Institutsübergreifendes Online-Bezahlverfahren

Paroli bieten mit Paydirekt

Paydirekt heißt der Versuch deutscher Banken und Sparkassen, mit einem institutsübergreifenden Online-Bezahlverfahren der Konkurrenz Paroli zu bieten.

  • „Mit den bislang beteiligten Banken haben wir ca. 95 Prozent der deutschen Kreditinstitute an Bord. Das schließt die Sparkassen ein“, so Geschäftsführer Dr. Niklas Bartelt.

Das Gemeinschaftsprojekt sieht vor, dass künftig alle Kunden mit einem Girokonto – sofern es für Online-Banking freigeschaltet ist – Zugang zu Paydirekt haben. Auf die Hälfte der 100 Millionen Girokonten im Land trifft dies zu. Kunden müssen sich einmalig registrieren und einen Benutzernamen sowie ein Passwort wählen. Mit diesen Angaben wird dann der spätere Bezahlschritt abgeschlossen. „Der große Vorteil dabei: Daten wie z.B. die Kontonummer, bleiben in sicherer Bankumgebung, es gibt keinen zwischengeschalteten Drittanbieter und es besteht jederzeit volle Transparenz der Zahlungen“, so Dr. Niklas Bartelt, Geschäftsführer von Paydirekt. Der Zahlungsablauf findet also unmittelbar zwischen Bank und Händler statt. Das Kreditinstitut prüft, ob der Kunde zahlungsfähig ist, durch eine Bestätigung erhält der Händler mehr Sicherheit in Bezug auf Zahlungsausfälle. Ein Käuferschutz von 30 Tagen ist ebenfalls vorgesehen.

Aktuell ist eine Eins-zu-Eins-Beziehung vorgesehen, das bedeutet, der Paydirekt-Account lässt sich nur mit einem Konto verbinden. Um ein weiteres Konto nutzen zu können, ist also ein zweiter Nutzer-Account notwendig. Kreditkarten werden bislang nicht berücksichtigt.

Über die Paydirekt-App (verfügbar für Android und iOS) wird der Nutzer via Push-Nachricht über seine Online-Einkäufe informiert – Transaktionen sind in Echtzeit einsehbar.

Händler zögerlich

Laut Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Sparkassen (BVR) bieten derzeit 950 Volks- und Raiffeisenbanken den Bezahldienst an. Das klingt zunächst nach einer gelungenen Einführung. Allerdings bedarf es insgesamt drei Akteure, die für den Erfolg verantwortlich sind: Neben den teilnehmenden Banken nämlich auch Kunden, die sich zunächst für diese Zahlungsvariante registrieren und beim Online-Kauf tatsächlich anwenden, sowie Händler, die diese Option überhaupt anbieten. Und an eben jenen mangelt es derzeit noch. Aktuell (Stand Anfang Januar) haben gerade einmal rund 20 Händler Paydirekt als Zahlungsart aufgenommen. Trotzdem sprich Niklas Bartelt von positivem Feedback. „Unsere Bankpartner führen derzeit eine Vielzahl von Gesprächen mit ihren Händlerkunden du es gibt durchaus großes Interesse an unserem System. Die Vorteile sprechen für sich, wir sind deshalb sicher, im Laufe dieses Jahres unser Händlerspektrum deutlich erweitern zu können“.

Konditionen einzeln aushandeln

Die überschaubare Zahl der Händler könnte die Konsequenz der recht holprigen Entstehungsgeschichte sein. So hat es Jahre gedauert, bis sich die Bankenlager in Deutschland überhaupt einig in einer gemeinsamen Antwort auf die Payment-Konkurrenz waren. Vor allem die Sparkassen haben sich lange gesträubt, ihre Teilnahme nun aber für Frühjahr 2016 zugesagt.

Hinderlich könnte zudem die Entscheidung des Kartellamtes sein, die um Preisabsprachen zu verhindern den Banken untersagt, gemeinsam einheitliche Händlerkonditionen zu bieten. So muss jeder Online-Händler mit (s)einer Bank die jeweiligen Preise aushandeln.

Angebunden wird Paydirekt im entweder über eine API-Schnittstelle oder über Webshop-Plugins. Diese sollen in den kommenden Monaten für alle gängigen Shop-Systeme verfügbar sein. Zudem soll das Bezahlverfahren über Payment Service Provider zur Verfügung stehen.

Die Erfolgsaussichten sind zwiegespalten: Auf der einen Seite ist das theoretische Nutzerpotential durch die vorhandenen Girokonten groß und auch preislich könnte Paydirekt für Händler attraktiv sein. Auf der anderen Seite müssen Online-Käufer von ihrem gewohnten Zahlverfahren Abstand nehmen.  Hinzu kommt, dass es bislang keinen gemeinschaftlichen Markenauftritt gegeben hat, hier ist wohl jeder Teilnehmer selbst gefragt, aktiv für das neue Angebot zu werben. Dass ein Mindestmaß an Werbung jedoch wichtig ist, konnte bei zahlreichen gescheiterten Anbietern – jüngstes Beispiel Yapital der Otto-Gruppe – beobachtet werden.


Bildquelle: Thinkstock/ iStock

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