Hilfe in der Corona-Krise

Hackathon liefert digitale Lösungen

Das Coronavirus stellt für viele Unternehmen ein enormes Problem dar. Damit diese einen möglichst geringen Schaden durch die Krise erleiden, hat die Bundesregierung zu einem Hackathon aufgerufen. Anja Hendel, Managing Direktor von Diconium, geht im Interview auf dieses Thema ein und erklärt, welche Lösungen bereits gefunden wurden.

Anja Hendel, Managing Direktor von Diconium

Anja Hendel, Managing Director von Diconium, hat sich selbst am Hackathon beteiligt und bei der Entwicklung von „Small Business Hero“ mitgewirkt.

ITM: Frau Hendel, das Coronavirus wirkt sich längst nicht mehr nur auf die Gesundheit der Menschen aus, sondern ist auch in der Wirtschaft angekommen. Welche Sorgen und Ängste haben Unternehmer im Moment?
Anja Hendel:
Alle Pläne wurden innerhalb kürzester Zeit über den Haufen geworfen. In den letzten Wochen wurde, wo möglich, wertschöpfende Arbeit ins Home Office verlagert – aber für einige Branchen ist das schlichtweg keine Option, beispielsweise in der Logistik oder Produktion von Gütern. Hier ist der Einklang zwischen gesellschaftlicher Verantwortlichkeit, der Gesundheit der Mitarbeiter und der wirtschaftlichen Basis – also der Existenz der Unternehmen – zu finden. Neben diesen sehr akuten Herausforderungen liegt vor uns auch eine sehr unsichere Zukunft. Die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Folgen der Krise sind aktuell nur sehr schwer prognostizierbar.

ITM: Was bedeutet das für Angestellte und Gesellschaft?
Hendel:
Die Corona-Krise verändert global viele wesentliche Aspekte unseres Lebens. Veränderung bringt immer Unsicherheit mit sich. Solche, durch teilweise drastische Veränderungen geprägte Zeiten, zeigen uns, dass wir uns aus unserer Komfortzone herausbewegen müssen und nicht einfach weitermachen können wie bisher.

ITM: Was wäre nötig, um den Schaden möglichst gering zu halten?
Hendel:
Jede Krise birgt auch Chancen. Statt also in eine Schockstarre zu verfallen, gilt es nun nach Lösungen zu suchen, Altbewährtes hinter sich zu lassen und Dinge neu zu denken. Denn bei aller Unsicherheit ist eines für mich klar: Die Welt nach Corona wird eine digitalere sein.

ITM: Inwiefern wurde diesbezüglich bereits gehandelt?
Hendel:
Mit großer Begeisterung habe ich zusammen mit 42.000 Menschen am #wirvsvirus Hackathon der Bundesregierung teilgenommen. Ich bin noch immer sehr begeistert von der Energie der Veranstaltung. Es führt vor Augen, wie viel möglich ist, wenn alle an einem gemeinsamen Ziel arbeiten.

ITM: Welche möglichen Lösungen konnten bereits aus dem Bundesregierungs-Hackathon generiert werden?
Hendel:
Aus dem Hackathon sind ca. 1.500 Projekte aus den unterschiedlichsten Bereichen hervorgegangen. Zum Beispiel entstand das Projekt „Virtual School Buddies“, das virtuelle Lernräume für Schüler, Lehrer und auch Eltern zur Verfügung stellt. Ein weiteres Projekt ist „CoronaQueue“, das die Wartezeit in Hotlines zur telefonischen Beantwortung von Fragen der Bevölkerung rund um das Virus verkürzt und durch automatische Priorisierung die effiziente Bearbeitung der Anrufe ermöglicht. Unter dem Hashtag #hilfekannnichtwarten entwickelte ein weiteres Team Online-Sprechstunden mit dem Projekt „Ayouto“. Es ist großartig zu sehen, wie viele Entwicklerteams sich in diesem Hackathon eingebracht haben, Solidarität zu zeigen und praktische Lösungen bereitzustellen, die uns allen durch die schwierige Zeit helfen.

ITM: Wie lange dauert es, bis es zur Anwendung solcher Lösungen kommt?
Hendel:
Ich selbst habe im Hackathon an der Entwicklung von „Small Business Hero“ mitgewirkt, einer Plattform für kleine Einzelhändler. Das Team unterstützt ganz explizit kleine Ladenbesitzer, um deren Angebote schnell online verfügbar zu machen. So kann jede und jeder seinen persönlichen Lieblingsladen an der Ecke auch in Zeiten der Krise durch die eigene Kaufkraft unterstützen. Das Projekt ist bereits seit Ende des Hackathons funktionsfähig und unterstützt bereits die ersten Kleinunternehmer. Während des Betriebs dieser Lösung werden sicherlich noch sehr viel Zeit und Energie in die Details fließen, um das Projekt zu perfektionieren. Aber uns war wichtig, möglichst schnell handfeste Unterstützung anbieten zu können und weniger, dass von vorn herein alle Details stimmen.

ITM: Wer profitiert alles davon?
Hendel:
Diejenigen, die bisher nicht das Budget hatten, einen eigenen Online-Shop aufzubauen. Im besten Fall profitiert von solchen schnell zur Verfügung gestellten Lösungen jedoch die gesamte Gesellschaft. Solidarisches Denken und Handeln ist für uns heute leider keine Gewohnheit mehr und viel zu häufig fokussieren wir uns zu sehr auf uns allein, anstelle an das Gemeinwohl zu denken. Ich persönlich freue mich daher umso mehr, dass im Zuge des Hackathons so viele Projekte von Teams aufgrund derer Bedürfnisse entstanden sind, helfen zu wollen. Hoffentlich können wir uns dieses solidarische Handeln, das wir uns in diesen schwierigen Zeiten vielleicht wieder stärker ins Bewusstsein rufen, noch länger bewahren.

ITM: Welche Folgen hätte es, wenn jetzt nicht schnell die Initiative ergriffen werden würde?
Hendel:
Die Ausmaße und Folgen der aktuellen Lage sind für niemanden absehbar. So eine Situation ist für alle völlig unbekannt. Jetzt liegt es an uns, durch Solidarität und Kollaboration digitaler und gestärkt aus der Krise hervorzugehen.

Ein Beispiel aus dem Hackathon-Projekt

Wir von hier – Direkt zu Dir

Die Wirvonhier-App soll beispielsweise Kunden mit Einzelhändlern in der direkten Umgebung vernetzen. So soll das Shopping-Erlebnis – auch bei geschlossenen Geschäften – möglich sein und zu den Kunden nach Hause kommen. Der Unterschied zum üblichen Online-Shop ist, dass Kunden mit Händlern u.a. durch Videotelefonie in direkten Kontakt treten können. Lokale Einzelhändler benötigen dafür keine IT-Kenntnisse und bekommen zuvor Tipps bei der Umsetzung.
www.wirvonhier.net

Bildquelle: Diconium

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