Output Management bei Basler Fashion

Druckerflotte modernisiert

Die Modernisierung der über die Jahre gewachsenen, heterogenen Output-Landschaft führte bei Basler Fashion zur deutlichen Senkung der Betriebskosten. Im Gespräch mit IT-MITTELSTAND skizzieren Henry Taubald, Geschäftsführer bei Basler Fashion, IT-Leiter Marco Breier sowie Projektleiter Benedikt Bruns nicht nur die neu aufgestellte Output-Landschaft, sondern geben auch Einblick in die alltäglichen IT-Anforderungen eines Modehauses zwischen Catwalk und Stoffmustern.

  • Henry Taubald, Marco Breier, Benedikt Bruns - Basler Fashion

    Im Titelinterview berichten Henry Taubald (Mitte), Geschäftsführer bei Basler Fashion, IT-Leiter Marco Breier (rechts) sowie Projektleiter Benedikt Bruns, wie das mittelständische Unternehmen seine Output-Landschaft modernisierte.

  • Marco Breier, Benedikt Bruns - Basler Fashion

    „Neben zwei größeren IBM-i-Servern betreiben wir über hundert virtuelle Windows-Server“, erklärt Marco Breier (re.), IT-Leiter bei Basler Fashion.

  • Marco Breier, Benedikt Bruns, Alexander Brandau - Basler Fashion

    Alexander Brandau (Mitte), Logistikleiter bei Basler Fashion, verzeichnet im hauseigenen Lager einen jährlichen Durchsatz von rund 1,8 Millionen Artikeln.

  • Marco Breier, Benedikt Bruns - Basler Fashion

    „Durch die Konsolidierung unserer Output-Landschaft konnten wir den Administrationsaufwand reduzieren und die Gesamtkosten deutlich senken“, berichtet Projektleiter Benedikt Bruns (li.).

Basler wurde 1936 in Berlin gegründet und ist heute ein international aufgestelltes und stark expandierendes Unternehmen. Die Kollektion steht nicht nur für Femininität und zeitlose Eleganz, sondern auch für höchste Qualität und ein besonderes Gespür für Farben und Drucke.

Auf hohe Qualität achtet man jedoch nicht nur beim eigenen Design, sondern auch in anderen Firmenbereichen. So modernisierte man zuletzt u. a. die gesamte Output-Flotte. Davon betroffen waren weltweit rund 285 Drucker oder Multifunktionsgeräte, die man mithilfe des Dokumenten-Management-Spezialisten Kyocera sowie des IT-Dienstleisters Büpak GmbH durch aktuelle Modelle und Technologien auf letztlich 175 Geräte reduzierte.

ITM: Welche Zielgruppe adressieren Sie?
Taubald: Wir bieten Designmode für Damen ab Mitte 30, mit der wir uns bewusst vom Massenmarkt abheben wollen. Historisch betrachtet liegen unsere Wurzeln in einer vor rund 80 Jahren gegründeten Mantel- und Jackenfertigung. Im Laufe der Zeit produzierte man weitere Artikel wie Blazer, Blusen und Hosen. Auf diese Produktgruppen konzentrieren wir uns noch heute, weshalb wir uns auch bewusst gegen weitere Kollektionen, beispielsweise für Sportmode oder Unterwäsche, entschieden haben.


ITM: Auf welche Weise generieren Sie Ihre Umsätze?
Taubald: Wir besitzen einen Exportanteil von rund 60 Prozent und setzen weltweit auf eigene Filialen. Desweiteren generieren wir knapp die Hälfte des hiesigen Umsatzes im Großhandel mit Partnern wie Peek & Cloppenburg oder Breuninger. Bei großen Warenhäusern arbeiten wir oftmals gemäß des Konsignationsprinzips, d.h. wir bewirtschaften dort eigene Flächen als Shop-im-Shop.


ITM: Wie viele Filialen betreiben Sie?
Taubald:
Insgesamt sind es 151 Filialen. Gerade in Deutschland gestaltet es sich schwierig, weiter zu wachsen, denn Geschäfte mit höherem Preisniveau lohnen sich nicht in jeder Kleinstadt. Denn anders als in München oder Hamburg, wo wir bis zu drei Filialen betreiben, ist hier die Kaufkraft deutlich geringer.

ITM: Inwieweit betreiben Sie E-Commerce?
Taubald:
Als Modespezialist kommt man in Zeiten von Zalando & Co. um einen eigenen Onlineshop nicht mehr herum. Von daher betreiben wir seit Jahren einen eigenen Webshop, dessen Betrieb wir jedoch komplett an einen externen Dienstleister ausgelagert haben.


ITM: Herr Breier, welchen Webshop setzen Sie ein?
Marco Breier:
Wir nutzen ein Standardsystem auf Basis der Open-Source-Lösung Magento. Zudem kommen wir in diesem Zusammenhang nicht umhin, uns über vorgefertigte Schnittstellen anderen Onlinemarktplätzen wie Vente-Privée oder Amazon anzuschließen. Insgesamt wird die Shoplösung von drei Dienstleistern betreut: Einer ist für die Software, der nächste für das Cashmanagement und der dritte für die Logistikanforderungen zuständig.


ITM: In welchen Zeitabständen bringen Sie im Web und den Filialen Ihre Modekollektionen heraus?
Taubald:
Wir planen mit einem Saisongeschäft im Frühjahr/Sommer sowie im Herbst/Winter. Innerhalb dieser Zeiträume bringen wir jeweils zwei starke sowie eine eher kleinere neue Kollektion heraus.


ITM: Ist die Erstellung der Kollektionen nicht sehr aufwendig?
Taubald: Doch, da aber Massenanbieter wie H&M oder S.Oliver zwölfmal jährlich mit komplett neuer Ware aufwarten, sehen wir uns gezwungen, nachzuziehen. Der Aufwand ist allerdings gewaltig, denn man muss nicht nur das Design erstellen, sondern alle Materialien beschaffen und die Produktion anstoßen.


ITM: Wie läuft die Erstellung in der Regel ab?
Taubald: Bereits vergangenen Dezember hat unsere Produktentwicklung damit begonnen, Ideen für die Frühjahrskollektion 2016 zu designen, da diese ab Januar nächsten Jahres in den Geschäften sein muss. Auf die Ideensammlungen folgen die Entwürfe mit konkreten Stoffmustern sowie die Erstellung von Verkaufsmustern. Im Anschluss daran wird die geplante Kollektion in unseren acht europäischen Showrooms vorgeführt, wo die versammelten Einkäufer – Mitarbeiter kleiner Boutiquen ebenso wie großer Einzelhändler wie P&C – ihre Bestellungen aufgeben. Erst danach starten wir mit der Produktion der Ware.


ITM: Mit wie vielen Partnern arbeiten Sie entlang der Liefer- und Produktionskette zusammen?
Taubald: Unsere Stoffe beziehen wir von rund 50 Lieferanten. Bezüglich kleinteiliger Materialien wie Knöpfen, Reißverschlüssen, Nähgarn o.ä. arbeiten wir mit weiteren 100 Betrieben zusammen. Hinzu kommt eine überschaubare Zahl an Produktionspartnern, beispielsweise in der Türkei, in Bosnien, Bulgarien oder China. Nicht zuletzt betreiben wir eigene Produktionsstandorte, allein in Rumänien etwa mit rund 300 Mitarbeitern.


ITM: Haben Sie die Lieferanten IT-seitig angebunden?
Taubald: Dies wollen wir bis spätestens 2016 umsetzen, wobei die Anbindung nicht an unsere interne IT, sondern an ein Drittsystem des Anbieters Setlog erfolgt. Auf diese Weise wird künftig jeder Partner mit dem externen „Tracking & Tracing“-Tool verknüpft sein. Somit können wir sämtliche Prozesse wie Bestellungen, Qualitätskontrollen und Logistik allein darüber abwickeln.


ITM: Wie sind Sie IT-seitig generell organisiert?
Taubald: Wir setzen auf die klassischen kurzen Wege im Mittelstand, in deren Rahmen sich die IT-Abteilung etwa bei anstehenden größeren Projekten eng mit der Geschäftsführung abstimmt. Dabei berichtet Herr Breier als IT-Verantwortlicher direkt an die Geschäftsleitung. Anschließend klären wir gemeinsam grundsätzliche Aspekte wie Budgetfragen, strategische Ausrichtung oder die Notwendigkeit umfangreicher Eigenentwicklungen.


ITM: Welchen Stellenwert besitzt die IT für Ihr Unternehmen?
Taubald: Mittlerweile stellen die IT-Systeme für unsere Mitarbeiter ein sehr wichtiges Arbeitsmittel dar, obwohl wir vor dem Hintergrund unserer Historie nicht gerade über randvolle Budgettöpfe verfügen.


ITM: Warum nicht?
Taubald: In den letzten Jahren durchlief Basler Fashion eine Restrukturierung, in deren Rahmen wir kurz vor dem Konkurs gerettet wurden. Momentan befinden wir uns in einer Phase des Neuaufbaus und der Stabilisierung. Von daher sind umfangreiche IT-Investitionen zunächst nicht geplant, und wir konzentrieren uns um sowohl zeitlich als auch finanziell überschaubare IT-Vorhaben.

Dennoch wollen wir mit den bestehenden Budgets wichtige Modernisierungsprojekte anstoßen, eines davon war die Optimierung unserer Output-Landschaft.


ITM: Herr Bruns, was waren die ausschlaggebenden Gründe?
Benedikt Bruns: Unsere frühere Umgebung umfasste ca. 285 Endgeräte unterschiedlicher Hersteller, wodurch wir eine unübersichtliche Gerätelandschaft im Einsatz hatten. Zudem waren die meisten Modelle technologisch veraltet und auch die Verwaltung der genutzten Druckertreiber und Firmware-Stände stellte eine große Herausforderung dar. Demzufolge wollten wir mit der Konsolidierung nicht nur die Anzahl der Geräte reduzieren, sondern auch die Administration vereinfachen sowie die Gesamtkosten deutlich reduzieren.

Mittlerweile nutzen wir bei 175 Geräten nur noch drei verschiedene Produktklassen. Dabei haben wir die Multifunktionsgeräte und Drucker jeweils an strategisch wichtigen Stellen innerhalb der einzelnen Abteilungen aufgestellt.


ITM: Worauf kam es Ihnen im Projektverlauf besonders an?
Breier: Im Output-Bereich müssen IT-Vorhaben schnell über die Bühne gehen, denn Drucker sind – ähnlich wie Telefon und E-Mail – äußerst geschäftskritisch und dürfen daher nicht über längere Zeiträume ausfallen.

Bruns: Von der Umstellung waren die rund 500 Mitarbeiter unserer Zentrale in Goldbach sowie weitere ca. 200 Kollegen in den Tochtergesellschaften und Filialen betroffen.


ITM: Wie konnten Sie eine für die Mitarbeiter einheitliche Druckumgebung schaffen?
Bruns: Hierfür nutzen wir die Print-and-Follow-Lösung „SequiMe“ von Kyocera. Damit können die Mitarbeiter von ihrem Arbeitsplatz aus einen Druckauftrag starten und diesen per Smartcard an jedem beliebigen Ausgabegerät im Unternehmen abholen. Desweiteren haben wir die Menüführung der Geräte ebenso vereinheitlicht wie die Funktionsauswahl.


ITM: Inwieweit konnten Sie die Wartung optimieren?
Bruns: Die Verwaltung unserer früheren, über Jahre gewachsenen Output-Flotte wurde immer komplexer und kostenintensiver. Da sich die Vertragslaufzeiten der eingesetzten Mietmodelle durchschnittlich auf 72 Monate beliefen, wurden insbesondere die älteren Modelle immer wartungsanfälliger. Im Zuge dessen hatten wir zunehmend mit Störfällen zu kämpfen, was nicht nur unsere eigenen Mitarbeiter verärgerte, sondern auch immer häufiger Vor-Ort-Besuche externer Techniker nach sich zog. Denn hinsichtlich Wartung und Support arbeiten wir mit einem externen Dienstleister zusammen.


ITM: Wie konnte der Supportaufwand verringert werden?
Bruns: Wir konnten den Administrationsaufwand u.a. dadurch reduzieren, dass wir nur noch auf einen Hersteller – nämlich Kyocera – setzen. Zudem hatten wir früher bei den Geräten ca. 30 verschiedene Modellarten, die wir nun auf sieben reduzieren konnten.


ITM: Was drucken Ihre Mitarbeiter vor allem aus?
Breier: Vorrangig klassische Office-Dokumente – und dies nicht nur in Goldbach, sondern auch in sämtlichen internationalen Filialen. Überdies betreiben wir ein eigenentwickeltes ERP-System auf dem Server IBM i, ehemals AS/400, über das wir Druckaufträge für Bestellungen, Lieferscheine oder Rechnungen anstoßen. Von daher musste die gesamte Warenwirtschaft in die Output-Landschaft integriert werden.


ITM: Worauf legten Sie im Projektverlauf besonderes Augenmerk?
Breier: Auf der Suche nach einem Partner haben wir uns viel Zeit für das Auswahlverfahren genommen. Fündig wurden wir bei der Büpak GmbH, einem Anbieter aus Aschaffenburg, der von Anfang an sehr strukturiert wirkte und Referenzen aus unserer Branche vorweisen konnte. Nicht zuletzt stimmte die Chemie zwischen den Projektbeteiligten.

Bruns: Die Rollout-Phase gestaltete sich zwar etwas stressig, gerade in Hinsicht auf den zeitlichen Aspekt. Letztlich lief jedoch alles glatt über die Bühne. In Deutschland stattete Büpak sämtliche Standorte mit neuen Geräten aus – inklusive Schulungen, auch der Filialmitarbeiter. Der Rollout in unseren ausländischen Dependancen wurde von Kyocera selbst vorgenommen.


ITM: Welche Prozesse waren vom Umstieg betroffen?
Breier: Das eingesetzte Dokumenten-Management-System (DMS) ließ sich problemlos an die neuen Geräte anbinden. Generell haben wir umfängliche Anpassungen im Gesamtunternehmen jedoch bewusst vermieden, auch um das Projekt zügig umsetzen zu können.

Bruns: Wie allgemein üblich haben wir vor der Konsolidierung eine Prozessanalyse der Output-Landschaft durchgeführt. An dieser Stelle galt es, Antworten auf folgende Fragen zu finden: In welchen Abteilungen und an welchen Arbeitsplätzen werden wie viele Dokumente ausgedruckt? An welchen Stellen können wir Geräte sinnvoll konsolidieren? In diesem Zusammenhang sind wir alle Standorte im Unternehmen abgelaufen und haben die Details in Raumplänen vermerkt, die wir eigens zu diesem Zweck erstellt haben. Für ein großes, über Jahrzehnte hinweg gewachsenes Unternehmensgebäude war dies kein einfaches Unterfangen. Natürlich haben wir auch intensiv mit den betroffenen Nutzern kommuniziert.


ITM: Auf den Einsatz welcher Modelle haben Sie sich geeinigt?
Bruns: Früher hatten wir etliche Farb-, Laser-, Monochromdrucker sowie Multifunktionsgeräte im Einsatz. Heute nutzen wir vorrangig monochrome Farb- und Laserdrucker sowie ausschließlich einen Farbtintenstrahldrucker in der Marketingabteilung. Überdies sind mehr Multifunktionsgeräte im Einsatz, wobei wir durchschnittlich sieben Drucker durch ein Multifunktionsgerät ersetzen konnten. Wir haben die Modelle erneut gemietet – diesmal mit einer Vertragslaufzeit von 60 Monaten.


ITM: Inwieweit hat sich das Druckverhalten der Mitarbeiter verändert?
Breier: Die Verwendung von Smartcards ermöglicht die Kostenkontrolle von einzelnen Abteilungen und Nutzern. Das neue Kartensystem hat die Mitarbeiter dahingehend sensibilisiert, verstärkt auf ihr Druckverhalten zu achten. Zudem sparen wir mit voreingestellten Standards wie Schwarzweiß- und Duplexdruck weitere Kosten.


ITM: Inwieweit ermöglichen Sie sicheres Drucken?
Bruns: Sensible Unternehmensbereiche wie die Personalabteilung oder die Geschäftsführung besitzen eigene Geräte, auf die keine anderen Mitarbeiter Zugriff erhalten.

Breier: Überdies haben wir die Scanvorgänge weiter abgesichert. So können die Mitarbeiter zwar Dokumente per OCR-Erkennung oder als PDF-Datei einscannen, der Versand ist jedoch nur an die eigene E-Mail-Adresse möglich. Erst vom eigenen Account aus können Dokumente dann weitergeleitet bzw. verarbeitet werden. Damit wollen wir vermeiden, dass kritische Informationen versehentlich an eine falsche Adresse verschickt werden.


ITM: Können Sie den zeitlichen Projektrahmen abstecken?
Bruns: Für das Output-Projekt benötigten wir von der Planung bis zum Livebetrieb rund zehn Monate. Dabei haben wir sehr viel Zeit auf die Ist-Analyse und die Soll Anforderung verwandt und uns erst im Anschluss auf die Suche nach einem Dienstleister gemacht. Der Rollout startete schließlich im Oktober 2013.


ITM: Warum haben Sie sich für Modelle von Kyocera entschieden?
Breier: Zuvor stammten rund 80 Prozent unserer Geräte von Ricoh und Samsung, die restlichen kamen – insbesondere im Farbumfeld – von Toshiba.

Bei der Auswahl der neuen Geräte achteten wir besonders auf moderne Technologien sowie ein gutes Preis-/Leistungsverhältnis. Zudem sollten sie sämtliche Einsatzfelder etwa in der Office-Welt, im Marketing und in der Logistik abdecken können. Nicht zuletzt verbesserte die Konsolidierung die Umweltbilanz des Gesamtunternehmens: Die Umstellung auf aktuelle, ressourcenschonendere Drucker und -Multifunktionssysteme resultiert in einer Reduzierung der CO2-Emissionen um 75 Tonnen über die Projektlaufzeit von fünf Jahren. Generell konnten wir mit den neuen Modellen rund 42 Prozent der Stromkosten sparen.


ITM: Wer traf die letztliche Projektenscheidung – der Einkauf oder die IT-Verantwortlichen?
Breier: Bei uns ist der technische Einkauf innerhalb der IT-Abteilung angesiedelt, so dass glücklicherweise nicht mehrere Fachbereiche in die Entscheidung involviert waren.


ITM: Welche weiteren IT-Vorhaben stehen bei Ihnen an?
Breier: Wie erwähnt bauen wir auf die IBM i als zentrale Plattform für unser Kernsystem, die Warenwirtschaft. Die Server-Hardware selbst wurde erst jüngst auf die aktuellen, leistungsstarken und kostengünstige Power 7 aufgerüstet.

Nachdem die Hardware auf dem neuesten Stand war, haben wir auch mit der Erneuerung des Warenwirtschaftssystems (WWS) selbst begonnen. Ein eigenentwickeltes Kernsystem wie unseres muss fortlaufend auf neue Anforderungen aus den Fachbereichen hin erweitert werden. Zudem sind wir gerade dabei, den Generationswechsel im Entwicklerteam einzuleiten. Dabei müssen die neuen Entwickler in die Lage versetzt werden, die bisherigen Codebausteine zu verstehen und zukünftig sinnvoll im Rahmen der Gesamtarchitektur der Software weiterzuentwickeln. Hierfür setzten wir durchgängig eine moderne Entwicklungsumgebung (RDi und PAAS) auf Basis des bekannten Eclipse-Frameworks ein. Außerdem wurde über ein automatisiertes Dokumentationstool der komplette Sourcecode visualisiert, so dass die Abhängigkeiten innerhalb der Module und untereinander gut sichtbar sind.


Unsere Nachwuchskräfte nehmen seit Oktober 2014 bereits an einem einjährigen Ausbildungsprogramm für Software-Entwickler auf IBM i teil. Das Programm heißt i-cademy und bietet einen Mix aus klassischen Präsenztrainings sowie Onlinemodulen.

Generell kann man sagen, dass wir das IT-Kernstück von Basler Fashion fortlaufend und nachhaltig auf den aktuellen Stand der Technik bringen und gleichzeitig die fachlichen Anforderungen aus unseren Fachabteilungen implementieren. Dennoch arbeiten wir hier bezüglich der Technologieauswahl, des Know-how-Transfers sowie der effizienten Projektdurchführung mit unserem strategischen IT-Development-Partner, der PKS Software GmbH aus Ravensburg zusammen. Unser kleines Entwicklungsteam wird von den PKS-Experten begleitet und personell verstärkt und kann sich daher auf die Anforderungen aus den Fachbereichen fokussieren.

Desweiteren ist die Microsoft-Welt für uns ebenfalls sehr wichtig. So betreiben wir neben den beiden größeren IBM-i-Servern auch über hundert virtuelle Windows-Server im VMware-Umfeld, sowie virtuelle Speichersysteme auf Basis von Datacore.


ITM: Arbeiten Sie auf der AS/400 noch mit dem Green Screen?
Breier: Ja, wobei wir im Moment eine moderne Oberfläche entwickeln. Damit soll unsere Software künftig per Webbrowser verfügbar sein, Medienbrüche vermeiden und eine intuitive Bedienbarkeit gewährleisten. Hierfür setzen wir auf die Integrationsplattform Excite. Damit können wir die vorhandenen Anwendungen integrieren und unsere Prozesse für die Fachabteilung optimieren. Es ergeben sich dabei Ansätze für eine Produktivitätssteigerung der Anwender um bis zu 25 Prozent. Das „Aufräumen“ der alten 5250-Masken macht auch die Einarbeitung neuer Mitarbeiter einfacher und verhindert fehlerhafte Dateneingaben.

Da es sich bei Excite um einen automatisierten, und dennoch flexiblen Ansatz handelt, bekommt unser Entwicklerteam wieder Luft, denn wir können „alte“ und neue Anwendungen nahtlos verschmelzen lassen. Die Re-Implementierung bereits vorhandener Businesslogik ist nicht erforderlich.

Nachdem wir die Browser-Oberfläche in den nächsten Monaten eingeführt haben werden, steht für eines der kommenden Quartale dann sicher auch einmal die Anbindung von mobilen Devices an. Hier hat Excite den Charme, dass man solch ein mobiles Frontend ganz einfach und performant auf Basis der Browser-Oberfläche erzeugen kann. Dadurch stellen wir sicher, dass wir mit unserem maßgeschneiderten WWS schnell und flexibel bei neuen Business-Anforderungen reagieren und somit die Wettbewerbsfähigkeit von Basler Fashion sichern können. Und ganz nebenbei sind natürlich vor allem unsere jungen Entwickler hochmotiviert, das WWS mit einem modernen Frontend zu versehen.


ITM: Über welche Kanäle rekrutieren Sie benötigtes IBM-i-Know-how?
Breier: Derzeit bemerken wir ein erhöhtes Engagement im Nachwuchsbereich. So existieren eine Vielzahl von Blogs, Communities und Veranstaltungen rund um diesen Midrange-Server, vorangetrieben etwa von der Anwendervereinigung Common Deutschland. Leider gab es einige Jahre nur Fortbildungsprogramme für Personal auf der i-Plattform. Doch mittlerweile haben Anbieter den Bedarf des Mittelstands erkannt und bieten wieder spezielle Ausbildungen für den Nachwuchs an. Daher haben wir uns auch dazu entschieden, eigene Fachinformatiker auszubilden und diese parallel zur betrieblichen Ausbildung und der klassischen Berufsschule auf die i-cademy zu schicken (siehe oben). Dadurch können wir die neuen Mitarbeiter schon von Beginn an unser Unternehmen binden und deren Prozesswissen speziell zu den Abläufen bei Basler Fashion auf- und ausbauen.

Ich denke, dass gerade für den Mittelstand die Bedeutung der Ausbildung über die klassischen IT-Berufe weiter steigen wird. Die Anbieter und Verbände im Markt haben dies verstanden, so dass sich auch deren Angebote entsprechend darauf auszurichten beginnen.

Frühere Bedenken, dass junge Nachwuchstalente nicht auf dieser Plattform entwickeln wollen, sind überholt. Denn auch RPG, die traditionelle Programmiersprache auf i, wird von Software-Experten in der neusten Version absolut ebenbürtig mit Java bewertet. RPG ist inzwischen durch die konsequente Weiterentwicklung hin zu Free Format, Embedded SQL oder integriertem XML gleichwertig mit den noch jüngeren Programmiersprachen wie Java und .Net zu sehen. Da aber die Unternehmen gerade auch Know-how in den klassischen AS/400- und RPG-Bereichen benötigen, um die traditionellen Kernanwendungen fit für heutige und zukünftige Anforderungen zu machen, haben die jungen Nachwuchskräfte längst erkannt, dass sie über solches Wissen ein attraktiveres Einstiegsgehalt erzielen und sich für die Unternehmen zu einem strategisch wichtigen Knowhow-Träger etablieren können. Dadurch sichern sich die jungen Leute natürlich auch langfristig ihre Karrierechancen.


ITM: Was spricht aus Ihrer Sicht für diesen Server?
Breier: Unserer Ansicht nach ist besonders die Zuverlässigkeit, Performance und Sicherheit der Plattform allen anderen weit voraus. Durch das Versprechen des Herstellers, Betriebssystem und Anwendungsprogramme von der Hardwaretechnologie zu entkoppeln, konnten die Firmen ihre maßgeschneiderten Software-Anwendungen zudem über viele Technologiegenerationen hinweg einfach „mitnehmen“, ohne das Rad wieder neu erfinden zu müssen. Die heute in Produktion befindlichen, stabilen und fachlich hervorragenden Anwendungen sind der Beweis dafür.

Zudem gibt es keine andere Plattform, die mit wenigen Personen in der Serveradministration tausende von Nutzern bedienen lässt. Gerade in Zeiten immer knapper werdender Fachkräfte ist dies allein ein wichtiger Grund, auf die Plattform zu setzen, gerade für den Mittelstand.


Nicht zuletzt hat der Hersteller Technologien wie Virtualisierung bereits seit Jahren ins Betriebssystem integriert. Auch die relationale Datenbank ist mit integriert. Somit ist es eine echte Cloud-Plattform und erlebt gerade in den letzten 12 bis 24 Monaten eine unglaubliche Renaissance in der Akzeptanz bei Analysten, Entscheidern und auch bei den IT-Architekten.

Leider ist es Big Blue in den vergangenen Jahren oft nicht gut gelungen, die technologische Vorreiterrolle gegenüber den viel fragileren und unzuverlässigeren Windows- und Unix-Servern im Markt darzulegen. Doch heute sprechen schon allein die um bis zu 85 Prozent niedrigeren Anschaffungs- und Administrationskosten für die Plattform eine klare Sprache.


ITM: Inwieweit sind Themen wie IT-Outsourcing oder Cloud Computing für Ihr Unternehmen interessant?
Taubald: In gewissen Bereichen verlagern wir Dienste nach außen, so setzen wir beispielsweise seit längerem auf Managed Security Services. Zudem haben wir den Betrieb unserer SAP-Software, die wir für Finanzen, Controlling sowie das Personalmanagement einsetzen, an einen externen Partner ausgelagert. Wir selbst besitzen – bis auf wenige Key User – kein eigenes SAP-Know-how, sondern vertrauen vorrangig auf externe Unterstützung.


Henry Taubald

  • Alter: 62 Jahre
  • Familienstand: verheiratet, zwei Kinder
  • Werdegang: Geschäftsführer Markant Deutschland, CEO Markant AG Schweiz, Geschäftsführer Arcandor Cooperate Service Group GmbH, Geschäftsführer S.Oliver, Geschäftsführer Basler Fashion GmbH
  • Derzeitige Position: Geschäftsführer bei Basler Fashion

 

Marco Breier

  • Alter: 38 Jahre
  • Familienstand: verheiratet, zwei Kinder
  • Werdegang: Systemadministrator, Leiter Rechenzentrum, Leiter IT
  • Derzeitige Position: Leiter IT bei Basler Fashion
  • Hobbys: Kampfkunst, Funktionale Fitness, Fotografie


Benedikt Bruns

  • Alter: 25 Jahre
  • Familienstand: ledig
  • Werdegang: Ausbildung zum Industriekaufmann, Systemadministrator
  • Derzeitige Position: Systemadministrator bei Basler Fashion
  • Hobbys: Fußball-Schiedsrichter, Ausdauersport

 

Die Basler Fashion GmbH
 1936 in Berlin gegründet, ist Basler heute ein international aufgestelltes und stark expandierendes Unternehmen. Als eine der wenigen deutschen Marken betreibt man weltweit über 151 eigene Monobrand-Shops & Stores und ist mit 1.632 Verkaufsstellen in 60 Ländern vertreten. Darauf aufbauend verfolgt man auch für die Zukunft einen stetigen Aufbau der Markenpräsenz im In- und Ausland.

Die Kollektion steht nicht nur für Femininität und zeitlose Eleganz, sondern auch für höchste Qualität und ein besonderes Gespür für Farben und Drucke. Der Anbieter macht Mode für Frauen, die Anmut, Sinnlichkeit und Selbstbewusstsein in sich vereinen – unabhängig von Alter und Konfektionsgröße.

  • Branchen: Mode/Textil, Einzelhandel
  • Standort: Goldbach bei Aschaffenburg
  • Mitarbeiter: rund 1.100
  • www.basler-fashion.com

 

 

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