Dynamische Entwicklung trifft auf Nachhaltigkeit

Innovation im Maschinenbau

ERP-Systeme bilden das Herz zukunftsorientierter IT-Organismen. Ihr Takt entscheidet darüber, wie effektiv Geschäftsprozesse abgewickelt werden. Ein ERP-Umstieg läutete 2019 beim Maschinen- und Anlagenbauexperten SPRINGER eine Zeitenwende ein.

  • Dynamische Entwicklung trifft auf Nachhaltigkeit

    Das Unternehmen SPRINGER mit Hauptsitz im österreichischen Friesach plant, entwickelt und produziert Industrieanlagen und digitale Lösungen für die holzverarbeitende Industrie.

  • Dynamische Entwicklung trifft auf Nachhaltigkeit

    Florin Mihaiu: „Bei der Planung von Geschäftsstrategien ist es uns wichtig, die IT-Infrastruktur unseres Unternehmens zu berücksichtigen.“

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    „Ein weiterer Erfolgsfaktor ist die gezielte Kooperation mit Start-ups mit den Schwerpunkten ,IoT‘, ,Predictive Maintenance‘ oder ‚KI‘“, sagt Manuel Seiß.

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    Yvonne Ache: „Ein weiteres Projekt, das aus der Vielzahl der ERP-Projekte heraussticht und sicher zukunftsweisend ist, ist die Teilautomatisierung von Bestellprozessen.“

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    „Das Smartphone ist nicht mehr der Arbeitsplatz der Zukunft, sondern der Arbeitsplatz der Gegenwart“, ist Manuel Seiß überzeugt.

Als nachwachsender Rohstoff ist Holz in den vergangenen Jahren zu einer Art Synonym für Nachhaltigkeit geworden. Holz wird heute von Experten als „das“ Baumaterial der Zukunft betrachtet. Nicht nur klassische Wohnhäuser, selbst große Konzerthallen oder ganze Fußballstadien werden heute in Holzbauweise errichtet. Mit seinen Systemlösungen für die holzverarbeitende Industrie adressiert SPRINGER ein fulminant wachsendes Marktsegment. Sowohl bei der Konzeption seiner hochmodernen Maschinen und Anlagen als auch bei der Abwicklung seiner internen Geschäftsprozesse bedient sich das Unternehmen konsequent moderner Digitaltechnologien. Das Spektrum reicht von Mixed-Reality-Anwendungen, über innovative Internet-of-Things-Plattformen (IoT) zur Generierung digitaler Zwillinge bis hin zu Künstliche-Intelligenz-Applikationen (KI).

IT-MITTELSTAND sprach mit den Unternehmensverantwortlichen CFO Manuel Seiß, CIO Florin Mihaiu und der Development-Operations-Expertin Yvonne Ache über das Selbstverständnis der SPRINGER Maschinenfabrik. Im Gespräch vermitteln die Experten einen Eindruck davon, wie es dem Unternehmen mittels intelligenter Organisationsstrukturen und zukunftsorientierter IT-Konzepte gelungen ist, die Begriffe „innovativ, digital und grün“ erfolgreich miteinander in Einklang zu bringen.

ITM: Herr Seiß, die SPRINGER Maschinenfabrik agiert mit ihren Anlagen und Systemlösungen für die Holzindustrie in einem sich extrem dynamisch entwickelnden Marktsegment. Mit welchen Herausforderungen sind Sie konfrontiert?
Manuel Seiß: Um den sich dynamisch entwickelnden Absatzmärkten gerecht zu werden, ist auch eine dynamische Entwicklung unserer Unternehmensprozesse unerlässlich. Dabei steht ein nachhaltiges und profitables Unternehmenswachstum an oberster Stelle. Beispielsweise hat sich unsere Mitarbeiterzahl in den vergangenen Jahren auf aktuell rund 500 mehr als verdoppelt. Anders ist der enorm wachsende Auftragsstand nicht zu handhaben. Aktuell verfügen wir über eine sehr gute Auslastung und eine Auftragsreichweite bis in das Q4 2024. 

ITM: Wie gelingt es Ihnen, Ihren Bedarf an Fachkräften zu decken?
Seiß: Viele Firmen scheuen davor zurück, umfassende Konzepte zu entwickeln, um insbesondere junge und qualifizierte Mitarbeiter zu bekommen, und jammern stattdessen über den allgegenwärtigen Fachkräftemangel. Das ist in Österreich genauso wie in Deutschland oder vielen anderen mitteleuropäischen Ländern. Hier unterscheidet sich unser Unternehmen grundsätzlich und beschreitet neue Wege. Kernelement ist ein eigenes Ausbildungszentrum mit 50 Plätzen, in dem Lehrlinge in Fächern wie Maschinenbautechnik, Mechatronik, Programmierung oder Automatisierung ausgebildet werden. Bei einer drei- bis vierjährigen Ausbildungszeit fließen uns jährlich mindestens zehn neue Mitarbeiter zu. Darüber hinaus suchen wir die Zusammenarbeit mit Universitäten und bieten Studierenden die Möglichkeit, Praktika oder Abschlussarbeiten in unserem Hause durchzuführen. Ein weiterer Erfolgsfaktor ist die gezielte Kooperation mit Start-ups mit den Schwerpunkten „IoT“, „Predictive Maintenance“ und „KI“. Als Ergebnis all dieser Aktivitäten besteht unser Personal zum überwiegenden Teil aus einem Team von jungen und gleichermaßen qualifizierten wie engagierten Fachleuten. Eine Tatsache, die sich im Durchschnittsalter der Belegschaft widerspiegelt – dieses liegt bei 34.

ITM: Wie würden Sie – auf einen Nenner gebracht – Ihre Unternehmenskultur beschreiben?
Seiß: Wir beobachten neue technologische Entwicklungen sehr genau und prüfen sie auf Nutzen für unser Business. Wir sind Early Adopter und setzen konsequent auf den Einsatz neuester Technologien, um unseren Kunden innovative Produkte und Lösungen anzubieten. Unsere Mitarbeiter bringen frischen Wind ein, um unser Unternehmen kontinuierlich voranzutreiben und weiterzuentwickeln. Sie haben – analog zu unserer Unternehmensfarbe –, wie wir es nennen, „grünes Blut“. Die daraus erwachsene Dynamik und Innovationskraft sind das Herzstück unseres Erfolgs. Als Technologieführer sind wir stets auf der Suche nach neuen Ansätzen und Konzepten, um unseren Kunden die – innerhalb unserer Branche – besten Produkte und Dienstleistungen anbieten zu können.

ITM: Damit Ihre Mitarbeiter ihre kreativen Ideen in technologische Innovationen umwandeln können, benötigen sie auch moderne Arbeitsumgebungen und Arbeitsmittel. Welchen Stellenwert, Herr Mihaiu, hat in Ihrem Hause die IT-Infrastruktur?
Florin Mihaiu: Über eine eigene, zukunftsorientierte IT-Infrastruktur zu verfügen, spielt bei uns bei nahezu allen wirtschaftlich-strategischen Entscheidungen eine wichtige Rolle. Eine effiziente und zuverlässige Systemlandschaft steigert die Produktivität der Mitarbeiter und versetzt uns in die Lage, Prozesse zu optimieren und Service-Angebote zu verbessern. Bei der Planung von Geschäftsstrategien ist es uns daher wichtig, die IT-Infrastruktur unseres Unternehmens zu berücksichtigen und sicherzustellen, dass diese den gesetzten Anforderungen und Zielen entspricht. Unter vielen Aspekten ist das Beste gerade gut genug. Wir haben in den vergangenen Jahren sehr viel in Themen wie Digitalisierung und Infrastruktur investiert. Gerade sind wir dabei, das neue unternehmenseigene Datacenter in Betrieb zu nehmen – ein Rechenzentrum, welches die höchsten aktuellen Hardware- und nicht zuletzt auch Sicherheitsstandards erfüllt.

ITM: Können Sie Angaben zur Höhe der Investitionen machen, die bei Ihnen jährlich in Digitalisierungs- und IT-Projekte fließen?
Mihaiu: Bei einem jährlichen Unternehmensumsatz im dreistelligen Millionenbereich sind es im Mittel 1 bis 2 Prozent. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass es bei geplanten Investitionen nicht nur um die Bereitstellung der notwendigen Summen seitens der Geschäftsführung geht. In vielen Planungs-Meetings, insbesondere wenn es um konkrete Digitalisierungsprojekte geht, sitzen die zwei Geschäftsführer Timo Springer und Gero Springer mit am Tisch und beeindrucken die IT-Experten mit fundiertem Hintergrundwissen und konstruktiven Vorschlägen.

ITM: Wie ist Ihre IT-Infrastruktur in groben Zügen aufgebaut und wie wird sie gemanagt? In Eigenregie oder mit Unterstützung externer Dienstleister?
Mihaiu: Wir haben schon sehr früh die Vorteile virtueller Umgebungen erkannt und setzen sie mit großem Erfolg ein. Zu Beginn der Pandemie mussten viele Firmen aufgrund des Lockdowns improvisieren. Wir haben es geschafft, innerhalb von nur zwei Tagen einen überwiegenden Teil der Belegschaft ins Homeoffice zu verlegen. Aktuell nutzen wir ein Hybridsystem, bei dem wir für den Konstruktionsprozess und die Erstellung digitaler Zwillinge unserer Anlagen 3D-Anwendungen einsetzen. Diese Tätigkeiten erfordern eine hohe Grafikleistung, die mit den aktuellen Cloud-Varianten nicht zufriedenstellend zu lösen war. Deshalb betreiben wir unser eigenes Rechenzentrum. Das schließt jedoch nicht aus, dass wir für andere notwendige Prozesse Cloud-Produkte verwenden. Wir achten allerdings darauf, dass Cloud-Partner ihre Rechenzentren vorzugsweise in Österreich, zumindest aber in der Europäischen Union betreiben. Die Einhaltung der DSGVO-Richtlinien ist ebenfalls selbstverständlich. Ohne Digitalisierung und die Bereitschaft, sich mit neuen Systemen und Prozessen zu beschäftigen, wird es schwierig sein, mit den Mitbewerbern Schritt zu halten oder diese sogar zu übertreffen. Daher ist die permanente Verfügbarkeit und Anpassung der digitalen Strukturen und Prozesse für ein reibungsloses Funktionieren aller Unternehmensprozesse essenziell.

ITM: Wie groß ist Ihr IT-Team?
Mihaiu: Aktuell umfasst es 14 Mitarbeiter, Tendenz steigend. Insbesondere aufgrund der steigenden Bedeutung von KI-Themen werden wir in den kommenden zwei Jahren weitere Fachkräfte einstellen. Da wir uns selbst als Dienstleister verstehen, fungiert das IT-Team unter dem Oberbegriff „Digital Services“. Es gliedert sich im Wesentlichen in die drei Bereiche „IT-Infrastruktur und klassische IT“, „Development Operations“ zur Betreuung und Weiterentwicklung unserer Enterprise-Resource-Planning-Umgebung (ERP) sowie „Spezialisten“, die den für unsere Produktentwicklung enorm wichtigen Bereich der CAD- und Konstruktionssoftware supporten.

ITM: Wie stellt sich der Markt für Ihre holzverarbeitenden Produkte und Dienstleistungen angesichts der weltweiten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen aktuell dar?
Seiß: In den vergangenen Jahren haben sich die Marktbedingungen mehrfach verändert. Die aktuelle Situation stellt jedoch eine besonders große Herausforderung dar. Um den stark gestiegenen Rohstoffpreisen entgegenzuwirken, sind wir dabei, neue Lieferantenstrukturen aufzubauen und langfristige Lieferverträge abzuschließen. Darüber hinaus haben wir unsere Lagerbestände von Serien- und Ersatzteilen massiv ausgebaut, um unsere Lieferzeiten auf einem weiterhin guten Niveau zu halten. Absatzseitig können die gestiegenen Einkaufspreise nur zum Teil an unsere Kunden weitergegeben werden. Natürlich hat es Veränderungen schon immer gegeben. Was allerdings eine Herausforderung darstellt, sind die Häufigkeit und Geschwindigkeit dieser Veränderungen.

ITM: Welche Auswirkungen hat dieser schnelle Wandel auf Ihre Geschäftsprozesse?
Seiß: Es wäre nicht möglich, sich schnell an geänderte Marktbedingungen anzupassen, wenn wir unsere Geschäftsprozesse nicht weitgehend digitalisiert und ein modernes ERP-System im Einsatz hätten. Zum Glück haben wir mit Asseco einen flexiblen Partner gefunden, der uns auch in diesem sehr schwierigen Marktumfeld professionell unterstützt.

ITM: Frau Ache, seit wann ist SPRINGER Asseco-APplus-Anwender und was zeichnet dieses ERP-System aus Ihrer Sicht aus?
Yvonne Ache: Nachdem unser bisheriges ERP-System an funktionale Grenzen gestoßen war und auch die Pflege und der Support immer aufwändiger wurden, fiel 2018 die Entscheidung für die Einführung eines neuen zukunftssicheren Systems, das unserem Firmenwachstum und den steigenden Marktanforderungen gewachsen ist. Nach Aufstellung einer umfangreichen Anforderungsliste starteten wir unter Beteiligung unserer Fachabteilungen und auch der Unternehmensführung ein Auswahlverfahren. Drei ERP-Anbieter kamen in die engere Wahl, Funktionalitäten und Bedienkomfort wurden beurteilt und Referenzimplementierungen begutachtet. Die Entscheidung zugunsten von APplus fiel im Rahmen einer internen Abstimmung mit allen beteiligten Mitarbeitern sehr deutlich aus. Überzeugen konnte das System vor allem durch seine moderne webbasierte Technologie, hohe Automatisierungsfähigkeit sowie Flexibilität, die es ermöglicht, Prozesse maßgenau an Unternehmensanforderungen anzupassen.

ITM: Wie verlief die ERP-Implementierung und wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit dem Anbieter?
Ache: Während der Projektumsetzung arbeiteten die Asseco-Experten eng mit dem von uns aufgestellten Projektteam, bestehend aus einem Projektleiter und ERP-Beratern aus den verschiedenen Fachbereichen wie Service, Vertrieb oder Produktion, zusammen. Dank dieser fruchtbaren Kooperation konnte das alte ERP-System am 1. Juli 2019 durch APplus ersetzt werden. Gleichzeitig konnten wir bereits in dieser Implementierungsphase viel eigenes ERP-Wissen erlangen. Inzwischen haben wir unter dem Dach unserer Digital Services ein eigenes Development-Operations-Team aufgebaut, das unseren APplus-Anwendern selbstständig und flexibel unterstützend zur Seite steht, wenn es um Anpassungen oder die Entwicklung firmenspezifischer ERP-Workflows geht. Ende 2021 und Mitte 2022 konnten wir zwei weitere Unternehmen der Gruppe eigenständig auf das System umstellen, wobei wir nur sehr wenig Beratung und Unterstützung seitens des Anbieters benötigten. Darüber hinaus steht uns der Helpdesk von Asseco jederzeit schnell und unkompliziert zur Verfügung.

ITM: Können Sie einige Beispiele nennen, bei denen es Ihnen gelungen ist, Geschäfts- bzw. Produktionsprozesse mittels APplus nachhaltig erfolgreich zu optimieren?
Ache: Gemeinsam mit der CAD-Software-Plattform, über die unsere Konstruktionsabteilung und die Fertigung Zeichnungen erstellen und austauschen, gehört APplus zu unseren zwei Kernsystemen, über die alle zentralen Firmenprozesse laufen. Ein Musterbeispiel für die Erschließung von Optimierungspotenzialen ist unsere Werkstattsteuerung. Sie ermöglicht uns jetzt auch im Bereich der Produktion eine einfache, übersichtliche und vor allem papierarme Abarbeitung von Projekten. Zu diesem Zweck wurde jeder Arbeitsplatz bzw. jede Arbeitskoje mit einem Werkstätten-Terminal ausgestattet. Dieses Terminal ermöglicht u.a. den Zugang zu AP-plus und Microsoft Teams, wodurch es jedem Produktionsmitarbeiter ermöglicht wird, schnell und unkompliziert Zugriff zu benötigten technischen Zeichnungen zu erhalten. Mittels Teams können sie zudem bei Bedarf direkten Kontakt zu allen Kollegen aufnehmen.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 3/2023. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

ITM: Gibt es auch Beispiele aus dem Bereich der kaufmännischen Verwaltung?
Ache: Durch den Einsatz einer Eingangsrechnungs-Workflow-Schnittstelle und einem Dokumenten-Management-System (DMS) ist es uns gemeinsam mit Asseco und dem Partner Paperless Solutions GmbH gelungen, die Eingangsrechnungsbearbeitung produktiver zu gestalten. Eingehende Rechnungen werden automatisiert eingelesen, bearbeitet und revisionssicher gespeichert. Vorteile hat diese papierlose Bearbeitung nicht nur im Tagesgeschäft, sondern auch bei Wirtschaftsprüfungen, wo alle Dokumente sofort auf Knopfdruck einsehbar sind.

Seiß: Die Rechnungsbearbeitung vom Rechnungseingang, die Prüfung und Verbuchung sowie die Zahlungsanweisung werden bei uns von nur drei Vollzeitarbeitskräften erledigt. Ohne ein funktionierendes DMS wäre mindestens die doppelte Mitarbeiteranzahl notwendig.

Ache: Ein weiteres Projekt, das aus der Vielzahl der ERP-Projekte heraussticht und sicher zukunftsweisend ist, ist die Teilautomatisierung von Bestellprozessen. Zum Einsatz kommt dabei das KI-unterstützte Modul „Easy Process“. Es entlastet Einkäufer von Routinetätigkeiten und verschafft ihnen mehr Zeit für anspruchsvolle Aufgaben und Entscheidungen, etwa im Rahmen der Lieferantenkommunikation. Das neue Modul kennzeichnet sich dadurch aus, dass der Kunde es selbstständig mit Programmierwissen an seine individuellen Bedürfnisse anpassen und optimieren kann. SPRINGER gehört in diesem Bereich zu einem der wenigen Kunden, die dieses innovative Modul bereits im Einsatz haben.

ITM: Vor welchen zukünftigen, unternehmerischen Herausforderungen steht Ihr Unternehmen und wie kann Sie ein modernes ERP-System bei der Bewältigung dieser Aufgaben unterstützen?
Mihaiu: Viele Betriebe in Mitteleuropa haben mit den Ereignissen der vergangenen Jahre zu kämpfen. Steigende Rohstoffpreise und Lieferkettenprobleme sind an keinem Unternehmen spurlos vorübergegangen. Auch wir sind mit einer Reihe von unternehmerischen Herausforderungen konfrontiert, darunter die Steigerung der Produktivität, die Senkung der Kosten und die Entwicklung von effizienteren Arbeitsabläufen. Ich betrachte ein modernes ERP-System wie APplus in einem Unternehmen wie ein Nervensystem. Es vernetzt das Wissen in allen Bereichen des Unternehmens, reagiert auf Ereignisse und Impulse und setzt Eingaben in Aktionen um. Ein gesundes und gut funktionierendes System leistet einen wesentlichen Beitrag zum Erfolg des Unternehmens. Es ist unsere Aufgabe, das System und die Prozesse zu optimieren und das Maximum zur Unterstützung der Mitarbeiter in ihren Tätigkeiten herauszuholen.

ITM: Gibt es konkrete Pläne, die Funktionalität und Anwendungsbereiche des ERP-Systems zu erweitern, beispielsweise durch den Einsatz neuer Module oder indem Daten mit anderen Plattformen geteilt werden?
Ache: Wir sind heute in der Lage, das System mithilfe unserer ERP-Teams selbstständig zu erweitern und weiterzuentwickeln sowie eigene Module umzusetzen. Bereits realisiert wurden beispielsweise ein Kantinenmodul für interne Essensbestellungen, ein internes Umfrageportal sowie die Möglichkeit, Pool-Fahrzeuge über das System zu buchen. Im Servicebereich haben wir bereits eine Schnittstelle zwischen dem Ticketsystem und APplus geschaffen. Zukünftig planen wir weitere Schnittstellen, wie beispielsweise die Anbindung an ein Lieferantenportal im Einkauf.

Seiß: Eine weitere Initiative, die wir mit hoher Relevanz verfolgen, besteht darin, alle geschäftsrelevanten Informationen auch auf das Smartphone zu bringen, d.h. für alle Mitarbeiter mobil zugreifbar zu machen. Das Smartphone ist nicht mehr der Arbeitsplatz der Zukunft, sondern der Arbeitsplatz der Gegenwart.

ITM: Auch KI-Anwendungen sind keine Zukunftsszenarien mehr, sondern finden vielfach bereits Einzug in den Geschäftsalltag. Wie stehen Sie zum Einsatz von Künstlicher Intelligenz?
Mihaiu: Wir setzen konsequent auf innovative Technologien, wenn es darum geht, Geschäftsprozesse und Produkte zu verbessern. Dazu gehören insbesondere KI, IoT und auch neue Übertragungsstandards wie 5G. Gerade Künstliche Intelligenz nimmt bei uns einen hohen Stellenwert ein. Durch ihren Einsatz können wir unsere Prozesse effizienter gestalten. KI kann beispielsweise im Zusammenhang mit IoT zur Vorhersage von möglichen Schwachstellen und Wartungsbedarf genutzt werden, um Ausfallzeiten zu minimieren und Wartungsarbeiten gezielt zu planen. Auch die Qualitätssicherung kann durch KI verbessert werden, indem Mustererkennung und Automatisierung von Prozessen eingesetzt werden. Und nicht zuletzt wird bei uns auch die Cybersicherheit durch KI unterstützt. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen Unternehmen heutzutage eine Start-up-Mentalität entwickeln. Der Einsatz neuer Technologien, kontinuierliche Innovationen und eine komplette Digitalisierung der Geschäftsprozesse sind dabei alternativlos.

ITM: Nachhaltigkeit ist für Ihr Unternehmen nicht nur in direktem Zusammenhang mit der Holzverarbeitung ein Thema?
Seiß: Das ist richtig. Wir beschäftigen uns schon seit einigen Jahren mit nahezu allen Aspekten der Nachhaltigkeit. Der Begriff hat für SPRINGER die gleiche Wertigkeit wie der große Begriff der Digitalisierung. Nachhaltigkeit wird auf vielfache Weise tagtäglich im Büro- und Fertigungsalltag „gelebt“. Die Minimierung des Papierbedarfs unter dem Motto „digital statt ausgedruckt“ ist ebenso selbstverständlich wie Videokonferenzen statt Dienstreisen oder eine nachhaltig betriebene Kantine mit regionalen Produkten. Die Kollegen haben aktuell Zugriff auf zwölf Dienstfahrräder und 15 E-Autos mit Ladestation direkt am Firmengelände. Unsere im vergangenen Jahr installierte Photovoltaikanlage liefert mittlerweile mehr als ein Megawatt an Sonnenenergie in unseren Betrieb und in das örtliche Energienetz. Zudem haben wir unsere Heizung auf Biomassefernwärme umgestellt. Wir sind stolz darauf, nicht nur technologisch, sondern auch bei der Nachhaltigkeit branchenweit Maßstäbe zu setzen und werden auch weiterhin unsere Firmenfarbe Grün als ständigen Antrieb für nachhaltiges Handeln betrachten.

Florin Mihaiu

Alter: 53 Jahre
Familienstand: verheiratet Ausbildung: Bachelor of Applied Science – BASc
Werdegang: seit 2015 bei SPRINGER
Derzeitige Position: Chief Information Officer (CIO)

Yvonne Ache

Alter: 31 Jahre
Familienstand: verheiratet
Ausbildung: Master of Science Uni Klagenfurt
Werdegang: seit 2018 bei SPRINGER
Derzeitige Position: Expertin Development Operations (ERP) im Unternehmensbereich „Digital Services“

Manuel Seiß

Alter: 38 Jahre
Familienstand: verheiratet
Ausbildung: Studium Wirtschaftswissenschaften in Graz
Werdegang: seit 2009 bei SPRINGER
Derzeitige Position: Chief Financial Officer (CFO) und Chief Digital Officer (CDO)

Springer Maschinenfabrik GmbH

Das Familienunternehmen mit Hauptsitz in Friesach (Österreich) plant, entwickelt und produziert Industrieanlagen und digitale Lösungen für die holzverarbeitende Industrie. In den vergangenen Jahrzehnten hat es sich zu einem branchenweiten Technologieführer mit rund 500 Mitarbeitern und weltweit mehr als 1.000 Kunden entwickelt. Um auch am nordamerikanischen Holzmarkt zu partizipieren, eröffnete die Firma 2022 eine Niederlassung in South Carolina. Geleitet wird das vor 70 Jahren gegründete Unternehmen heute in dritter Generation von Timo Springer und Gero Springer.

Bildquelle: Claus Uhlendorf

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