Günstige Alternativen für den Mittelstand

Hardware aus zweiter Hand

Hardware aus zweiter Hand kann für mittelständische Unternehmen eine kostengünstige Alternative zum Neukauf darstellen. Zumindest, wenn Wartung und die Verfügbarkeit von Ersatzteilen weiterhin sichergestellt sind, erklärt Reinhold Aschenbrenner von Fujitsu.

Reinhold Aschenbrenner, Fujitsu

Reinhold Aschenbrenner, Supply-Chain-Manager bei Fujitsu

ITM: Herr Aschenbrenner, Stichwort Lebenszyklus-Management: Nach wie vielen Jahren sollten wichtige Komponenten im Rechenzentren wie Server, Storage, Racks, USVs oder Klimaanlagen möglichst ausgetauscht werden?
Reinhold Aschenbrenner:
Das lässt sich pauschal schwer sagen, da dies stark vom individuellen Nutzungsverhalten und den Anforderungen des jeweiligen Anwenders sowie dem Auslastungsgrad der Hardware abhängt. Aus technischer Sicht kann die Hardware theoretisch meist länger genutzt werden, als dies praktisch oft der Fall ist.

ITM: In welchen Abständen sollte man die Arbeitsplatzumgebung (PCs, Drucker, Multifunktionsgeräte, mobile Devices) erneuern?
Aschenbrenner:
Bei Büroarbeitsplatzgeräten verhält es sich ähnlich wie bei der im Rechenzentrum eingesetzten Hardware. Maßstab für den „erforderlichen“ Austausch von Komponenten bildet nicht die technische Funktionsfähigkeit oder etwa ein drohender Verschleiß der Hardware. Vielmehr steht hier der Anspruch des Nutzers im Vordergrund, regelmäßig ein neues Gerät verwenden zu wollen.

ITM: Welches sind Ihrer Ansicht nach für Unternehmen die entscheidenden Kriterien für den Kauf gebrauchter oder recycelter Hardware?
Aschenbrenner:
Hier gilt es im Wesentlichen drei Kriterien zu betrachten:
- Preis: Gebrauchte Geräte sind, obwohl häufig in den Performance-Werten nur geringfügig hinter Neugeräten angesiedelt, zu deutlich günstigeren Preisen zu bekommen als die Geräte, die erst seit wenigen Tagen oder Wochen auf dem Markt sind.
- Verfügbarkeit: Gebrauchte Geräte sind in der Regel sehr schnell verfügbar und sofort einsetzbar. Sie eignen sich somit ideal für den direkten Ersatz von defekten Geräten.
- Kompatibilität: Gebrauchte Geräte – insbesondere bei Ersatz- oder Erweiterungsbedarf einer existierenden Infrastruktur – fügen sich perfekt in die vorhandene Gerätelandschaft ein. Identische Betriebssysteme und Anwendungsprogramme, Ersatzteilvorräte und technisches Know-how der betreuenden Servicemitarbeiter erleichtern die Inbetriebnahme und den anschließenden sicheren Betrieb der Gerätschaften in einer homogenen Infrastruktur.

ITM: Welche „Hardware aus zweiter Hand“ fragen die Anwenderunternehmen derzeit am häufigsten nach? Und warum ist das so?
Aschenbrenner:
Im geschäftlichen Umfeld wird hierzu nahezu die gesamte IT-Produktpalette angefragt – von PC und Notebook, Bildschirm bis zu Servern und komplexen Storage-Umgebungen. Da Unternehmen oft unter Kostendruck stehen, lassen sich durch die Anschaffung gebrauchter Hardware hohe Einsparpotentiale erzielen. Zudem hält die Technik älterer Generationen oft noch Jahre mit den realen Anforderungen von Unternehmen mit.

ITM: Was sollten Anwenderunternehmen beim Kauf von gebrauchter Hardware auf jeden Fall beachten? Gibt es bekannte „Schwachstellen“ von gebrauchter Hardware?
Aschenbrenner:
Sofern die Geräte von zuverlässigen, professionellen Anbietern erworben werden, gibt es in Bezug auf die Zuverlässigkeit der Geräte keine Vorbehalte. Wichtig ist, dass die Verfügbarkeit von Originalersatzteilen weiterhin sichergestellt werden kann und auch der technische Support für beispielsweise das eingesetzte Betriebssystem noch ausreichend lang erhalten bleibt. Als Schwachstelle kann sich lediglich der Akku der mobilen Geräte erweisen, da dieser einer höheren Alterung unterliegt als die übrige Hardware. Daher ist es beispielsweise bei Notebooks von Vorteil, wenn Akkus nicht fest verbaut sind, sondern einfach – auch vom Nutzer selbst – ausgetauscht werden können.

ITM: Wie sieht die Garantieleistung bzw. der Support/die Wartung für gebrauchte Geräte in der Regel aus?
Aschenbrenner:
Bei dem von Fujitsu seit vielen Jahren praktizierten Geschäftsmodell mit gebrauchten Geräten aus dem hauseigenen Remarketing stellt die Übernahme der Geräte in Wartungsverträge der Service-Organisation keinerlei Probleme dar. Hier ist sowohl die Verfügbarkeit von Ersatzteilen als auch der technische Support für die Geräte analog zum Neugerätegeschäft sichergestellt. Auf dem freien Markt für Gebrauchtgeräte werden sehr unterschiedliche Modelle angeboten. Grundsätzlich gilt die gesetzlich verankerte Garantie von zwölf Monaten für Gebrauchtgeräte. In vielen Fällen lässt sich diese jedoch durch individuelle Garantievereinbarungen erweitern.

ITM: Auch der Lebenszyklus gebrauchter Hardware ist einmal abgelaufen. Worauf kommt es bei der Entsorgung der „Altlasten“ insbesondere unter Nachhaltigkeits- und Umweltaspekten an?
Aschenbrenner:
Da Gebrauchtgeräte selten älter als acht bis zehn Jahre sind, wenn sie endgültig abgeschaltet werden, ist die umweltgerechte Entsorgung keine große Herausforderung. Spätestens seit Inkrafttreten des Elektro- und Elektronikgerätegesetzes (ElektroG) im Jahr 2005 ist in Deutschland, wie auch in den meisten übrigen europäischen Ländern, sowohl bei der Herstellung als auch bei der Rücknahme und umweltverträglichen Entsorgung der Elektro- und Elektronikgeräte ein hoher Standard etabliert. Allerdings obliegt es der Eigenverantwortung des Nutzers, die Geräte den vorgesehenen Entsorgungswegen zuzuführen und nicht etwa einfach in die Mülltonne zu werfen.

ITM: Stichwort Sicherheit: Wie kann man sichergehen, dass bei der Entsorgung von Hardware nicht irgendwo eine Festplatte mit sensiblen Firmendaten verlorengeht oder Daten nicht unwiederbringlich gelöscht werden?
Aschenbrenner:
Das hängt von der Sensibilität des Nutzers ab. Eine verantwortungsvolle Auswahl des Entsorgungsweges, beispielsweise über einen für diese Materialien qualifizierten Entsorgungsfachbetrieb, bietet dem Besitzer alle Möglichkeiten, ein Bearbeitungsverfahren zu vereinbaren, dass seinen Ansprüchen gerecht wird. Das Angebot reicht hier häufig von der Löschung per Software mit speziellen dafür freigegebenen Programmen bis zur zertifizierten physikalischen Datenträgervernichtung. Geräte mit potentiell sensiblen Daten sollten weder in den Sammelcontainer am Recyclinghof geworfen noch auf Verkaufsplattformen im Internet angeboten werden.

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