Alles dreht sich um die indirekte Nutzung

DSAG als Initiator des neuen SAP-Lizenzmodells

Andreas Oczko ist Vorstand Operations, Services & Support der deutschsprachigen SAP-Anwendervereinigung DSAG. Wir fragten ihn nach seiner Beurteilung des neuen SAP-Lizenzmodells. Er sieht die Ansätze positiv, räumt zugleich aber ein, dass es noch einiges zu tun gebe.

  • Karussell

    Dauerbrenner indirekte Nutzung – mit dem neuen Lizenzmodell vielleicht schon bald ein wenig transparenter.

  • DSAG-Vorstand Andreas Oczko

    „Wir müssen mit den DSAG-Mitgliedern noch herausfinden, ob der Preis für das dokumentenbasierte Modell wirklich der richtige ist. Wir stehen gerade einmal unten am Berg, den Gipfel müssen wir erst noch erklimmen“, blickt DSAG-Vorstand Andreas Oczko in die Zukunft.

ITM: Herr Oczko, in welcher Weise reduzieren die neuen Bestimmungen der SAP die Komplexität der Lizenzierungsthematik für SAP-Kunden?
Andreas Oczko: Die Anwender müssen lediglich über das Vermessungsprogramm Dokumente zählen. Stand heute funktioniert dieses Zählen aber nur für das neueste Hana-Release. Für andere Releases kommt es erst noch.

Wenngleich das neue Modell weniger komplex ist, bleibt zu klären, wie sich die Anzahl der Dokumente entwickeln und wie die Abhängigkeit der Anzahl der Dokumente von den Geschäftsprozessen aussehen wird. Noch können wir dies nicht abschließend beantworten. Ebenso ist die Frage noch offen, ob es im Vergleich zu den heutigen Lizenzierungsbedingungen künftig teurer oder perspektivisch günstiger für die Anwender wird. Beides ist wohl kundenindividuell. Dies ist auch der Grund, warum SAP die neuen Regelungen als Option und nicht als Pflicht präsentiert.

ITM: Inwiefern war die DSAG bei der Ausarbeitung der neuen Lizenzbedingungen involviert?
Oczko: Die DSAG brachte den Stein zur Sapphire 2017 (Treffen von SAP-Partnern und -Anwendern, Anm. d. Red.) ins Rollen. Damals stellten wir klar, dass die Ankündigung von SAP zur indirekten Nutzung für uns als Vertreter der Anwender nicht ausreicht. Beim DSAG-Jahreskongress 2017 in Bremen trieben wir das Thema dann weiter voran und erhielten erste konkrete Zusagen des SAP-Vorstands. Anschließend kontaktierten wir den Vorstand nochmals und es wurden Workshops ins Leben gerufen, an denen die DSAG und andere internationale Anwendergruppen beteiligt waren. Unser Input war richtungsweisend.

ITM: Was wurde im Sinne der Anwender erreicht, wo besteht Verbesserungsbedarf?
Oczko: Es wäre falsch, die Ankündigung zum neuen Lizenzmodell im Rahmen der indirekten Nutzung auf Verbesserungen zu reduzieren. SAP hat unsere Kritik realisiert und akzeptiert. Die DSAG hat Problemfelder aufgezeigt, woraufhin SAP reagierte, indem sie den Vertriebsbereich sowie die Bereiche Compliance und Lizenzaudit neu aufgestellt hat. Das ist ein gewaltiger Schritt.

Wir haben deutliche Verbesserungen bei der Definition von indirekter Nutzung im Interesse der Kunden erreicht und befinden uns bei weiteren Themen noch in Gesprächen. Wir müssen die Regelungen dahingehend schärfen, dass gerade auch die Kunden mit Bestandsverträgen profitieren. Zudem muss es für Kunden einfacher werden, die sich nicht für das neue Modell entscheiden können oder wollen. Und wir müssen mit den DSAG-Mitgliedern noch herausfinden, ob der Preis für das dokumentenbasierte Modell wirklich der richtige ist. Wir stehen also gerade einmal unten am Berg, den Gipfel müssen wir erst noch erklimmen.

ITM: Welche Rolle spielt der Zugriff von Maschinen auf SAP-Daten, der in Zeiten von Industrie 4.0 rasant zunimmt?
Oczko: Wir müssen weg von der Vorstellung, dass ein Roboter eine Maschine mit Kopf, Schaltzentrale und Beinen ist. Künstliche Intelligenz oder Bots können auch auf Karten in Maschinen oder PCs verborgen sein und es wird die Technologie sein, die die Prozesse verändert. Hier greift das traditionelle SAP-Lizenzmodell dann nicht mehr, weil es auf den menschlichen Datenzugriff ausgerichtet ist.

ITM: Wie sollten Unternehmen vorgehen, die die alten gegen die neuen Lizenzbedingungen „tauschen“ wollen?
Oczko: Wir raten unseren Anwendern, sich erst einmal mit dem neuen Modell auseinanderzusetzen. Wenn sie früher SAP- und Nicht-SAP-Anwendungen betrieben, die miteinander kommunizieren, und jeder Mitarbeiter, der in dieser Landschaft aktiv war, eine SAP-Lizenz hatte, war das Thema indirekte Nutzung erledigt. Die indirekte Nutzung war über die Named-User-Lizenzen gelöst.

Doch bei dem neuen Modell müssen sich Anwender damit auseinandersetzen, dass künftig auch die Schnittstellen gezählt werden, die in den Named-User-Lizenzen enthalten waren. Sie müssen sich also fragen, was das für ihr Geschäftsmodell bedeutet. Dieses Feedback sollten sie mit der Anwendergemeinschaft teilen (lizenzen@dsag.de), was als Basis für eine Überarbeitung des Modells dienen kann.

ITM: Wie lange wird ein Umstieg voraussichtlich dauern?
Oczko: Genau wissen wir es nicht, es lassen sich jedoch einige Parameter annehmen: Mit einem sehr einfachen Vertrag und einer sehr einfachen Infrastruktur kann der Umstieg schnell gehen. Für große Unternehmen mit vielen Systemen wird der Umstieg allerdings sehr aufwendig sein. Derzeit ist vorgesehen, dass für die Umstellung ein aktuelles Support-Package eingespielt werden muss. Allerdings sind noch nicht alle Release-Stände für das neue dokumentenbasierte Modell fertig, was laut SAP bis mindestens Ende 2018 dauert. Ein Austausch innerhalb der DSAG ist hier sehr nützlich. Es gibt zwar noch keinen Leitfaden, dafür aber eine Landingpage für Mitglieder (www.dsag.de/lizenzen), die wir kontinuierlich weiterentwickeln.

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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