Jerome Evans ist Gründer und Geschäftsführer der Firstcolo GmbH und befasst sich seit über 15 Jahren mit IT-Dienstleistungen und speziell Datacentern.
Ohne Informationstechnologie läuft mittlerweile kaum noch etwas – und diese braucht das Rechenzentrum (RZ). Die aber benötigen viel Energie, und damit stellen die IT und ihre Datacenter weltweit einen wichtigen Faktor in Sachen Treibhausgasemissionen dar. Denn egal ob Konzern, Mittelständler oder der Handwerksbetrieb um die Ecke – zahlreiche Unternehmen fast aller Branchen haben ihre IT-Initiativen im Zuge der Pandemie beschleunigt. Dabei hat der wachsende Bedarf an Datenaustausch und digitalen Services verdeutlicht, dass die erfolgreiche Digitalisierung nur mit einer starken, zugrunde liegenden digitalen Infrastruktur möglich ist. Das Rückgrat dafür bilden Rechenzentren, wobei insbesondere große Colocation-Rechenzentren Unternehmen eine Plattform bieten, sich miteinander oder mit der Cloud zu vernetzen, um ihr Geschäft zu führen und Innovationen umzusetzen. RZ-Betreiber bauen angesichts der starken Nachfrage deutschlandweit ihre Kapazitäten aus und schaffen so die Grundlage für die weitere Digitalisierung. Einher mit diesem Ausbau geht allerdings auch die wichtige Frage, wie sich die Digitale Transformation weiterhin klimafreundlich und nachhaltig gestalten lässt.
Rechenzentren befinden sich nicht nur in Deutschland auf Wachstumskurs, sondern weltweit. 2022 belief sich der globale Server-Bestand laut Bitkom auf rund 85,6 Millionen Stück. 2015 waren es noch 58,8 Millionen. In Deutschland treibt vor allem der zunehmende Ausbau von Cloud Computing das Wachstum. Inzwischen nutzen bereits 89 Prozent der Unternehmen in Deutschland solche Anwendungen. So haben sich die Kapazitäten von Cloud-Rechenzentren in den vergangenen fünf Jahren fast verdoppelt: von 470 MW (2017) auf 880 MW (2022). Je energieeffizienter und nachhaltiger Rechenzentren betrieben werden, als desto niedriger entpuppt sich daher nicht nur ihr eigener ökologischer Fußabdruck, sondern zugleich auch der Fußabdruck digitaler Lösungen und Anwendungen insgesamt – sei es in Privathaushalten, beim Streaming, bei der Internetnutzung oder in Industrieprozessen. Videokonferenzen statt Dienstreisen, eine smarte Heizungssteuerung in Gebäuden, eine intelligente Verkehrssteuerung oder automatisierte Prozesse in der industriellen Fertigung – mithilfe der Digitalisierung reduzieren Unternehmen Energieverbrauch und CO₂-Emissionen so in großem Umfang. Ebenso lassen sich besser ausgelastete Rechenzentren effizienter betreiben. Dieses Potenzial kann die Energieeffizienz ebenso steigern und damit die Stromkosten im Bereich der technischen Infrastruktur und des IT-Betriebs senken.
Vor allem in Städten wie Amsterdam, Stockholm oder Frankfurt, in denen viele Rechenzentren stehen, könnte die Server-Wärme einen nennenswerten Beitrag zur Erreichung der Klimaziele leisten. Denn in den nächsten Jahren wird sich die Leistung der Server-Farmen voraussichtlich mehr als verdoppeln, parallel soll der Wärmebedarf der Stadt durch bessere Dämmung sinken. Doch ob die Stadt die von Servern produzierte Wärme wirklich nutzen kann, steht auf einem anderen Blatt. In der Praxis stehen Abwärmeprojekte vor zahlreichen Hürden – nicht nur in Frankfurt. Betreiber würden gerne Abwärme abgeben und sind daran interessiert, dass die Gesamtprojekte von Städten und Kommunen ökologischer werden. Das Hindernis: Kommunen oder Städte können diese Abwärme oft nicht abnehmen, weil in vielen Fällen noch keine Wärmenetze existieren. Die entsprechende Planung dieser Wärmenetzinfrastruktur dauert jedoch noch sehr lange. Ein weiteres Problem besteht zudem darin, dass die Abwärme in den meisten Datacentern noch nicht hoch genug ist, um die Restwärme abzuführen. Bisher fließt die Abwärme von Rechenzentren häufig in die Umgebung ab. Statt diese Energie zu verschwenden, sollen Rechenzentren in Zukunft vielmehr dazu beitragen, die Grundlast von Wärmenetzen zu decken.
Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 12/2023. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.
Viele Anwendungen benötigen zudem ganzjährig Wärme, wie beispielsweise Warmwasserbereitung, Schwimmbäder oder Trocknungsprozesse. Da sich Rechenzentren das ganze Jahr über betreiben lassen und sich durch ihren meist urbanen Standort vielfach in direkter Nähe potenzieller Wärmeabnehmer befinden, stellen sie eine zuverlässige Quelle für Abwärme dar. Deutschland braucht leistungsfähige und sichere Rechenzentren. Deshalb unterstützen gerade Rechenzentrumsbetreiber in Deutschland ausdrücklich das Ziel, ihre Energiebilanz weiter zu verbessern und die Digitalisierung klimafreundlich zu gestalten.
Bildquelle: Firstcolo