Steuerung von Geldmitteln

Liquiditätskontrolle auch jenseits der Grenzen

Im Interview erklärt Erwin Falkner, Geschäftsführer der Vynto GmbH, dass Lösungen im Bereich des Liquiditätsmanagements der Steuerung und Allokation der benötigten Geldmittel zum richtigen Zeitpunkt und am richtigen Geschäftsort dienen.

Erwin Falkner, Vynto

„Die Einführung eines länderangepassten und kundenorientierten Liquiditätsmanagements kann Mittelständler auf internationalem Parkett vor Liquiditätsengpässen schützen“, meint Erwin Falkner, Geschäftsführer von Vynto.

ITM: Herr Falkner, inwieweit ist grenzüberschreitendes, interkulturelles bzw. weltweites Liquiditätsmanagement auch für mittelständische Unternehmen ein Thema? Und welche Bedeutung messen Sie dem Thema bei?
Erwin Falkner:
Liquiditätsmanagement ist ein weites Feld. Es umfasst beispielsweise Liquiditätsplanung, Bilanzoptimierung, Kreditkosten- und Investitionsmanagement sowie Forderungs- und Verbindlichkeitsmanagement. Das grenzüberschreitende Management von Forderungen hat in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen. Gerade auch für den deutschen Mittelstand. Die Globalisierung und die Zunahme internationaler Warenströme sind die Gründe dafür. Liquiditätsengpässe bzw. der Abbruch oder die Verzögerung von Zahlungsströmen entstehen hier insbesondere durch länderspezifische Unterschiede, sowohl in kultureller Hinsicht als auch aufgrund unterschiedlicher Rechtsnormen.

ITM: Wie können sich Unternehmen einen Überblick über die eigenen Finanzmittel und Geldgeschäfte verschaffen, wenn sie z.B. weltweite Standorte besitzen?
Falkner:
Das bedarf natürlich in erster Linie einer leistungsstarken IT-Technologie, beispielsweise zentralisierter Cloud-Systeme. Sie ermöglichen heute ein länderübergeordnetes Reporting, ein lückenloses Monitoring und den Gesamtüberblick über Budgetierung und zu erwartende Liquiditätsspielräume. Auf einen Blick ist ersichtlich, welche Niederlassungen zu welchem Zeitpunkt welche Geschäfte abschließen. Ein solches Echtzeit-Reporting über Zeitzonen hinweg ist heutzutage für Mittelständler mit mehreren Auslandsniederlassungen unerlässlich.

ITM: Inwieweit kann eine Liquiditätsmanagement-Lösung hierbei für Transparenz sorgen?
Falkner:
Lösungen im Bereich des Liquiditätsmanagements dienen der Steuerung und Allokation der benötigten Geldmittel zum richtigen Zeitpunkt und am richtigen Geschäftsort. Im besten Falle per Mausklick erhalte ich die benötigten Kennzahlen, um Geldströme und Budgetanforderungen schon frühzeitig erkennen und planen zu können. Der Mittelständler hat in der Regel nicht die Mittel und das Know-how, um alle Geldströme im Blick zu behalten. Spezielle IT-Lösungen schaffen da Abhilfe. Unsere Lösung liefert z.B. belastbare Statistiken über das Konsumentenverhalten – und das weltweit. Wir schaffen Transparenz: Welche Zahlungsströme brechen ab? Was sind die Gründe dafür? Und wir zeigen auf, wie die Zahlungsrückstände unkompliziert behoben werden können.

ITM: Mit welchem Aufwand (zeitlich, personell, finanziell) ist die Einführung einer Liquiditätsmanagement-Lösung für einen Mittelständler verbunden – insbesondere, wenn mehrere Standorte eingebunden werden sollen?
Falkner:
Ein Mittelständler sollte sich im Vorfeld genau Gedanken machen, was er mit seiner Lösung erreichen möchte. Soll die Lösung die Zahl der Rechnungsaußenstandstage (DSO / Days Sales Out-standing) reduzieren? Soll sie die Budgetplanung oder Buchhaltung vereinfachen? Oder geht es etwa um Personalreduzierung oder die Anforderung der Hausbank? Ein mittelgroßes Unternehmen stößt hier in der Regel an seine Kapazitätsgrenzen – sowohl hinsichtlich Programmwissen als auch Einführungs-Know-how und Mitarbeiterressourcen. Auf dem Markt befinden sich einige Out-of-the-Box-Lösungen und etliche individuelle Software-Lösungen. Hilfe von außen ist hier sinnvoll, um eine passgenaue, anforderungsgerechte Lösung zu erhalten.

ITM: Welche Voraussetzungen muss der Anwender erfüllen, damit die Software einwandfrei funktioniert?
Falkner:
Das ist in erster Linie die Bereitschaft, sich auf so ein System einzulassen. Dazu gehören ein gewisser Leidensdruck, ein Problembewusstsein und der Wille zur Veränderung. Ist die Lösung einmal implementiert, kann sie dann ungeahnte Potentiale freisetzen. Nicht zuletzt deshalb, weil Mitarbeiter oft Prozessschwächen, die sie seit langem kennen, selbständig beseitigen können.

ITM: Worauf sollten Unternehmen bei der Auswahl eines entsprechenden Anbieters plus Lösung achten? Was sind die heutigen Anforderungen an ein modernes Liquiditätsmanagement?
Falkner:
Bei der Wahl des geeigneten Anbieters ist es von Vorteil, auf eine hohe Installationsdichte und entsprechende Branchenerfahrung zu achten. Eine besondere Herausforderung besteht in der Datenmigration aus Altsystemen. Es empfiehlt sich daher, einen Anbieter mit angeschlossener Consulting-Firma zu beauftragen. Dieser verfügt sowohl über fundiertes IT- als auch Prozesswissen und ist daher in der Lage, Prozesse zu optimieren sowie diese in der IT abzubilden. Das erhöht deutlich die Einführungsgeschwindigkeit. Auf dem Markt gibt es mehrere große Anbieter von Liquiditätsmanagement-Gesamtlösungen. Was sie alle aber verbindet: Sie verfügen über keine länderübergreifende Forderungseinzugslösung. Das Thema Inkasso ist weitgehend ausgeklammert. Daraus resultieren Probleme in der Liquiditätsplanung.

ITM: Inwieweit kann eine Liquiditätsmanagement-Lösung dem Anwender auch dabei helfen, ausstehende Forderungen bei ausländischen Kunden im Blick zu behalten?
Falkner:
Berücksichtigt die eingesetzte Lösung die länderspezifischen Gegebenheiten, so sorgt sie für einen erheblichen Transparenzzuwachs. Sie beseitigt beispielsweise einen Irrtum, dem viele deutsche Mittelständler bei der Bewertung des Cashflows im Ausland aufsitzen: Sie bewerten internationales Zahlungsverhalten nach deutschen Kriterien. In Deutschland werden Rechnungen im Schnitt nach 45 Tagen bezahlt, in Italien reden wir von mehr als 120 Tagen. Werden derartige kulturelle Unterschiede vernachlässigt, kann es zu Liquiditätsengpässen kommen.

ITM: Welche Stolpersteine können den Zahlungsfluss über Ländergrenzen hinweg grundsätzlich ins Stocken bringen? Sind die Ursachen eher beim Rechnungssteller, -empfänger oder Übermittler zu suchen?
Falkner:
Die Ursachen des Zahlungsverzuges sind komplex. Oft beginnt es damit, dass die deutschen Standards der Rechnungsstellung auch auf den internationalen Zahlungsverkehr übertragen werden. Da sind Probleme vorprogrammiert. Deutschland ist aufgrund seiner sehr guten wirtschaftlichen Situation kein Maßstab für die Liquiditätskontrolle der restlichen Welt. Ein Zahlungsziel, das bei uns kein Problem ist, stellt sich in Spanien oder China als utopisch heraus. Hat man die länderspezifische Kundensprache, rechtliche Besonderheiten sowie differenzierte Zahlungsziele, Währungen und DSO im Blick, sind zumindest einige Ursachen eines eingeschränkten Zahlungsflusses beseitigt.

ITM: Welche Rolle spielen hierbei die kulturellen Besonderheiten?
Falkner:
Kulturelle Besonderheiten sind eine ganz wesentliche Hürde im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr. Wichtig ist: Man muss die Sprache seiner Kunden sprechen. Und damit ist viel mehr als nur die Landessprache gemeint. Die Beherrschung der länderspezifischen Business-Etiquette und die Kenntnis unterschiedlicher Rechtsnormen begünstigen einen reibungslosen grenzüberschreitenden Zahlungsfluss. Andernfalls passiert es schnell, dass man sich missversteht oder nur schwer umzusetzende Verträge vereinbart. Wer im Ausland Geschäfte tätigt, sollte nicht nur seine Prozesse, sondern auch die Mitarbeiter fit machen – beispielsweise durch Sprachkurse und Schulungen.

ITM: Wie kann der Rechnungssteller bei einem Forderungsausfall seinen Anspruch auch international geltend machen und sein Geld eintreiben, wenn im Land des Rechnungsempfängers z.B. ein anderes Rechtssystem herrscht? Welches Rechtssystem gilt letztlich?
Falkner:
Eine Pauschalantwort gibt es hier nicht. Welches Rechtssystem letztendlich gilt, hängt von mehreren Faktoren ab. Zum einen ist relevant, in welchem Land der Streitpunkt verhandelt wird. Weiterhin ist ausschlaggebend, wo die Leistung erbracht wurde. Ebenso wichtig ist, ob der Schuldner ein Konsument oder ein Unternehmen ist. Grundsätzlich können zwei Rechtssysteme zum Einsatz kommen. Unser deutsches Rechtssystem (Civil Law) und das sehr oft anzutreffende Fallrecht (Common Law). Beide Systeme sind in der Rechtsprechung sehr unterschiedlich. Wer sich auf das jeweilige andere Recht einlässt, sollte gute Gründe dafür haben oder diese Rechtsauslegung sehr gut verstehen.

ITM: Inwieweit gibt es hier bereits Standardisierungen? Wie könnten die Zahlungsströme weiterhin beschleunigt werden?
Falkner:
Auf europäischer Ebene wird die Vereinheitlichung vorangetrieben. Hier existieren bereits Mechanismen, die es vereinfachen, zu seinem Recht zu kommen. Anzuführen sind Bemühungen im Bereich SEPA (Single Euro Payments Area), Europäischer Vollstreckungstitel und einiges mehr. Dieses Wissen sollte in mittelständischen Unternehmen mit Exportanteil vorhanden sein. Im internationalen Handel gibt es Vereinbarungen nur auf der Ebene freiwilliger Regeln von z.B. Incoterms (International Commercial Terms). Das sind Spielregeln, die in die Geschäftsbedingungen einbezogen und das Geschäftsleben erleichtern können.

ITM: Wie können sich Mittelständler grundsätzlich gegen Forderungsausfälle und generelle Liquiditätsengpässe schützen, um nicht in Finanznot zu geraten?
Falkner:
Die Einführung eines länderangepassten und kundenorientierten Liquiditätsmanagements kann Mittelständler auf internationalem Parkett vor Liquiditätsengpässen schützen.

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