Umbau in Walldorf

Wohin driftet SAP?

Bei SAP scheinen fundamentale Weichen neu gestellt zu werden. Darauf deutet der überraschende Abschied von Bernd Leukert hin, dessen „sofortiges Ausscheiden“ Deutschlands Vorzeige-Softwarehaus Ende Februar bekanntgab. Branchenkenner deuten dies als konsequentes Handeln des 51-jährigen Leukert, der demnach seine Schlüsse aus dem 8 Mrd. Dollar schweren Einkauf des Softwarehauses Qualtrics zog.

Rennautos in der Kurve

Bloß nicht aus der Kurve fliegen: SAP positioniert sich offenbar neu im Wettbewerb.

Eigentlich sollte Leukert Ende des Jahres im SAP-Vorstand die Nachfolge von Michael Kleinemeier (61) antreten, mit dem er seit Jahresbeginn zusammen den Bereich „Digital Business Services“ geleitet hatte. Hier ist die Verantwortung für Kundendienst, für Beratung sowie für die mit großen Wachstumserwartungen verknüpften Produktbereiche „Innovative Business Solutions“ und der „Hana Enterprise Cloud“ gebündelt.

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Jetzt kommt alles ganz anders – und der Vertrag mit Kleinemeier wurde bereits um ein Jahr verlängert. Gründe für Leukerts Ausscheiden sind nicht bekannt, so dass spekuliert werden darf. War es ein Zerwürfnis mit Kleinemeier oder gar mit dem Chefverkäufer und CEO Bill McDermott? War es ein attraktives Job-Angebot? Oder war es, wie Insider vermuten, die Konsequenz aus der Strategieänderung bei SAP, die 8 Mrd. Dollar nicht in die Weiterentwicklung eigener Produkte und die dringend benötigten Schnittstellen investiert zu haben?

Denn bis Ende 2018 war Leukert Technikvorstand der SAP – und die Technik ist auch seine Heimat. Er war nicht nur für die Markteinführung des neuen Produktes S/4 Hana verantwortlich, sondern auch für die Einlösung des Integrationsversprechens von SAP. Außerdem haben weitere führende Techniker die SAP verlassen, darunter Chief Technology Officer Björn Goerke und die beiden Top-Entwickler Thomas Jung und Rich Heilman.

Insgesamt entlässt SAP in einer cloud-getriebenen Restrukturierung über 4.400 Menschen, darunter viele altgediente Abap-Entwickler. Sie werden offenbar nicht mehr gebraucht, weil SAP mit Ariba, Concur, Successfactors, Fieldglass und jetzt Qualtrics natürlich auch sehr viele Software-Entwickler hinzugewonnen hat, die jedoch keine große Hilfe bei der Weiterentwicklung der Walldorfer ERP-Systeme sein dürften. Dass sie bleiben und andere gehen, dürfte den wachsenden Schnittstellenaufwand nicht bremsen und die Komplexität der IT-Prozesse bei den Kunden weiter erhöhen. Genau um diesen Aufwand zu vermeiden, hatten sich viele Unternehmen vor Jahren zum Kauf der teuren SAP-Software entschieden.

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