Nils Meyer, Principal Consultant bei CA Technologies
Hans Marzik, Leiter bei der H&D International Group
Erschwerend kommt hinzu, dass einerseits durch technologische Innovationen wie Virtualisierung oder Smartphones die Komplexität der IT wächst. Andererseits nimmt mit der IT-Durchdringung die Abhängigkeit des Unternehmens vom Funktionieren der IT zu, zumal wegen Konsolidierung und Vernetzung Ausfälle sehr folgenschwer sein können. In diesem Dilemma sind die Administratoren gefragt, die mit durchdachten Konzepten und ausgereiften Softwaretools den IT-Betrieb am Laufen halten und gleichzeitig auf künftige Anforderungen, wie etwa das Cloud Computing, vorbereiten. Wie, das erklären zwei ausgewiesene Experten auf Anfrage von IT-MITTELSTAND.
ITM: Welche Eigenschaften sollte eine IT-Verwaltungssoftware für Mittelständler auszeichnen, damit trotz Budget- und Ressourcenbeschränkungen ein effizientes Netzwerk- und Systemmanagement wie bei Großunternehmen möglich wird?
Hans Marzik: Sie greifen sinnvollerweise auf integrierte Gesamtpakete zurück. Diese Pakete differenzieren sich vor allem durch einfache Installation und Konfiguration von den in Großunternehmen eingesetzten Lösungen. Verschiedene Anbieter haben bereits spezielle Angebote für den Mittelstand im Portfolio bzw. bereiten diese vor, etwa VMware, Dell oder CA.
Nils Meyer: Mittelständler verfügen nicht über die Zeit und Mitarbeiterstärke, um alle Technologien wie Server, Netzwerk, Applikationen etc. im Detail zu verstehen und zu optimieren. Somit sind gerade sie auf Lösungen angewiesen, die Best Practices beinhalten und mit wenig Aufwand die relevanten Informationen zusammenfassen und wichtige Fehler signalisieren.
Zudem sollte der Fokus nicht darauf gelegt werden, einen Aspekt der Infrastruktur bis auf Bit-Ebene zu verstehen. Es ist von höherer Bedeutung, dass alle Komponenten eines Services gleichmäßig betrachtet werden. Doch gerade dies ist ein Problem, da es menschlich ist, sich ein Steckenpferd herauszusuchen und hier einen Großteil der Zeit zu verbringen.
Auch hier helfen Lösungen, bei denen bereits vorgefertigte Reports auf die relevanten Informationen pro Technologie und Hersteller hinweisen und mit „Best Practice“-Schwellwerten eine automatische Signalisierung erfolgt, um den Techniker anzuleiten.
ITM: Wenn man an das Management künftiger Cloud-Infrastrukturen denkt: Worauf kommt es bei der wirkungsvollen Überwachung und Orchestrierung virtualisierter Server-, Speicher- und Netzwerksysteme einer „Private Cloud“ vor allem an?
Meyer: Bei der Orchestrierung von privaten Clouds ist wichtig, agil, sicher und herstellerneutral arbeiten zu können. Viele herkömmliche Cloud-Lösungen basieren auf einer Verbindung zwischen Hard- und Software eines einzigen Anbieters. Das bedeutet in der Folge eine gewisse Abhängigkeit und möglicherweise hohe Preise bei einer Erweiterung. Hier sollte vor der Einrichtung einer privaten Cloud möglichst hardwareneutral vorgegangen werden. Unsere Lösung 3tera Applogic ist rein softwarebasiert und kann auf fast jeder x86-Hardware implementiert werden.
Das Monitoring von Cloud-Umgebungen ist vom Anspruch höher als von klassischen Rechenzentren. Diese Aussage bezieht sich zum einen auf die überwachte Technologie und zum anderen auf die Dynamik der Infrastruktur. Aus Technologiessicht werden immer neue Methoden erfunden, um Cloud-Umgebungen flexibler und agiler zu machen. Hinzu kommen neue Abrechnungsmethoden für die Nutzung der Cloud.
Lösungen, die hier genutzt werden, müssen mit den dynamischen Änderungen automatisch Schritt halten und die richtigen Ressourcen lokalisieren und überwachen können. Die neuen Technologien müssen integriert werden und zu einem Gesamtverständnis der Servicequalität aus der Endkundensicht beitragen, wenn nicht sogar die Endkundensicht darstellen.
Marzik: Es kommt vor allem auf das Monitoring aus der Perspektive des Anwenders an, mit klassischen Parametern wie Verfügbarkeit oder Antwortzeiten. Intern liegt der Fokus immer noch auf Parametern wie CPU-Auslastung, Speicherbelegung oder Netzwerklast, nur dass anstelle einer realen Infrastruktur jetzt virtuelle Strukturen betrachtet werden. Aus meiner Sicht ist hier die Verlagerung der Perspektive auf die Anwendungen notwendig, die verteilt in virtuellen Infrastrukturen laufen. Schließlich ist die Private Cloud ja kein Selbstzweck, sondern eine neue Form der Anwendungsbereitstellung.
Die Technologien für die Orchestrierung virtueller Systeme sind noch nicht ausgereift, obwohl es in den letzten Jahren bemerkenswerte Fortschritte gegeben hat. Sie unterscheiden sich zum Teil erheblich in ihren Ansätzen und Funktionen. Ein wichtiger Knackpunkt ist die fehlende Interoperabilität zwischen den Lösungen der unterschiedlichen Anbieter.
ITM: Zunehmend nutzen Unternehmen Public-Cloud-Services. Wo setzen hier am besten die Monitoringtools an, um die Servicelevel zu überwachen und auch die korrekte Abrechnung der genutzten Services zu kontrollieren?
Marzik: Die heute üblichen Abrechnungsmodelle der Public-Cloud-Anbieter orientieren sich immer noch stark an Begriffen wie Lizenz, CPU oder Netzwerk-Traffic. Das ist etwa so, als müsste man in einem Restaurant jede Beilage separat verrechnen. Hier muss in den nächsten Jahren noch deutlich nachgelegt werden.
Monitoring und Abrechnungstools werden heute in der Regel durch die Cloud-Betreiber in Form von APIs oder Dashboards zur Verfügung gestellt. Für ein End-zu-end-Monitoring der gesamten Servicekette bzw. für eine interne Weiterverrechnung von Services ist es aber zwingend notwendig, dass sich diese externen Tools in die internen Kontroll- und Monitoringanwendungen integrieren lassen. An notwendigen Standards fehlt es zurzeit aber noch. Alternativ ist es auch möglich, dass Cloud-Anbieter dem Endkunden verschiedene Monitoringtools zur Auswahl anbieten.
Meyer: Bei rein softwarebasierten Cloud-Technologien sind Monitoring, Messung (sekundengenau) sowie Abrechnung oft integrale Bestandteile. Sind diese nicht enthalten, sollte darauf geachtet werden, dass eine Messung technisch einfach umsetzbar ist. Die Datenstruktur muss offen gelegt sein, um den Import in ein Abrechnungssystem zu ermöglichen.
Wie bereits beschrieben, ist es Serviceprovidern wichtig, die genutzten Ressourcen dem Nutzer direkt in Rechnung zu stellen. Hier erfolgt eine möglichst präzise Erhebung der Daten pro Applikation bzw. Infrastrukturkomponente für den jeweiligen Kunden, die ihm dann zur Verfügung gestellt wird.
Aus der Endnutzersicht ist die Servicequalität entscheidend. Denn die Cloud soll nicht nur die Kosten reduzieren, sondern einen hochverfügbaren und schnellen Service zur Verfügung stellen, auf dem dann die Geschäftsprozesse basieren. Hier kann das Monitoring von „außen“ erfolgen, doch ist die Datenerhebung von „innen“ wesentlich effektiver und bietet dazu noch die Möglichkeit, den Service zu optimieren. „Von außen“ meint hier: Von außerhalb der Cloud. „Von innen“ heißt: Vom Serviceprovider mit Absprache des Endkunden. Eine solche Überwachung der Services aus der Endkundensicht bieten seriöse Serviceprovider als Add-on mit an.