Alexander Hartmann, Vorstand der Sysback AG
Alexander Wallner, Area Vice President Germany bei Netapp
Zwei weitere Kennzahlen von IBM machen deutlich, wie stark der Pegel in den Rechenzentren steigt: Die Menschheit erzeugt jeden Tag ein Datenvolumen von 2,5 Trillionen Byte – und 90 Prozent aller heute gespeicherten Daten sind erst in den vergangenen zwei Jahren entstanden.
Die rasanten technischen Fortschritte bei der Speichertechnologie helfen, diese Datenflut wirtschaftlich zu bewältigen. Die Rede ist von Virtual Tape Libraries, also der Emulation von Magnetbandlaufwerken durch schnelle Plattenspeicher, die Rede ist aber auch von Turbotechnologien wie großen Cache-Speichern oder Solid State Disk (SSD).
ITM: Angesichts der ständig steigenden Datenflut ist ein konsequentes Speichermanagement gefragt. Wo sollte ein mittelständischer Unternehmer hier die Prioritäten setzen?
Alexander Hartmann: Er muss die gleichen Prioritäten setzen wie der Vorstand eines Großkonzerns, denn er stellt dieselben Anforderungen an seine Speichersysteme: Stabilität, Ausfallsicherheit und hohe Performance. Jeder IT-Leiter muss sicherstellen, dass die Speichertechnik, die er anschafft, zukunftssicher ist und dass das Preis-Leistungsverhältnis dieser Investition stimmt.
Effiziente Speicherlösungen nutzen beispielsweise Deduplizierungstechnologien mit Thin Provisioning und Komprimierung – oder sie setzen Snapshot-Techniken ein. Sie sollten flexibel sein und unterschiedliche Technologien bzw. Protokolle unterstützen, wie zum Beispiel Fibre Channel, SAN, iSCSI oder CIFS. Temporäre Spitzen müssen sich abfangen lassen, ohne dass Budgets gesprengt werden, zum Beispiel durch die flexible Nutzung von Storage in der Cloud. Mit dem richtigen Beratungspartner an der Seite, kann der Mittelständler sicher gehen, dass diese Faktoren berücksichtig werden, umsetzbar sind und der Betrieb mit wenig Aufwand zu managen ist.
Alexander Wallner: Speichereffizienz ist hier ganz klar das A und O. Den höchsten Mehrwert erzielen Unternehmen, wenn sie ihre Daten, und dazu zählen auch virtuelle Maschinen und Desktops, auf einer einheitlichen „Unified“-Architektur als Storagepool konsolidieren.
Das ist der erste Schritt, um Management, Schutz und Verfügbarkeit der Daten zu verbessern und zu vereinfachen, aber auch um vorhandene Kapazitäten besser auszulasten. Gerade im Windows-Umfeld mit der starken Tendenz zur „Serverflut“ ist damit schon sehr viel gewonnen.
Auf dieser Basis lässt sich nun sehr einfach aufsetzen: Effizienztechnologien wie Deduplizierung, Komprimierung und Thin Provisioning, aber auch Speicherplatz sparendes Snapshot-Backup helfen das Datenwachstum einzudämmen. Um den Betreuungsaufwand möglichst gering zu halten, sind leistungsfähige Tools notwendig, die auch ein IT-Generalist bedienen kann, ohne sich Spezialkenntnisse aneignen zu müssen.
ITM: DVD, Magnetband, Disk, SSD, Hauptspeicher – die unterschiedlichen Eigenschaften und Kosten legen eine Speicherhierarchie im Rechenzentrum nahe. Wie lässt sich die richtige Platzierung der Daten auf das jeweils adäquate Speichermedium automatisieren?
Wallner: Automatisierung beginnt bereits beim Design einer Speicherarchitektur, indem jeder Applikation gemäß Perfor-mancebedarf, Verfügbarkeitsniveau und Kostenrahmen das passende Speichermedium zugewiesen wird. Interessant wird es bei einer dynamischen Betrachtung mit immer wieder neuen Präferenzen, typisch für Produktivdaten auf Primärspeichern.
Eine sehr einfache Methode, Workloads und Applikationen mit den gerade passenden Ressourcen zu versorgen, ist automatisiertes „Storage Tiering“ kombiniert mit intelligentem Caching. Ausgangspunkt ist ein Storagepool, der in virtuelle Serviceklassen unterteilt ist. Mit intelligentem Caching werden „heiße“ Daten automatisch an die Stelle mit schnellem Zugriff kopiert, und sobald sie „kalt“ sind, wieder gelöscht. Die permanente Kopie verbleibt im Storage. Sicherlich führen auch komplizierte Regelwerke für Serviceklassen mit dedizierten Infrastrukturen zum Ziel der Automatisierung; effizienter und flexibler ist jedoch eine sich selbst regulierende Lösung.
Hartmann: Hier empfehlen sich Lösungen, die regelbasiert und automatisiert arbeiten. Dieser sogenannte „Tiered Storage“ legt dann alle Daten entsprechend ihrer Aktivität oder Inaktivität auf das jeweils passende Medium ab. Entsprechende Speichersysteme enthalten Medien verschiedener Preis- und Geschwindigkeitskategorien und sorgen durch das richtige Tiering dafür, dass die aktiven Daten, auf die schnell und oft zugegriffen werden muss, über die hochwertigen Speichermedien, zum Beispiel SSD, verfügbar gemacht werden.
Gleichzeitig werden Daten, die sich als inaktiv oder statisch erweisen, automatisiert auf langsamere, kostengünstigere Speichermedien wie zum Beispiel Magnetband verlagert. Um hier die Kunden kompetent und umfassend zu beraten, müssen wir auf der einen Seite die Erwartungshaltung und die Anforderungen des Kunden genau kennen. Auf der anderen Seite ist ein detaillierter und tiefgehender Überblick über das Portfolio der verschiedenen Hersteller für uns als Beratungsunternehmen unabdingbar.
ITM: Ausblick Cloud Computing: Worauf ist zu achten, wenn ein Mittelständler heute darüber nachdenkt, Speicherkapazitäten an einen Provider „in die Cloud“ zu verlagern?
Wallner: Die Nutzung externer Speicherkapazität in der Cloud ist fast schon Normalität. Dennoch ist einiges zu beachten: Zunächst geht es um die Art des Cloud-Service. Was wird bereitgestellt, was wird gemanagt, welche Leistungen brauchen wir? Außerdem ist zu klären, wie der Anbieter mit dem Thema Sicherheit umgeht und welchen Stellenwert der Datenschutz einnimmt. Wer im Auftrag Dritter Daten speichert und verwaltet, kann von Rechts wegen gezwungen werden, ohne Wissen und Zustimmung des Eigentümers Daten offenzulegen. Dies führt unmittelbar zu der Frage, in welchem Land die Daten physisch gespeichert werden und wie die jeweilige Gesetzeslage beschaffen ist.
In Deutschland sind die Datenschutzrichtlinien deutlich strenger als etwa in den USA. Interessant ist auch die Frage, auf welchem Weg und zu welchen Kosten der Eigentümer seine Daten nach Vertragsbeendigung wieder zurück erhält. Neben diesen elementaren Überlegungen gehört auch ein Vergleich der Kosten und Leistungen verschiedener Anbieter dazu.
Hartmann: Selbstverständlich stehen Sicherheit und Datenschutz an erster Stelle. Auch hier gilt: Nicht nur Mittelständler, sondern jedes Unternehmen, das erwägt, die Cloud zu nutzen, muss sicherstellen, dass der gewählte Provider gewährleistet, dass die ausgelagerten Daten ausreichend vor unberechtigten Zugriffen geschützt sind.
Cloud-Storage muss mandantenfähig sein. Egal, ob Public oder Private Cloud: Die Daten unterschiedlicher Unternehmen oder Unternehmensbereiche müssen getrennt werden und dürfen für den jeweils anderen weder sichtbar noch manipulierbar sein.
Auch muss geprüft werden, ob die Nutzung von Cloud-Storage wirklich Kosten spart. Nicht zuletzt sollte ein Unternehmen wissen, wo sich seine Cloud befindet. Längst nicht alle Daten eines deutschen Unternehmens dürfen – aus Compliance-Gründen – im Ausland gespeichert sein. Auch muss der Speicherort der Cloud politisch stabil sein, denn kein Unternehmen will seine vertraulichen Informationen frei zugänglich im Internet wiederfinden. Elementar wichtig ist daher die Vereinbarung entsprechender Service Level Agreements. Hier lassen sich u.a. Standort, Verfügbarkeit und Antwortzeiten vertraglich garantieren.