation – Cloud, Analytics 2.0, Künstliche Intelligenz und die Hyper-Automatisierung – ausgeklammert.

Drei Leitmotive

Ich plädiere für eine andere Denkweise entlang dreier Leitmotive: eliminate, renovate, innovate. Diese Leitmotive liegen unserem Bluefield-Ansatz zu Grunde und ermöglichen SAP-Anwendern, frei zu entscheiden, welche bisherigen Investments (Prozesse, Daten, Code und Reporting) wie tragfähig für ihre ganz eigene Transformations-Roadmap sind. Quasi „multiselektiv“ erstellen wir so auf Basis von Organisationseinheiten, Zeitscheiben oder freien Kriterien wie etwa Nummernkreisen eine hochpräzise und individuelle Blaupause, die viele vor- und nachgelagerte Schritte ressourcenoptimal vereint.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 5/2022. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Ich spreche täglich mit Vertretern von mittelständischen Unternehmen und Konzernen, die genau deswegen selektiv vorgehen wollen bzw. gegangen sind. Sie stellen sich immer die gleiche, eigentlich simple Frage: Wie kann unsere IT-Systemlandschaft schneller und besser zum Unternehmenserfolg beitragen? Denn eines ist klar: Einige Teile der Wertschöpfung oder der digitalen Infrastruktur können durch schnelle und agile Cloud-Lösungen besser abgebildet werden oder bieten zumindest Raum zum Experimentieren, anstatt eine Entscheidung zu früh zu zementieren.

Zweifelsohne sind moderne ERP-Systeme das digitale Herz der meisten IT-Systemlandschaften. Sie werden sinnvoll Anwendungen wie etwa im HR-Bereich oder im Beschaffungswesen. Aber das bedeutet eben auch, dass der sogenannte „Digital Core“ heute nicht nur aus S/4 Hana besteht. Deshalb ist mein Mantra: Die Zukunft ist hybrid. Und der beste Ansatz dorthin zu kommen ist Bluefield.

Bildquelle: SNP Schneider-Neureither & Partner

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