Bauernhof 4.0

IoT auf dem Acker

Digitale Technik ist schon heute auf vielen Bauernhöfen verbreitet: Bauern und Dienstleister für Landmaschinen erhöhen damit Produktivität und Effizienz. IoT und Künstliche Intelligenz treiben nun die Optimierung der Ernteprozesse weiter voran.

Ein Traktor auf einem Feld

Internet of Things (IoT) und Künstliche Intelligenz (KI) optimieren nun auch den Einsatz von Landmaschinen in der Erntezeit.

Roboter melken Kühe, Drohnen überwachen Reifeprozesse von Gemüse oder kartieren Felder, Sensoren messen Nährstoffgehalte im Boden: Die digitale Transformation ist in der Landwirtschaft längst in vollem Gange. Gerade beim Drohneneinsatz sieht der Digitalverband Bitkom die Landwirtschaft sogar als Vorreiter: So zeigte eine aktuelle repräsentative Umfrage im Auftrag des Deutschen Bauernverband (DBV) unter 420 landwirtschaftlichen Betriebsleitern, dass bereits neun Prozent der Landwirte Drohnen nutzen. „In keiner anderen Branche werden Drohnen vergleichbar intensiv genutzt wie in der Landwirtschaft“, so Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 1/2019. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Was in der Landwirtschaft die digitale Transformation antreibt, ist – wie in vielen anderen Branchen und Unternehmen auch – der Wunsch, die Produktivität und Effizienz von Arbeitsabläufen zu erhöhen und den Einsatz von Betriebsmitteln zu optimieren. Gleichzeitig geht es darum, angesichts des Klimawandels gute Ernteerträge zu erzielen und dabei Überdüngung und Erosion zu vermeiden, den Einsatz von Herbiziden zu minimieren und insgesamt für eine dauerhaft nachhaltige Bewirtschaftung der Böden zu sorgen.

Digital Farming

Im Rahmen des sogenannten Precision Farming werden Felder beispielsweise nicht gleichmäßig, sondern teilflächenspezifisch bewirtschaftet, um den unterschiedlichen Bodenverhältnissen innerhalb eines Ackers gerecht zu werden: Sensoren messen dabei Feuchtigkeit, Temperatur und Nährstoffgehalte verschiedener Teilflächen und ermöglichen so den präzise dosierten Einsatz von Düngemitteln, Herbiziden und Co.

Datengestütztes Farm-Management ermöglicht eine Optimierung von Wegen, Maschinennutzung und Betriebsmitteleinsatz. Und robotergestützte Systeme melken auf dem Bauernhof 4.0 nicht nur die Kühe, sondern helfen auch beim Stallausmisten und sorgen für eine individuellen Fütterung der Tiere. Internet Of Things (IoT) und Künstliche Intelligenz (KI) optimieren nun auch den Einsatz von Landmaschinen in der Erntezeit.

Die Erntezeit in der Landwirtschaft schafft ein äußerst komplexes Szenario für den Einsatz von Maschinen und Mitarbeitern, weil sie durch zahlreiche variable Faktoren geprägt ist: Millionenschwere Spezialfahrzeuge wie Mähdrescher oder andere Erntemaschinen müssen dabei in einem kurzen saisonalen Zeitraum optimal eingesetzt werden. Spezialisierte Dienstleister für die Bereitstellung dieser landwirtschaftlichen Fahrzeuge müssen so eine extrem hohe Nachfrage in einem extrem kurzen Zeitfenster optimal mit ihren Spezialfahrzeugen bedienen.

Die konkrete Planung für deren Einsatz erfolgt in Abhängigkeit von Erntezeit und -ort und natürlich vom angebauten Gemüse. Außerdem sind oft die Anforderungen eines Lebensmittelunternehmens oder Händlers zu beachten – wie beispielsweise Kühlkette oder Transportdauer. Manchmal müssen für einen Ernteprozess verschiedene Fahrzeuge oder Maschinen gemeinsam eingeplant werden, häufig
auch in Kombination mit speziell ausgebildeten Fahrern. Und schließlich spielt sogar tagesaktuell das Wetter in einer Einsatzregion für den Ernteprozess und die entsprechende Planung der Landmaschinen eine wichtige Rolle.

Mit IoT auf dem Acker vernetzt

Die Grundidee vom Internet der vernetzten Dinge gilt dabei laut der Elie GmbH für Landmaschinen und Erntefahrzeuge auf dem Acker ebenso wie für den Kühlschrank im Haushalt: Landwirtschaftliche Fahrzeuge eines Dienstleisters lassen sich mit einer IoT-Komponente versehen, die mit dem zentralen Planungssystem in der Leitstelle vernetzt ist. Dadurch können alle Daten, die für die Tourenplanung oder Qualitätssicherung der Fracht relevant sind, automatisch erhoben werden.

Die Einsatzplanung aller Ressourcen lässt sich so automatisieren, beschleunigen und auch für kurzfristige Änderungen flexibilisieren. Die IoT-Apps an Bord der Landmaschinen und Erntefahrzeuge können dabei auch eine bidirektionale Kommunikation mit dem Fahrer ermöglichen, der z.B. einfach per Klick die Fertigstellung eines Auftrags in die Zentrale zurückmelden kann. So kann er mit seinem Fahrzeug direkt wieder für neue Einsätze eingeplant werden.

Technologien wie Künstliche Intelligenz oder Machine Learning im zentralen Planungssystem helfen dann dabei, auch bei kurzfristigen Änderungen schnell neue Einsatzpläne zu errechnen – unter optimalem Einsatz aller Ressourcen. So können die manchmal engen Zeitfenster während der Erntezeit für alle Seiten bestens genutzt werden. Bei Bedarf lässt sich hier sogar die gesamte gemeinsame Wertschöpfungs- und Lieferkette verzahnen, sodass am Ende eine nahtlose IT-Unterstützung aller logistischen Abläufe vom Bauern bis zum Supermarkt gewährleistet ist.

Hof- und Fahrzeug-Management in der Cloud

Erfasste Fahrzeugdaten wie gefahrene Strecken oder Tankinhalte sind darüber hinaus wertvoll für eine vorausschauende Instandhaltung des Fuhrparks und eine weitere Optimierung der Prozesse in landwirtschaftlichen Betrieb. Online-Plattformen wie trecker.com bringen für diese Zwecke Landwirte und Fahrzeugdienstleister zusammen. Sie unterstützen die Bauern mit smarten Apps in ihrem Farm-Management und Lohnunternehmer bei der Einsatzplanung ihrer Landmaschinen. IoT und KI läuten dabei jetzt die nächste Phase der digitalen Transformation in der Landwirtschaft ein. Und auch wenn auf dem Bauernhof 4.0 vielleicht nicht jede Milchkanne 5G benötigt, ohne umfassende Mobilnetzabdeckung wird die digitale Transformation in der Landwirtschaft nicht zu machen sein.

Bildquelle: Thinkstock/iStock

©2019Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok