Mittelstand sollte auf beratenden Partner vertrauen

Unübersichtliche Cloud-Angebote

Mittelständler sollten mit einem beratenden Partner ins Cloud Computing einsteigen, rät Torsten Höpfner, Geschäftsführer von Tecracer. Das spare Zeit und Geld, weil das Angebot der Cloud-Services für Einsteiger mittlerweile unübersichtlich geworden sei.

Torsten Höpfner, Geschäftsführer von Tecracer

„Die großen Cloud-Anbieter haben sich bereits auf einen Brexit vorbereitet“, meint Torsten Höpfner, Geschäftsführer von Tecracer.

ITM: Herr Höpfner, wie viel Vertrauen schenkt der Mittelstand anno 2019 dem Cloud Computing?
Torsten Höpfner:
In Bezug auf Cloud Computing sind Datensicherheit und -schutz die wichtigsten Faktoren für den Mittelstand. Anbieter von Cloud-Diensten, wie Microsoft und Amazon Web Services, haben Sicherheit zur obersten Priorität erklärt. Die Rechenzentren und die Netzwerkinfrastruktur sind bezüglich Sicherheit besser geschützt als viele eigene, interne Rechenzentren. Die klaren Vorgaben durch die Einführung der europäischen DSGVO ermöglichen den Anbietern, die Schaffung eines datenschutzkonformen Betriebs durch Schaffung von Regionen im Geltungsbereich der DSGVO. Bei Amazon sind das beispielsweise Frankfurt, Irland, London, Paris und Stockholm. Viele mittelständische Unternehmen haben dies erkannt und nutzen zunehmend die Cloud – ein Zeichen für das wachsende Vertrauen in die Cloud. Cloud Computing ist heutzutage ein fester Bestandteil einer guten IT-Infrastruktur.

ITM: Inwieweit hat sich hier die Einstellung der Unternehmer zu Cloud Computing in den letzten zwei, drei Jahren gewandelt?
Höpfner:
In den letzten Jahren wurden Vorurteile abgebaut. Aber die Anforderungen an neue Produkte und Dienstleistungen sind gleichzeitig gestiegen. Produkte müssen sich heute in das „Smart Home“ integrieren, müssen dazulernen können oder sollen auf Sprache reagieren. Der Mittelstand weiß, dass sich mit eigenen Ressourcen komplexe Strukturen nur schwierig abbilden lassen, und nutzt daher die Ressourcen der Cloud.

ITM: Welche konkreten Chancen und auch Risiken sehen die Anwender in Cloud-Lösungen?
Höpfner:
Die hohe Verfügbarkeit und die offenen Schnittstellen zu anderen Services sind auf jeden Fall die primären Mehrwerte der Cloud. Durch die Vielfältigkeit der Services sind auch heute die Anforderungen an den Datenschutz und die Datensicherheit gestiegen. Damit werden Anwendungen aufwändiger.

ITM: Welche Cloud-Variante ist für Mittelständler besonders sinnvoll und woran wird das festgemacht: Private Cloud, Public Cloud, Hybrid-Cloud, Multi-Cloud...?
Höpfner:
Es gibt keine optimale Zusammenstellung für alle Mittelständler. Welche die sinnvollste für das jeweilige Unternehmen ist, hängt insbesondere von der vorhandenen Infrastruktur und der Art der Daten ab. So kann in einem besonders sensiblen Bereich, der nicht von externen Services abhängt, die private Cloud durchaus Sinn ergeben. Die Public Cloud kann Mittelständlern ohne eigene IT-Ressourcen helfen, auch Enterprise-Anwendungen zu nutzen und ihre Daten mit mehreren Services zu verarbeiten. Die Hybrid-Cloud erweitert das Angebot an Services in der Private Cloud und kann unter den bereits genannten Umständen die eigenen Daten um einzelne Services wie Sprachsteuerung ergänzen. In Unternehmen mit ausreichenden IT-Ressourcen wird derzeit häufig das Konzept der Multi-Cloud realisiert. Dabei werden die bestehenden Ressourcen bei gleichzeitigem Einsatz von Cloud-Services genutzt. Oft anzutreffende Beispiele sind SAP (On Premise) und Salesforce (Cloud).

ITM: Was sind übliche Laufzeiten bei der Nutzung von Cloud-Lösungen?
Höpfner:
Der Trend geht zu On-Demand-Services. Die Kosten beschränken sich dabei nur auf die tatsächliche Nutzung. Weitere Modelle sind auch monatliche bis mehrjährige Nutzung. Die Kosten reduzieren sich dabei mit zunehmender Laufzeit, so dass sich auch eine mehrjährige Bindung lohnen kann. Hier sollte jedoch die Langfristigkeit der Laufzeit von Services geprüft werden, hinsichtlich Nutzung und Preisgestaltung. Bei Amazon Web Services kann der Kunde bis zu 70 Prozent der Kosten reduzieren, wenn er sich auf drei Jahre festlegt.

ITM: Wie komplex gestaltet sich ein möglicher Wechsel zu einem neuen Cloud-Anbieter?
Höpfner:
Je mehr spezielle Services einer Cloud genutzt werden, desto aufwändiger kann sich der Wechsel gestalten.

ITM: Was sind hier häufige Stolpersteine hinsichtlich der Ausstiegsklauseln?
Höpfner:
Die Cloud-Anbieter haben heute transparente Verträge, so dass es beispielsweise bei Amazon Web Services keine besonderen Klauseln gibt. Es existieren auch keine festen Vertragslaufzeiten, außer man hat sich einen Service für eine festlegte Laufzeit reserviert.

ITM: Wie kann man als Anwender sicher sein, dass auch wirklich keine Unternehmensdaten beim vorherigen Anbieter verbleiben? Wie lässt sich das überprüfen?
Höpfner:
Im Rahmen der DSGVO haben sich Prozesse etabliert, die dabei helfen, den Datenschutz zu gewährleisten. Es gibt ein Löschkonzept, und die Löschung von Daten wird protokolliert. Das Protokoll kann angefordert werden. So kann man einsehen, wie und wann Daten in welcher Form gelöscht wurden.

ITM: Wie wirkt sich der Brexit auf die Cloud-Nutzung in Europa aus?
Höpfner:
Die großen Cloud-Anbieter haben sich bereits auf einen Brexit vorbereitet und bieten ihre Ressourcen auch im verbleibenden Europa an, wie beispielsweise in Frankfurt, Paris und Stockholm. Auch aus Gründen der Rechtssicherheit sollten die Daten im Geltungsbereich der EU-DSGVO liegen, was sie damit gewährleisten.

ITM: Was raten Sie mittelständischen Anwendern, die sich anno 2019 für die Cloud entscheiden? Welche Strategie sollten sie fahren?
Höpfner:
Sie sollten auf jeden Fall mit einem beratenden Partner einsteigen, damit sie nicht erst eigene Erfahrungen bei der Orchestrierung der Services sammeln müssen. Das spart Zeit und Geld, weil das Angebot der Cloud-Services für Einsteiger mittlerweile unübersichtlich geworden ist. Für eine ausgewogene Funktionalität und Kostenstruktur sollten die Services optimal aufeinander abgestimmt sein.

Bildquelle: Tecracer

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